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Literaturfestival auf dem Monte Verità im Geist der Utopie

Keystone-SDA

Auf dem Monte Verità ob Ascona starten die 14. Eventi Letterari. Das kleine und feine Literaturfestival schlägt mit seinem Motto "Dance Me to the End of Love" einmal mehr eine Brücke zu den utopischen Idealen, die einst auf dem "Berg der Wahrheit" gelebt wurden.

(Keystone-SDA) Die 14. Ausgabe der Eventi Letterari widmet sich den Themen Tanz, Erotik, Liebe und Tod. Erwartet werden zum Literaturfestival unter anderem die israelische Soziologin Eva Illouz, der umstrittene französische Dichter und Romancier Michel Houellebecq sowie der Schweizer Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss. Das Motto der diesjährigen Ausgabe lehnt sich an den berühmten Song des Liedermachers und Dichters Leonard Cohen an.

Nicht nur mit der Auswahl der Autorinnen und Autoren nimmt das Festival Bezug auf den Mythos des Monte Verità, sondern auch mit kleinen, feinen Programmpunkten zwischen den «Hauptacts» des Festivals.

Auch musikalische Akzente

Immer wieder setzen die Macher unter der künstlerischen Leitung des Kulturjournalisten und Philosophen Stefan Zweifel auch musikalische Akzente, in diesem Jahr mit Sarah Brahim und Omí. «Zwischen Grazie und Gravitation» heisst die Performance, bei der die Künstler mit Körper, Klang und Bewegung arbeiten und bei welcher der Rhythmus des Körpers «zum Strukturprinzip von Raum und Zeit» wird, wie es im Programm heisst.

Daneben stehen eine Führung in der Eranos-Stiftung unten am Lago Maggiore und Cocktail-Kreationen von Peter Roth, dem legendären Barchef der Zürcher Kronenhalle Bar, auf dem diesjährigen Programm. Wer Lust auf einen Ausflug in die Mystik hat, kann sich zudem in der versteckt gelegenen «Casa dei russi» persönliche Tarot-Karten legen lassen – Interpretation inbegriffen.

Im gesamten Festival schwingt ein Hauch von jener Energie mit, die den Berg in den letzten 126 Jahren umweht – ein Stück lebensreformerischen Gedankenguts, etwas von jungen Autorinnen und Autoren aus Italien mitgebrachte künstlerische Avantgarde und immer der Hang zur Utopie oder zumindest zur Frage, wie denn heutige Utopien aussehen könnten.

Heimat der Lebensreformer

Um 1900 wurde das Tessin zu einer Art Gegenwelt des «urbanisierten, industrialisierten und technisierten Nordens», wie es auf der Homepage des Monte Verità heisst. Lebensreformer und Aussteiger aller Art machten den Berg zu ihrer neuen Heimat. Sie errichteten schlichte Hütten, entspannten sich mit Eurythmie und Nacktbaden und lebten nahe an den Elementen Licht, Luft und Wasser.

1923 wurde der Monte Verità an die Künstler Werner Ackermann, Hugo Wilkens und Max Bethke verkauft, die ihn teilweise in eine expressionistische Künstlerkolonie umwandelten. Verschiedene artistische Aktivitäten machten den Monte Verità zu einem Anziehungspunkt für die künstlerische Avantgarde.

Bis heute sei der Monte Verità mit dem «Mythos der Nacktheit und Liebe» verbunden und daher der ideale Ort, um auch «die zutiefst utopischen Aspekte dieses Ideals» in den Mittelpunkt der Diskussion zu rücken, schreibt der Präsident der Eventi Letterari, Raphaël Brunschwig, im Vorwort des diesjährigen Programms.

Eröffnet wird das Festival am Donnerstag (26. März) vom italienischen Schriftsteller und «Premio Strega»-Preisträger Emanuele Trevi. Von dem in Rom lebenden Autor wird gesagt, er vermische Roman und Essay, Biografie und Memoiren zu einem ganz persönlichen Genre.

Die 14. Ausgabe der Eventi Letterari findet vom 26. bis 29. März in Ascona und Locarno statt.

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