Theatralische Leckerbissen
Die Deutschschweizer Theatersaison hat begonnen. Sie bringt ein neues Stück von Thomas Hürlimann, dazu eine Auswahl an Klassikern und vor allem Hits der jüngsten Theatergeschichte.
Die Strategien der Deutschschweizer Bühnen sind verschieden. Das Zürcher Schauspielhaus setzt auf renommierte Regisseure wie Luc Bondy, Werner Düggelin und Falk Richter. Das Theater Bern lockt mit neuen, aber bereits bewährten Erfolgsstücken wie «Copenhagen», «norway.today», «Shockheaded Peter» und «Parasiten».
Basel stellt unter dem Motto «Kapital Moral» Bewährtes wie Brechts «Der gute Mensch von Sezuan» gleichberechtigt neben noch Unaufgeführtes wie das Duttweiler-Drama «Das Sortiment» von Sanchez und Günther. Mit Yasmina Rezas «Drei Mal Leben», Rainald Goetz‘ «Jeff Koons» und einem «Hamlet» von Stefan Bachmann gibt es sichere Werte im Programm.
Wetten darf man auch sorglos auf «Synchron», Thomas Hürlimanns erstes (fast) apolitisches Liebesdrama, das Christoph Marthaler im April im Pfauen uraufführen will. Es handelt von Frunz, dem Komödiendichter, und Sybille, der Schauspielerin. «Lieben sie sich? Ja schon. Nur leider nicht synchron», umschreibt der Verfasser den Grundkonflikt im Programmheft.
Namhafte Regisseure und Jungautoren
Luc Bondy inszeniert im Zürcher Schauspielhaus «Auf dem Land» von Martin Crimp als Schweizerische Erstaufführung. Werner Düggelin nimmt sich Strindbergs «Wetterleuchten» vor, Andreas Kriegenburg Ibsens «Stützen der Gesellschaft» und Stefan Pucher Tschechows «Drei Schwestern».
Falk Richter bringt Werke von zwei der wichtigsten zeitgenössischen Dramatiker zur Erstaufführung: «Die Klinik» des gefeierten Schweden Lars Norén und «4.48 Psychose», das letzte Stück der 1999 aus dem Leben geschiedenen britischen Erfolgsautorin Sarah Kane. Mit «Winter» des Norwegers Jon Fosse inszeniert Jossi Wieler in Zürich einen weiteren gefragten Autor.
Vergleichsstücke…
Die Theater Basel und Bern streiten sich um die Schweizer Erstaufführung von Igor Bauersimas «norway.today». Das letzten November am Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführte Stück über eine morbide Internet-Liebe hat vor kurzem einen Preis des Kantons Bern erhalten und war für den Mühlheimer Dramatikerpreis nominiert. Die beiden Interpretationen zu vergleichen, dürfte spannend werden.
Das gilt auch für die Junk Opera «Shockheaded Peter» von Julian Crouch und Phelim McDermott. Die schräge Struwwelpeter-Moritat war 1998 der Renner am Zürcher Theaterspektakel und wird nun auf der Berner Kornhausbühne und im Neumarkt inszeniert. Dritte im Reigen der doppelt Begehrten ist Katharina Tanner, wie Bauersima Schweizerin. Ihr Pas de Deux «Alles liebe» wird vom Theater an der Winkelwiese und vom ensemble Theater der Regionen aufgeführt.
… und andere junge Bühnenhits
Mit Marius von Mayenburgs «Parasiten» führt das Theater Bern einen weiteren Mühlheim-Finalisten erstmals in der Schweiz auf. Und mit «Novecento» von Alessandro Baricco hat es sich einen grossen Buch- und Filmerfolg zur Schweizer Erstaufführung schnappen können.
Eröffnet wird der Reigen der jungen Theaterhits am 1. September in Bern mit Michael Frayns «Kopenhagen». Der Zweiakter über den Besuch des deutschen Atomphysikers Werner Heisenberg bei seinem dänischen Kollegen Niels Bohr war ein Broadway-Feger und erhielt letztes Jahr einen «Tony».
swissinfo und Agenturen
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