Spanische ACS kommt Hochtief-Übernahme immer näher (Zus.)
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MADRID/ESSEN (awp international) – Der spanische Bauriese ACS rüstet im Übernahmekampf um den Essener Hochtief-Konzern auf. Mit grosser Mehrheit stimmten die Aktionäre am Freitag auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung zu. Damit kommt ACS einer Forderung der deutschen Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin nach mehr Sicherheiten für das Übernahmeangebot nach.
ACS kann zur Finanzierung der Offerte sein Grundkapital nun um bis zu 50 Prozent aufstocken. Gebraucht wird die Erhöhung aber nur, falls zahlreiche Hochtief-Aktionäre das ACS-Angebot annehmen. Das ist nicht zu erwarten, weil die Offerte aus Essener Sicht dürftig ist. Für fünf Hochtief-Anteile bietet Konzernchef und Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez acht ACS-Aktien an. Für die Aktionäre des Essener Unternehmens bedeutet dies nach dem derzeitigen Kurs einen Verlust von rund sieben Prozent. Das übliche lukrative Angebot an die Aktionäre wollte sich der hoch verschuldete Konzern nicht leisten.
ACS ist schon mit knapp 30 Prozent an Hochtief beteiligt, will seinen Anteil aber schrittweise auf über 50 Prozent ausbauen. Bei Überschreiten von 30 Prozent muss ein Pflichtangebot gemacht werden. ACS ist noch knapp darunter, hat aber schon freiwillig geboten.
Den Aktionären malte Peréz eine goldene Zukunft. «Mit der Erhöhung unserer Beteiligung bei Hochtief wollen wir zum Weltmarktführer bei der Infrastrukturentwicklung aufsteigen. Wir werden dann grössere Projekte rentabler angehen können.» Hochtief und ACS würden sich mit Blick auf ihre geografische Präsenz perfekt ergänzen. «Hochtief ist über Leighton Marktführer in Asien und Australien und ist auch in den USA, Mittel- und Osteuropa stark vertreten und wir sind Marktführer im Mittelmeerraum und in Lateinamerika.»
Die neue Gruppe werde in mehr als 60 Ländern präsent sein, mehr als 35 Milliarden Euro umsetzen, mehr als eine Milliarde Nettogewinn erwirtschaften, Aufträge für 72 Milliarden Euro hereinholen und mehr als 213.000 Beschäftigte haben, meinte Peréz. Die Essener versuchte er erneut zu beruhigen. «Wir werden den deutschen Charakter von Hochtief erhalten, der Sitz wird in Essen bleiben, und das Unternehmen wird weiter an der Frankfurter Börse notieren.» Die abwehrende Reaktion Hochtiefs habe ihn überrascht. «Die Offerte soll nicht feindlich, sondern für die zwei Konzerne vorteilhaft sein.» Der deutsche Charakter von Hochtief werde erhalten.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und ihr spanischer Pendant Aemec kündigten Widerstand gegen die ACS-Pläne an. Der Beschluss zur Kapitalerhöhung werde von Aemec vor Gericht angefochten, sagte DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher der Nachrichtenagentur dpa in Madrid. ACS gehe den billigen Weg und umgehe das Ziel des Übernahmerechtes, ein angemessenes Angebot zu machen. Aemec wolle bereits nächste Woche versuchen, die Kapitalerhöhung per einstweiliger Verfügung zu blockieren.
Aemec-Generalsekretär Javier Cremades betonte: «Nichts wäre uns lieber als eine richtige Übernahmeofferte. Doch Pérez lässt die Kleinaktionäre links liegen. Hier droht aber ein für Europas Aktionäre gefährlicher Präzedenzfall.»
Hochtief selbst wollte die Entscheidung in Madrid nicht kommentieren. Die Essener wehren sich mit aller Kraft gegen die ACS- Pläne, bislang aber ohne Erfolg. So hat Hochtief ACS bislang nicht zwingen können, für die teure australische Tochter Leighton ein gesondertes Barangebot abzugeben. Die australische Börsenaufsicht hat bisher alle Versuche hierzu abgewiesen. Infrage kommt als sogenannte Giftpille jetzt noch eine Kapitalerhöhung bei Hochtief, um die Übernahme zu erschweren.
Peréz sieht seinen Konzern aber gegen alle Abwehrversuche gerüstet, zumal ihm ACS-Grossaktionäre zusätzlich 93 Millionen Aktien für den Übernahmekampf leihen./jv wd/DP/edh