Körbe, Hip-Hop und Hotdogs
Was in den amerikanischen Grossstädten längst gang und gäbe ist, macht auch in der Schweiz allmählich Schule: "Midnight Basketball".
«Midnight Basketball» – zu Deutsch «Mitternacht-Basketball» – stammt aus den USA und hat über Deutschland den Weg in die Schweiz gefunden: Basketball zu später Stunde. Insbesondere in Grossstädten wie San Francisco, New York, Köln oder Hamburg ist «Midnight Basketball» längst ein fixer Bestandteil des Freizeitangebots für Jugendliche und junge Erwachsene.
Einen festen Termin bieten
Seit September 1999 ist «Midnight Basketball» auch in der Schweiz heimisch geworden – an rund 10 Orten in Bern, Basel und vor allem im Grossraum Zürich. Beispielsweise in Opfikon-Glattbrugg: Jeden Samstag öffnen erwachsene Betreuer um 22.00 Uhr die Pforten des Schulhauses Lättenwiesen. Während zwei Stunden flitzen die jungen Sportler durch die Halle, Basketbälle fliegen durch die Luft, aus den Musikboxen dröhnt Rap. Die Teilnahme am Spielbetrieb ist kostenlos. An der Bar gibt’s Getränke und Hotdogs zu kaufen. Alkohol ist verboten, geraucht wird draussen.
«Wir wollen Jugendlichen für Samstagabend einen festen Termin bieten, an dem sie regelmässig einer sinnvollen sportlichen Beschäftigung nachgehen können», sagt Eugen Mossdorf, Initiant des «Midnight Basketball»-Projekts in Opfikon-Glattbrugg, gegenüber swissinfo.
Gegen die Delinquenz am Wochenende
Der Nacht-Sport sei eine gute Sache, findet auch Heinz Studer vom Jugenddienst der Stadtpolizei Zürich. Auf diese Weise werde nämlich eine echte Alternative für Jugendliche geboten, die sonst auf der Strasse herumlungerten – und auf Abwege geraten würden: «Am Wochenende verzeichnet Zürich eine gesteigerte Jugend-Delinquenz», weiss Studer.
Die Unterstützung für die «Midnight Basketball»-Angebote ist breit. Im Fall von Opfikon-Glattbrugg beteiligen sich unter anderem die örtlichen Jugendarbeiter, die Kirchgemeinde, der Turnverein und die Suchtpräventions-Stelle.
Vor allem ausländische Jungs
Obwohl die Erfahrungen mit dem nächtlichen Basketball-Betrieb positiv seien und der Event bei den Jugendlichen sehr gut ankomme, dürfe man sich keinen Illusionen hingeben. «Nur ein kleiner Teil der Jugendlichen macht vom Programm Gebrauch», so Studer. Vor allem männliche Jugendliche mit ausländischen Wurzeln lassen sich vom Angebot begeistern.
Basketball sei eben ein Sport, der nicht unbedingt dem typischen Schweizer Jungen aus behüteten Verhältnissen entspreche, erklärt «Midnight Basketball»-Initiant Eugen Mossdorf. Und: «Leute, die in der Samstagnacht in eine Turnhalle gehen, tun das, weil sie nicht die gleichen Chancen und Möglichkeiten haben, wie gleichaltrige Schweizer, die gesellschaftlich besser eingebunden sind .»
Am kommenden Samstag feiert «Midninght Basketball» Opfikon-Glattbrugg sein einjähriges Bestehen. Da werde tüchtig gefeiert, schwärmt Mossdorf, und freut sich nicht zuletzt auch über die ausgeglichene Finanzlage: Die rund 20’000 Franken, die im vergangenen Jahr für Materialien, Spesen und die Musikanlage anfielen, konnten allesamt durch Sponsorengelder gedeckt werden.
Felix Münger
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