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Psychiatrie Baselland muss Lücke bei Dolmetschkosten selbst decken

Keystone-SDA

Die Psychiatrie Baselland (PBL) muss ihre Ausgaben für Dolmetschleistungen senken und KI-Lösungen in dem Bereich vorantreiben. Was das bedeutet, erklärt Matthias Wehrli, Leitender Arzt für Erwachsenenpsychiatrie am Zentrum für psychische Gesundheit der PBL.

(Keystone-SDA) Die Kosten für Dolmetschende, welche die PBL für die Kommunikation mit fremdsprachigen Patientinnen und Patienten bezahlt, steigen. Der Kanton finanziert diese. Der Landrat hat im November 2025 statt der von der Regierung vorgesehenen 650’000 Franken jedoch ein jährliches Kostendach von 419’000 Franken für 2026 und 2027 gesetzt.

Die Nachrichtenagentur Keystone-SDA hat sich etwas weniger als ein Jahr nach dem Entscheid bei der PBL über die Situation erkundigt und Matthias Wehrli im Zentrum für Psychische Gesundheit der PBL in Binningen BL zum Gespräch getroffen. Er zeigte sich optimistisch, was das Potential von KI-Lösungen in der Zukunft betrifft. Die Kosten liessen sich aber nicht so schnell dämpfen – die PBL müsse das Defizit vorerst auf eigene Kosten decken.

Teledolmetschen als Variante

«Der Standard war bisher, dass die dolmetschende Person vor Ort kam und beim Gespräch dabei war», sagte Wehrli. Dabei gebe es Einsparmöglichkeiten, zum Beispiel durch eine Zuschaltung über Video oder Telefon – so spare man sich die Wegzeiten.

Für das Teledolmetschen braucht man aber Ausrüstung und Partner, und es ist nicht in jeder Situation geeignet, wie Wehrli festhielt. «In der Psychiatrie und Psychotherapie können wir nicht über Apparate Befunde erheben wie in der Körpermedizin», sagte er.

Man sei auf die Sprache als zentrales Medium angewiesen, den direkten Austausch. Es gebe verschiedene Dialekte oder Sprachbilder, die es zu erkennen gebe. Auch wichtig sei die nonverbale Kommunikation: Nur schon die Lautstärke könne von Bedeutung sein. Bei Übertragungen könnten wichtige Details untergehen. Entsprechend seien auch nicht alle Dolmetschenden bereit, aus der Ferne zu arbeiten.

Gefahr von Missverständnissen

Auch bei Patientinnen und Patienten, die sich in angespannten Situationen befinden, ist es mit Dolmetschenden vor Ort einfacher, wie Wehrli konstatierte. Etwa bei Kriseninterventionen könne man Missverständnissen besser vorbeugen und diese ausräumen. Manche Menschen würden ein Misstrauen gegenüber Autoritätsfiguren mitbringen und die Behandelnden als Behörden wahrnehmen. Darum setzte die PBL bei Erstkontakten nach wie vor auf Dolmetschende vor Ort.

Laut Wehrli ist die Zahl der Patientinnen und Patienten, die nicht-europäische Sprachen sprechen, in den letzten Jahren gestiegen. Es handle sich um Menschen, die etwa aus Afghanistan, dem syrisch-kurdischen Raum oder vom Horn von Afrika kämen. Sie stammten aus Krisengebieten und hätten teilweise belastende Fluchtrouten hinter sich. Zusätzlich seien sie mit Ungewissheiten im Migrationssystem konfrontiert.

Am Ende gehe es der PBL immer um das Wohl der Patientinnen und Patienten und um deren Genesung. Wehrli zeigte Verständnis für die Politik, dass man bei steigenden Kosten reagieren wolle. Er erhoffe sich aber ebenfalls Verständnis von der Politik, weil die PBL die Migration nicht steuern könne.

Kann KI helfen?

Zum Thema KI hielt PBL-Sprecherin Joëlle Beeler zunächst fest, dass man schon vor dem Landratsentscheid im Rahmen der Digitalisierung in vielen Bereichen die Anwendung teste. Zum Thema KI-Dolmetschen habe die PBL zusammen mit dem Kantonsspital Baselland an einer Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften teilgenommen – der Abschlussbericht solle Ende Oktober vorliegen.

Aus Datenschutzgründen kann die PBL aber nicht auf gängige Lösungen zurückgreifen, wie Wehrli erklärte. Gefragt seien Tools, welche Datenschutzbestimmungen und spezifische Qualitätsansprüche erfüllten. Solche seien aber noch weniger weit entwickelt als Angebote von globalen Technologiekonzernen.

Ausgerechnet bei den nicht-europäischen Sprachen sei die Qualität zum Teil sehr schlecht, so Wehrli. Für die Aufnahme von Personalien könne man sie nutzen, aber schon bei einfachen Gesprächen seien die Tools noch zu fehleranfällig.

«Der Idealfall wäre ein Universalübersetzer à la Star Trek», sagte Wehrli. Das hätte den Vorteil, dass man direkt mit einer Person kommunizieren könne. Längerfristig sei das «gar nicht so unrealistisch», denn die Entwicklungen im KI-Bereich seien eindrücklich.

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