Tolkiens Film-Welt aus Neuenburg
Die millionen-teure Fantasy-Welt für das Tolkien-Film-Epos kommt aus der Schweiz: Der verantwortliche Künstler John Howe lebt in Neuenburg.
Howe, der in den 80er-Jahren in die Schweiz kam, war verantwortlich für das künstlerische Konzept des ersten Teil der Filmtrilogie. Er zeichnete auf faszinierende Weise verschiedene Charaktere und dramatische Ereignisse.
Tausende von Stars und Team-Mitglieder
Der erste Film der Tolkiensaga wurde von mehreren Filmteams über drei Jahre in 274 Tagen aufgenommen. Howe hatte dafür zu sorgen, dass die Fantasiewelt durch die Schaffung einer alternativen Kunstgeschichte eine gewisse Einheitlichkeit erhielt.
Er entwarf die mittelalterlichen Kostüme, Waffen und Skulpturen und gestaltete diese fantastische Welt so realistisch wie möglich.
Eine ganze Welt erschaffen
«Man kann in so kurzer Zeit nicht wirklich eine Welt erschaffen, und es war sehr schwierig, etwas herzustellen, das Hand und Fuss hat. Aber das war uns sehr wichtig», erklärte Howe gegenüber swissinfo.
«Das Problem lag darin, dass es mit vielen kulturellen Werten zu tun hat, die man so bearbeiten muss, dass sie nahe am Buch liegen, auf dem der Film aufbaut.
Monster haben schmutzige Fingernägel
«Es ist schwierig, aus dieser Art Buch einen Film zu machen, denn man muss sehr vieles weglassen, anderes ausbauen», sagte Howe. Der Regisseur hatte eine ziemliche genaue Vorstellung, was er wollte, und deshalb drängte er mich in Bereiche, in die ich mich von selbst nie gewagt hätte».
Howe reiste mit seiner Familie nach Neuseeland und war 18 Monate täglich auf dem Filmgelände. Er zeichnete Hunderte von Bildern vor dem Hintergrund der rauen Landschaft der Südinsel von Neuseeland. Die Zeichnungen wurden zu winzigen, aber auch zu lebensgrossen Modellen, mit so realistischen Details wie den schmutzigen Fingernägeln der Monster.
«Wir verbrachten 10-12 Stunden täglich mit Zeichnen. Das ist ziemlich hart. Das ging wohl, weil uns gar nicht bewusst war, was da an Arbeit auf uns zukam. Hätte ich gewusst, was ich in einem bestimmten Zeitraum zu produzieren hatte, hätte ich es mir wohl zweimal überlegt. Aber daran dachte ich überhaupt nicht. Also schloss ich die Augen und sprang.»
Kassenschlager mit Fantasy
Tolkiens Film «Lord of the Rings» läuft seit Mittwoch in den Schweizer Kinos.
Der Film kostete 490 Mio. Franken und dürfte mit erwarteten Einnahmen von 62 Millionen Franken an einem einzigen Wochenende ein Kassenschlager werden.
Regisseur des Filmes ist der Neuseeländer Peter Jackson. Jackson hat auch das Vorwort zu einem neuen Buch von Howe geschrieben. Er wird am Freitag in der Buchhandlung Payot in Neuenburg sein Buch signieren. Werke des Künstlers sind ausserdem in der Galerie «La Bulle» in Freiburg zu sehen.
Devra Pitt
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