Ruth Asawas schwebenden Drahtskulpturen in der Fondation Beyeler
Die japanisch-amerikanische Künstlerin Ruth Asawa erlebt derzeit einen regelrechten Museumsboom: 13 Jahre nach ihrem Tod kommt eine Retrospektive ihres Werks nach Stationen in den USA und in Spanien nun in die Fondation Beyeler in Riehen BS.
(Keystone-SDA) Die Drahtskulpturen, Papierfaltungen und Zeichnungen von Ruth Asawa (1926-2013) dürften zumindest in Europa bisher nur einem eingeweihten Publikum bekannt gewesen sein. Das wird sich nun ändern. Ihr Werk befindet sich auf einer bemerkenswerten Tournee: Sie begann im San Francisco Museum of Modern Art, führte sodann über das Museum of Modern Art in New York und das Guggenheim Museum in Bilbao bis in die Fondation Beyeler.
Das amerikanische Kunstportal Artnet spricht von einem «plötzlichen» Aufstieg Asawas zur «Blue-Chip-Künstlerin». Der Kunstmarkt nahm vorweg, was die grossen Museen nun vollziehen: Bereits 2020 erzielten Drahtskulpturen von ihr bei einer Auktion von Christie’s Preise von bis zu 5,38 Millionen Dollar. An der Kunstmesse Art Basel ging 2025 eine Skulptur gar für 9,5 Millionen Dollar über den Tresen der New Yorker Galerie David Zwirner – ein Rekordpreis.
Schnittstelle zwischen Kunst und Kunsthandwerk
In der Fondation Beyeler kann man nun das Oeuvre kennenlernen, für das Sammlerinnen und Sammler so viel zu bezahlen bereit sind. Es ist ein höchst eigenständiges Werk an der Schnittstelle zwischen Kunst und Kunsthandwerk, das von der stupenden handwerklichen Technik der Künstlerin zeugt.
Im Zentrum stehen ihre filigranen und organisch anmutenden Drahtgebilde. In den Ausstellungsräumen hängend erinnern sie auf den ersten Blick an Fangkörbe für Fische, heben sich aber in ihrem fantasievoll ausufernden und in sich verschlungenen Formenreichtum klar vom Eindruck eines zweckdienlichen Instruments ab. Im Spiel mit Licht und Schatten entwickeln sie eine kontemplative Raumwirkung.
Mit der geduldigen Handarbeit kam Ruth Asawa bereits in ihrer Kindheit in Kontakt, wie die Fondation Beyeler schreibt. Als Kind von Bohnenbauern musste sie Rankhilfen aus Draht flechten. Noch während ihres Kunststudiums lernte sie in Mexiko die Technik des traditionellen Korbflechtens kennen. Mit der Zeit wurden ihre Werke immer komplexer und technisch anspruchsvoller.
In der Fondation Beyeler sind ab Sonntag 200 Werke aus allen Schaffensphasen der Künstlerin zu sehen. Neben den Drahtskulpturen sind das Bronzegüsse und eine Auswahl an Papierarbeiten, die gemäss Museumsangaben die enge Verbindung von Asawas Kunst zur Natur hervorheben.