Linksalternative in Spanien gehen zerstritten in Neuwahl
Gut sechs Wochen vor der vorgezogenen Parlamentswahl am 29. November in Spanien ist es den Parteien links der regierenden Sozialisten nicht gelungen, sich auf eine gemeinsame landesweite Liste zu einigen. Die wichtigsten Kräfte des linksalternativen Lagers treten daher in den meisten Wahlkreisen getrennt an, wie spanische Medien übereinstimmend nach dem Ablauf der Frist für die Registrierung der Wahllisten am Freitag um Mitternacht berichteten.
(Keystone-SDA) Das könnte nach dem spanischen Wahlrecht Stimmen und Mandate kosten und die Chancen eines Regierungswechsels zugunsten der konservativen Volkspartei PP und der rechtspopulistischen Vox erhöhen. Bei der vergangenen Wahl 2023 traten die linksalternativen Kräfte noch gemeinsam unter dem Dach von Sumar an und erzielten 12,3 Prozent der Stimmen. Mit ihren 31 Abgeordneten sicherten sie die Wiederwahl von Pedro Sánchez (PSOE) zum Regierungschef.
Streit um Macht und Einfluss
Bei dem Streit in den linken Gruppierungen ging es nun vor allem um Macht und Einfluss. Keine Einigung gab es bei der Frage, wer das linksalternative Lager anführen solle, bei der Besetzung der aussichtsreichen Spitzenplätze auf den Listen sowie beim Ringen um die Eigenständigkeit regionaler Bündnisse. Gerade in den grossen Wahlkreisen Madrid und Katalonien konnten sich die Lager nicht auf eine gemeinsame Aufstellung einigen.
Für den Wahlausgang könnte das Fehlen einer gemeinsamen Wahlliste folgenreich sein. Spanien wählt das Abgeordnetenhaus in 52 Wahlkreisen. In den meisten davon werden die Sitze nach dem D’Hondt-Verfahren vergeben, das grössere Parteien und geschlossene Listen begünstigt. Treten Kräfte getrennt an, können ihre Stimmen in mehreren Wahlkreisen für die Mandatsverteilung verloren gehen, obwohl sie zusammen ausgereicht hätten, um Sitze zu gewinnen.