Erste NATO-Übung auf Schweizer Boden eröffnet
Bundespräsident Adolf Ogi hat am Sonntag (5.11.)in Luzern die erste Übung der NATO-Partnerschaft für den Frieden (PfP) auf Schweizer Boden eröffnet. Bis am kommenden Freitag üben rund 450 Teilnehmer aus 19 Ländern die Friedenserhaltung am Computer.
Die Schweiz sei erfreut und stolz darauf, Gastgeber der PfP-Übung «Cooperative Determination 2000» zu sein, sagte Ogi in seiner Eröffnungsansprache. Die Schweiz habe einen wichtigen Schritt vorwärts gemacht und im vergangenen Jahrzehnt damit begonnen, die Sicherheitspolitik zu öffnen und die internationale Zusammenarbeit zu intensivieren.
Erster Schritt in die Richtung der neuen Schweizer Strategie «Sicherheit durch Kooperation» sei der Beitritt zum Bündnis «Partnership for Peace» im Jahr 1996 gewesen, sagte Ogi. Weitere wichtige Etappen waren die Entsendung der Swisscoy in den Kosovo sowie die am Montag beginnende Übung CDE 2000. Damit könne die operative Zusammenarbeit der Schweiz mit ihren Partnern verbessert werden, sagte er.
«Wir sind von Haus aus Profiteure»
Am Rande der Eröffnungsveranstaltung dementierte der Bundespräsident jede Absicht der Schweiz, der NATO beizutreten. Die PfP sei für die Schweiz ein «à la carte-Angebot». Ogi betonte die Vorteile solcher Kooperationen für die Schweiz: «Wir sind von Haus aus Profiteure.»
NATO-Dreistern-General Emmanouil Mantzanas zeigte sich in seiner Ansprache erfreut über die erstmalige Durchführung einer PfP-Übung in der Schweiz. Er sei zuversichtlich, dass diese Übung aufzeigen werde, wie gross der Nutzen für die Staaten sei, welche für die Friedensförderung zusammen arbeiteten. Nach der Eröffnungsfeier besuchten die Übungsteilnehmer verschiedene Orte in der Innerschweiz. Unter anderem wohnten sie am Sonntagnachmittag in der Nähe von Attinghausen (UR) einer Demonstration der Chemiewehr Uri bei, die einen Einsatz rund um einen verunfallten Gefahrenguttransport zeigte.
«Peacegames» statt «Wargames»
Die konkrete Arbeit beginnt für die Übungsteilnehmer am Montag (06.11.). Das Übungsszenario sieht den virtuellen Einsatz einer multinationalen bewaffneten Brigade für friedenserhaltende Operationen vor. Diese hat zusammen mit zivilen Hilfsorganisationen auch humanitäre Hilfeleistungen für die Bevölkerung zu erbringen. Als Übungsanlage wurde ein Konflikt zweier Nachbarländer («Nordland» und «Südland») um ein autonomes Gebiet gewählt, in dem es Erdöl gibt. Der multinationalen Brigade obliegt die Aufgabe, nach einem Waffenstillstand Ruhe und Ordnung herzustellen und die Kriegsschäden zu reparieren. Die Brigade stützt sich gemäss Übungsplan auf ein UN-Mandat für ihren Einsatz.
Mit 169 Armeeangehörigen, vor allem Berufsoffiziere, stellt die Schweiz am meisten Übungsteilnehmer. Weitere grössere Teilnehmergruppen kommen aus Österreich, Italien und den USA. Daneben sind auch das IKRK und das UN-Flüchtlingshilfswerk präsent. Insgesamt kostet die PfP-Übung 1,8 Mio. Franken, davon übernimmt die Schweiz eine Million. PfP wurde 1994 von der Nato ins Leben gerufen, um die Friedenszusammenarbeit in Europa zu fördern. PfP besteht aus 19 Nato-Ländern und 26 weiteren Mitgliedstaaten.
swissinfo und Agenturen
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