The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Kunst-Mekka Basel geöffnet

swissinfo.ch

Vom 13. bis 18. Juni blickt die Kunstwelt nach Basel. Die Art 32 Basel - nach eigenen Angaben die wichtigste Kunstmesse der Welt - hat ihre Kunstwerke zum Kauf ausgestellt. 262 Galerien aus Europa, Nord- und Lateinamerika und Asien sind in Basel. Sie zeigen rund 5'000 Werke von über tausend Künstlerinnen und Künstlern des 20. und 21. Jahrhunderts.

Der Aussenstehende würde hier, vor der Halle 2, der Messe Basel nicht ein Kunsttreffen vermuten. Eher würde man auf gut situierte Schnäppchenjäger tippen, die warten bis ihr Supermarkt geöffnet wird.

Doch die Leute, die da warten und lärmen und handytalkend herumwetzen, wollen nur eines: Rein in die grösste Kunstmesse des Jahres, zur Art 32 Basel.

Die Türe zu Messehalle 2 öffnet sich und das Drängen und Schubsen beginnt. Der graumellierte Kunsthändler von Welt und seine (viel) jüngere Muse drängen genauso, wie die Kunstdame (auch von Welt), die schnell von der Biennale Venedig nach Basel jettete. Dann die mikrofonbewehrten Journalisten und TV-Teams. Alles will rein!

Denn, tatsächlich ist es so: die Türe öffnet sich für alle zur gleichen Zeit. Nicht, dass da einer oder eine kommt und Vorsprung hat auf gerade dieses einzigartige Kunstwerk, das just nur hier in Basel zu kaufen ist. Ja speziell für Basel aufgespart wurde.

Kunstmarkt der Superlative

«Wir lügen nicht, wenn ich Ihnen sage, dass wir keine Umsatzzahlen kennen», sagt Peter Vetsch, der Sprecher der Art 32 Basel. Viele möchten es wissen, für wie viel Geld denn in Basel Kunst verkauft wird. Doch nie kriegt man es raus. Es werden Millionen von Franken sein. Wie viele Millionen weiss niemand.

Das Renommé der Art Basel beruht auf einerseits der Vielfalt. Davon kann man sich überzeugen, geht man durch die Messe. Andererseits kommen die Besucherinnen und Besucher aus aller Welt. Das spürte man an der Eröffnung, als Messeleiter Keller im (schweizer)deutsch sprechenden Basel auf englisch sagte: «Life is too short, to learn german».

99% kommen wieder

Genau 262 weltweit führende Galerien bieten ihre Schätze in Basel an. Dabei sein möchten aber über 900. «Wir werden auf keinen Fall wachsen», sagt Vetsch, «was heute an der Art zu sehen ist kann von einem Besucher noch so eben bewältigt werden.»

So gelten strenge Qualitätskriterien nach denen die Galerien ausgewählt werden. Interessant: Wer glaubt, er sei ungerecht abgewiesen worden, der kann das Verdikt von einer unabhängigen Rekurskommission überprüfen lassen!

Haben also junge Galerien keine Chance, denn die etablierten kommen zu fast hundert Prozent wieder nach Basel? «Nein», sagt Peter Vetsch, «Art-Statements ist eine Plattform für junge Künstlerinnen und Künstler. Sie wird jedes Jahr neu zusammengesetzt und ausgewählt. Hier können sich junge Galerien mit ihren jungen Künstlern zeigen.

Art Kindergarten

Wachsen will man also auf keine «Art und Weise», das ist beschlossen und würde die Veranstaltung auch überladen. In die Infrastruktur wird allerdings kräftig investiert. So in neue Wände, um die Kunstwerke daran zu hängen. Sie würden höchsten Ansprüchen genügen. Das Musée du Louvre, das J. Paul Getty Museum in Los Angeles und viele andere hätten die gleichen Wandsysteme.

Erstmals wird die Art Basel auch sehr familienfreundlich. Der «Art-Kindergarten» ist täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Kunstbeflissene Eltern sollen die Möglichkeit erhalten die Art ungestört zu geniessen (und die Kinder reissen keine teuren Bilder von den Wänden).

Art Unlimited

Auf einzelne Kunstwerke soll hier nicht eingegangen werden. Das würde zu weit führen. Da aber die führenden Galerien in Basel sind, sind auch die führenden Werke des 20. und 21. Jahrhunderts (wenn sie käuflich sind) erhältlich.

Eine Halle aber ist all denjenigen Spitzenwerken gewidmet, die mit dem Sattelschlepper nach Basel gebracht werden. «Art Unlimited» bietet Künstlern und Galeristen eine Plattform, Werke zu zeigen, die den Rahmen (im wahrsten Sinn des Wortes) von Ausstellungsständen auf Kunstmessen sprengen. Werke die viel Platz, viel «Halle» brauchen. Dazu gehört «Tee Pee and Indian» von Paul McCarthy noch nicht Die anmutige Kunststoff-Indianer-Squaw, die monoton auf eine Trommel hämmert, ist lediglich drei Meter hoch.

So bleibt dann noch das Gourmet-Restaurant, das erst mal die müden Kunstmenschen (und müde wird man) wieder aufmöbelt. Mit entsprechendem Speis und Trank. Und es bleibt die obligate Vernissage. Ein nichtgenannt sein wollender Insider sagte mir etliche Stunden vor der Vernissage: «Hoffentlich kommen nicht wieder alle in schwarz!»

Urs Maurer

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft