Lucerne Festival: Klang-Experimente
In der 1999 begonnen Trilogie (1999: Mythen, 2000: Metamorphosen) ist das Lucerne Festival nun bei Teil drei: "Schöpfung" angelangt. Im vom 15. August bis 15. September dauernden Festival gibt es am 1. September Klang-Experimente. Was dabei herauskommt, ist völlig offen.
«Remix Beethoven oder die lange Nacht der Schöpfung» heisst das Experiment. Die Interpretation von Beethovens sechster Sinfonie («Pastorale») durch die Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado im Kultur- und Kongresszentrum (KKL) wird nach draussen unter das grosse Dach des Nouvel-Baus (KKL) übertragen.
Dort spielt die Basel Sinfonietta eine zweite Version der «Pastorale». Und weil das Schweizer Radio das Konzert live überträgt, sollen die Leute ihre Radios mitnehmen und einschalten. Was sich aus diesem Klassik-Karaoke ergibt, ist offen – ein Happening wird es auf jeden Fall.
Beethovens «Zehnte»
Doch damit ist die «lange Nacht der Schöpfung» nicht ausgeschöpft. Über Lautsprecher geleitet Beethovens «Zehnte» das Publikum vom KKL zum Luzerner Theater. – Beethovens «Zehnte»? Gibt’s gar nicht! – Doch!
Der Franzose Pierre Henry, Gründungsvater der «Musique concrète», hat Beethovens «Zehnte» aus den andern neun Sinfonien gewissermassen zusammengebastelt. Erstmals 1979, dann 1999 als Remix des Remixers mit billigen Rhythmus-Maschinen und Alltags-Geräuschen. In Luzern werden beide Versionen parallel von zwei kleinen Orchestergruppen aufgeführt und von zwei Dirigenten via Monitor «virtuell» geleitet.
Klassik und Remixing – was dem «jungen Pop-Publikum» selbstverständlich ist, soll in der klassischen Praxis hinterfragt werden. Sind Liszt’s Transkribitionen von Beethovens Sinfonien Remixes? Oder hat Willem Mengelberg mit rhytmischen und dynamischen Veränderungen von Beethovens «Pastorale» Remix-Versionen erstellt?
Schöpfung – aus dem Chaos
Weitere Ingredienzien: John Cage, Debussy, Mallarmé, der Pianist Christoph Keller, der Elektroniker Andy Mellwig, die Berliner Visomat Inc., die alles mit Bildern versorgt, ein DJ-Set.
Christian von Borries, von dem das «Remix Beethoven»-Konzept stammt und der die lange Nacht auch leitet, nimmt das Leitmotiv des Lucerne Festival 2001 – Schöpfung – wörtlich. Er schöpft aus dem Chaos und wartet ab, was daraus entsteht.
swissinfo und Agenturen
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