Stacheltiere aus der DDR
120 Filme aus 15 Länder werden an den 5. Internationalen Kurzfilmtagen Winterthur vom 8. bis 11. November gezeigt. Gastland ist Schweden. Satirische Kurzfilme aus der DDR bilden ein Spezialprogramm.
Die Kurzfilmtage Winterthur haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 1997 zu einer viel beachteten und gut besuchten Veranstaltung entwickelt. Als einziges Kurzfilmfestival der Schweiz sind sie zu einer wichtigen Plattform für das nationale und internationale Kurzfilmschaffen geworden. Grund genug, die Kurzfilm-Tage um einen zu verlängern. Jetzt sind es vier.
Das Beste der letzten zwei Jahren
Im Wettbewerb werden «die besten internationalen Kurzfilme der letzten zwei Jahre» gezeigt, wie Mitorganisator Matthias Brütsch erklärte. Zu sehen seien alle Genres und Formate. Etwa zwei Drittel seien Spielfilme, insgesamt komme der Wettbewerb aber «etwas experimenteller» daher als letztes Jahr.
Der Hauptpreis ist mit 6’000 Franken dotiert. Mit 5’000 Franken wird ein «herausragendes Regietalent» mit dem Förderpreis ausgezeichnet. 4’000 Franken gibts für die beste Schweizer Produktion. Der Publikumspreis hat einen Wert von 2’000 Franken.
Schweden und die DDR-Stacheln
Aus dem Gastland Schweden sind unter anderem Kurzfilme von Lukas Moodysson («Fucking Amal» und «Together») und Roy Anderson («Song from the second floor») zu sehen. In Schweden haben laut Simon Koenig auch Kürzestfilme eine besondere Tradition.
In Winterthur zu entdecken gilt es die Reihe «Stacheltiere», die zwischen 1953 und 1964 in staatlichem Auftrag in der DDR entstanden und jeweils als Vorfilme zu den Wochenschauen im Kino zu sehen waren. Sie sind noch nie ausserhalb Ostdeutschlands gezeigt worden.
«Stacheltiere», satirischen Kurzspielfilme, von denen zwischen 1953 und 1964 immerhin 275 Einzeltitel mit einer durchschnittlichen Länge von etwa 7 Minuten in Berlin produziert wurden.
Was zunächst ins Auge fällt, ist das «Stacheltier-Logo» zu Beginn eines jeden Films. Für den filminteressierten DDR-Bürger war es das Markenzeichen für ein kleines Film- manchmal auch Kunstwerk, in dem, wenn auch vorsichtig, die inhaltliche Auseinandersetzung mit den vielen Unzulänglichkeiten der sozialistischen Gesellschaft geführt werden durfte.
Heute kennt diese Streifen selbst in Deutschland fast niemand mehr, bestenfalls ältere Kinogänger in Ostdeutschland. Die Filmkopien dagegen sind weitgehend archiviert und konserviert. Sie befinden sich im Filmarchiv der Bundesrepublik Deutschland in Berlin und warten auf ihre Wiederentdeckung. Die internationalen Kurzfilmtage Winterthur sind das erste Festival überhaupt, das eine Retrospektive der «Stacheltiere» zeigt.
Im Schnitt 12 Minuten
Insgesamt über 1’300 Kurzfilme habe das Festivalteam laut Brütsch visioniert, knapp einen Zehntel davon zur Präsentation in der Alten Kaserne und im Kino Palace ausgewählt.
Über 5’000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet, die sich für die Filme und Videos mit einer Länge von 30 Sekunden bis 45 Minuten interessieren. Im Durchschnitt dauern die gezeigten Werke zwölf Minuten.
swissinfo und Agenturen
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