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Männerberufe gibt es nicht!

Frauen in technischen Berufen nach wie vor untervertreten. Keystone

Technische Berufe sind immer noch eine "Männerdomäne". Das Projekt "Techno-Girls" will diese knacken.

Noch immer entscheiden sich wenige Frauen nach Abschluss des Gymnasiums für einen technischen Beruf. Der Anteil an Studentinnen in den technischen Studiengängen der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) liegt weit unter dem landesüblichen Durchschnitt an den Schweizer Universitäten. Auch im europäischen Vergleich hinkt die Schweiz in dieser Domäne nach.

1990 lag der durchschnittliche Frauenanteil in den technischen Lehrgängen an der ETH Zürich bei 19%, heute im Jahr 2002 bei 26%. Von den Studierenden in den Bereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Bauingenieur-Wesen sind nur 4 bis knapp 5% Frauen. In der Informatik sind es 9,5%, obwohl in der Schweiz 10’000 Informatikstellen vakant sind. In vielen anderen Fächern an der ETH liegt der Frauenanteil unter 30%. Ausnahme: In der Pharmazie gibt es 81,2% Frauen.

So könne es nicht weitergehen, sind sich mehrere Berufsverbände einig: Der Schweizerische Verband der Akademikerinnen (SVA), die Schweizerische Vereinigung der Ingenieurinnen (SVIN), die Fachfrauen Umwelt (FFU) und die Vereinigung Planung, Architektur, Frauen (PAF) realisieren das gemeinsame Projekt «Techno-Girls». Unterstützt wird es vom Eidgenössischen Gleichstellungsbüro.

«Techno-Girls» im Vormarsch

Das Projekt «Techno-Girls» ermuntert Gymnasiastinnen im Rahmen dreier Projektwochen in Zürich, Bern und Basel, die «Männerdomänen» zu knacken.

Wie Projektleiterin Sabine Ziegler gegenüber swissinfo erklärt, öffnen Frauen in technischen Berufen den Schülerinnen ihre Türen am Arbeitsplatz, lassen sie ihren Berufsalltag praktisch erleben und stehen als Gesprächs-Partnerinnen rund um die Themen «Berufswahl» oder «Beruf und Familie» zur Verfügung.

«Um mehr Frauen in die technischen Berufe hineinzubringen, müssen wir sehr früh bei jungen Mädchen, bei Vormaturandinnen anfangen. Wir müssen ihnen zeigen, dass es für Frauen auch ganz tolle und interessante technische Berufe gibt und nicht nur sozial oder sprachlich ausgerichtete Jobs.

Ängste abbauen, Vorbilder zeigen

Das Hauptziel der Projekt-Wochen sei es, den Mädchen durch den Kontakt mit erfahrenen Berufsfrauen Ängste und Vorbehalte gegenüber den «Männerdomänen» zu nehmen, sagt Sabine Ziegler. Und die Berufsfrauen, die als Mentorinnen wirken, sollen den Gymnasiastinnen als Vorbilder dienen, sei es als Biologin, Architektin oder Ingenieurin. Parallel dazu gestalten die Mädchen mit ihren Fragen und Erfahrungen während der Projekt-Woche eine Website.

In Zürich und Bern wurde die «Techno-Girls»-Projekt-Woche bereits abgeschlossen. Ob das Ziel erreicht worden ist, sei schwierig zu ermessen, meint Sabine Ziegler. Mit Sicherheit hätten alle grossen Spass gehabt und auf verschiedenen Ebenen Selbstbewusstsein getankt.

«Aber die Berufsbildung oder auch zu entscheiden, welchen Beruf ich nehme, das passiert nicht in einer Woche, das passiert über die Zeit.» Deshalb nehme man Langzeit-Beobachtungen vor und werde später nachfragen, wo die jungen Frauen punkto Ausbildung und Beruf stehen.

Mehr Mut

Sophia Hausener, die im August letzten Jahres die Matura in der Fachrichtung Biochemie absolvierte, hat die Projekt-Woche «Techno-Girls» in Bern positiv erlebt. Ihre drei Mentorinnen waren eine Lebensmittel-Ingenieurin, eine Biologin und eine Architektin. Interessant sei für sie auch das Gestalten der Website gewesen, sagt sie gegenüber swissinfo.

«Die Projekt-Woche hat mir etwas mehr Mut gebracht, als Frau in einen technischen Beruf einzusteigen, sich da behaupten zu können», so Sophia Hausener. Sie denkt, jetzt etwas in diese Richtung zu machen. Dabei habe sie Kontakte knüpfen können zu entsprechenden Berufsverbänden, wo die Frauen die nötige Kraft schöpften.

Noch eine, zwei Generationen

Sophia Hausener möchte die «Männerdomänen» am besten morgen schon knacken. Doch das gehe nicht so schnell. Es habe bei ihren Mentorinnen Beispiele gegeben, dass Frauen für die gleiche Arbeit nicht gleichviel wie Männer verdienen oder sich dumme Sprüche anhören müssten. «Ich meine, wir sind doch im 21. Jahrhundert, und das ist schon etwas schade. Ich denke, es geht sicher noch eine, zwei Generationen, bis wir gleichgestellt sind.»

Jean-Michel Berthoud

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