SP übernimmt gewichtige Berner Bau- und Verkehrsdirektion
Nach den Wahlen vom Wochenende hat der Regierungsrat die Direktionen neu verteilt: Die SP übernimmt nach acht Jahren die als gewichtig geltende Bau- und Verkehrsdirektion von der SVP.
(Keystone-SDA) Die Bau- und Verkehrsdirektion wurde seit 2018 von SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus geleitet, der nicht mehr zur Wiederwahl antrat. Nun wird SP-Regierungsrätin Evi Allemann Neuhaus‘ Nachfolgerin.
Allemann gehört dem Regierungsrat seit 2018 an und leitete bisher die Direktion für Inneres und Justiz. Ihr wurden vor den Regierungsratswahlen vom Sonntag Direktionswechselgelüste nachgesagt. Allemann war vor ihrer Zeit in der Berner Regierung als Nationalrätin und Präsidentin des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) mit Mobilitätsfragen befasst.
SP ist erfreut
Die SP wolle bei klimafreundlichen Bau- und Verkehrsprojekten vorwärtsmachen, sagte SP-Kantonalpräsidentin Manuela Kocher Hirt gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Insofern sei der Wechsel von Allemann sehr erfreulich.
Die weiteren bisherigen Regierungsratsmitglieder bleiben auf ihren Direktionen. Astrid Bärtschi (Mitte) behält die Finanzdirektion, wo sie jüngst mit sehr guten Abschlüssen und schrittweisen Steuersenkungen punkten konnte.
Philipp Müller (FDP) bleibt Sicherheitsdirektor. Der für seinen «Law and Order»-Stil bekannte Politiker, der sich auch immer wieder in den Sozialen Medien exponiert, scheint dort sein ideales Tätigkeitsfeld gefunden zu haben.
Auch SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg hat sich mit seiner bürgerlichen Gesundheitspolitik einen Namen gemacht. Von allfälligen Wechselgelüsten war beim 63-jährigen Bernjurassier im Vorfeld ebenfalls nichts bekannt.
Dazu kommt Schneggs Alter; er erreicht 2027 das Pensionsalter. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er spätestens in vier Jahren nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Sich bis dahin in eine neue Direktion einzuarbeiten, wäre wohl wenig sinnvoll.
Schnegg will Projekte weiterführen
«Schnegg hat im Wahlkampf gesagt, er wolle zahlreiche angestossene Projekte weiterführen», sagte Manfred Bühler, Präsident der SVP Kanton Bern, auf Anfrage. «Insofern nehme ich seinen Verbleib in der Gesundheitsdirektion mit Freude zur Kenntnis.»
Die am Sonntag neu Gewählten erhielten die übrigen Direktionen. Die SVP übernimmt von der SP die Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion. Der Jurist und bis dato Thuner Stadtpräsident Raphael Lanz wird ihr vorstehen. Er hatte im Vorfeld der Wahlen gesagt, aufgrund seiner bisherigen Tätigkeiten könne er sich jede Direktion vorstellen.
Die Bildungs- und Kulturdirektion geht von den Grünen zur SP. Der Sozialdemokrat und bisherige Stadtpräsident von Langenthal, Reto Müller, tritt die Nachfolge von Christine Häsler an, die nicht mehr zur Wiederwahl antrat. Müller hatte als ehemaliger Lehrer schon vor den Wahlen angetönt, dass er mit dieser Direktion liegäugle.
Die Direktion für Inneres und Justiz geht an die Grüne Aline Trede, die die Nachfolge von Evi Allemann antritt.
Ihre innerste Motivation für eine Kandidatur sei das Klima, führte die studierte Umweltwissenschaftlerin vor rund einem Jahr bei der Bekanntgabe ihrer Regierungsratskandidatur aus. Es gelte, den Kanton Bern ökologisch, aber auch ökonomisch vorwärts zu bringen. Ihr Herz schlage zwar für die Klimapolitik und damit für die Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion, im Falle einer Wahl würde sie aber auch jede andere Direktion gerne übernehmen, sagte sie damals.
Rasche Einigung
Unter dem Vorsitz des designierten Regierungspräsidenten Pierre Alain Schnegg (SVP) hat sich das neu gewählte Regierungskollegium am Mittwoch erstmals getroffen und rasch auf die neue Direktionszuteilung geeinigt. Eine zweite Sitzung ist nicht nötig.
Wie die Ratsmitglieder die Direktionen zuteilen, dafür gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Eine Möglichkeit ist, das Anciennitätsprinzip heranzuziehen. Letztlich können aber der Regierungspräsident und das Kollegium selber festlegen, wie sie vorgehen wollen.