Museum Luzern zeigt Ausstellung zu fürsorgerischen Zwangsmassnahmen
Im Museum Luzern ist ab dem 14. Mai die nationale Wanderausstellung "Versorgt. Verdingt. Vergessen?" zu sehen. Die Schau beleuchtet ein lange verdrängtes Kapitel der Schweizer Geschichte und rückt die Schicksale Betroffener fürsorgerischer Zwangsmassnahmen ins Zentrum.
(Keystone-SDA) Die Ausstellung im Museum Luzern dauert bis zum 23. Oktober und ist erstmals in der Deutschschweiz zu sehen, wie das Museum Luzern mitteilte. Unter dem Jahresmotto «Sichtbar machen» vermittelt sie einen «wissenschaftlich fundierten» und zugleich persönlichen Zugang zur Geschichte der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen in der Schweiz.
Im Mittelpunkt stehen laut Communiqué die Stimmen der Betroffenen. Eine audiovisuelle Collage dokumentiert ihren jahrzehntelangen Kampf um Anerkennung, während ein begehbares Archiv die Dimension der individuellen Schicksale sichtbar macht. Ergänzt wird die Ausstellung durch Installationen zu rechtlichen Grundlagen, Anstalten und verschiedenen Formen der Massnahmen sowie durch historische Dokumente aus Politik, Medien und Kultur.
Lokaler Bezug
Eine Timeline zeichnet die wichtigsten Schritte der Aufarbeitung nach, von den Entschuldigungen des Bundesrats bis heute, wie es hiess. Ein interaktives Forum lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich mit Fragen zu Verantwortung, Wiedergutmachung und Grundrechten auseinanderzusetzen.
Ergänzt wird die Schau durch den lokalen Ausstellungsteil «Weisst du, wer hier gelebt hat?», den das Museum Luzern kuratiert hat. Dieser beleuchtet die Geschichte des heutigen Museumsgebäudes am Kasernenplatz, das einst als Waisen- und Arbeitshaus genutzt wurde. Zudem kommen heutige Stimmen aus der Kinder- und Jugendsiedlung Utenberg, von Pflegefamilien oder der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zu Wort.
Ausserdem diskutieren Fachleute und Betroffene verschiedene Formen der Aufarbeitung, von politischen und historischen Fragen über Familienforschung bis hin zu künstlerischen Ausdrucksformen und dem heutigen Aufwachsen in Pflegefamilien.