Meister des Übergangs
Arnold Böcklin (Basel 1827 - Fiesole 1901) zählt zu den bedeutendsten Malern des 19. Jahrhunderts. Schon zu Lebzeiten heftig diskutiert, geriet er nach seinem Tod vor 100 Jahren bald in Vergessenheit. Heute ist seine Bedeutung unumstritten und das Kunstmuseum Basel ( 19.Mai -26.August) widmet seinem berühmten Maler eine Retrospektive.
1901: Bei der ersten Verleihung des Nobelpreises für Frieden wird Henri Dunant geehrt. Der Staubsauger und der Rasierapparat werden erfunden. Thomas Mann schreibt die Buddenbrooks. Die Maler Henri de Toulouse-Lautrec und Arnold Böcklin sterben, ihre Bilder strahlen noch heute.
Wer war dieser Arnold Böcklin, der sich auf seinem berühmten Selbstbildnis einen fiedelnden Tod, in Form eines Schädels, und Geigenbogen, in die Ecke, in den Rücken stellte? Der mit seiner «Toteninsel» das Lebensgefühl einer ganzen Epoche wiederzugeben vermochte. Jene «Toteninsel», die schaurig-schön morbid in Basel erstmals in drei der fünf Versionen zu sehen ist. Der neben Landschaftsbildern, Faune, Nymphen, Kentauren in Farbe festhielt.
Böcklin war jener Maler des 19. Jahrhunderts, dessen Bilder keinen Betrachtenden kalt lassen. Mit ihrer suggestiven Kraft, ihren düsteren, später lichteren Farben, der Verschmelzung landschaftlicher Stimmungsbilder und allegorischer Figuren drängt sich sein Werk auf. Verlangt eine Stellungsnahme, die oft zwiespältig ausfällt. Böcklins Werk fasziniert und lässt schaudern, früher wie heute. Böcklin der Meister des Übergangs, von der Spätromantik zum Symbolismus. Zum Vorläufer des Jugendstils. Zum Beeinflusser der Surrealisten.
1827 kommt Arnold in Basel zur Welt. Er besucht das Humanistische Gymnasium und nimmt 1841 erstmals Zeichenunterricht, gegen den Willen des Vaters. Nach Studien an der Düsseldorfer Akademie reist er, bildet sich zum Landschaftsmaler weiter. 1948 in Paris wird er Zeuge der revolutionären Ereignisse, 1950 reist er nach Rom, wo ihn das Mittelmeer, die Campagna, das Licht ebenso tief beeindrucken, wie die Ereignisse in Frankreich. Er heiratet, wird Vater, schlägt sich und seine Familie mehr recht als schlecht durch. Er beginnt seine Landschaften mit mythologischen Figuren zu bevölkern, die Bilder werden geheimnissvoller, mehrdeutig, allegorisch.
Als der bayrische König Ludwig I. 1859 «Pan im Schilf» erwirbt, wird Böcklin schlagartig wahrgenommen, er ist wer. Nach der Berufung an die Weimarer Kunstakademie, bestellt die Basler Museumskommission bald ihr erstes Bild. Die Bilder von Arnold Böcklin werden eigenwilliger, Abgründe und Alpträume, Sehnsüchte und Träume finden Ausdruck. Nicht allen gefällt sein Stil, einigen ist er zu symbolbeladen, zu subjektiv, zu vergeistigt.
Die Ausstellung in Basel vereint in exemplarischer Auswahl 90 Bilder aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Sie zeigt die Entwicklung Böcklins von der Spätromantik zum Symbolismus. Eine Ausstellung, die berührt, Jung und Alt, denn Böcklins Bilder sprechen eine Sprache, die zeitlos ist.
Brigitta Javurek, Zürich
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