Freitag
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Ich entführe Sie heute nach Seldwyla. Und präsentiere Ihnen einen Plot wie aus einem zweitklassigen Science-Fiction-Film.
Doch das kontroverseste Thema heute in der Schweiz ist wohl das Stimm- und Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer, das in Zürich derzeit diskutiert wird.
Liebe Grüsse aus Bern
Wahlrecht für Ausländer: Die Zürcher Stadtpräsidentin will Ausländerinnen und Ausländern mit Wohnsitz im Kanton das Recht auf Teilnahme an Kommunalwahlen und Wahlen geben. Geht dieser Vorschlag zu weit?
Die Sozialdemokratin Corine Mauch, Stadtpräsidenten von Zürich, will mit dem Stadtrat nach den Sommerferien eine entsprechende Initiative einreichen. «In der Stadt Zürich ist es bei den 30- bis 39-Jährigen rund die Hälfte, die kein Stimmrecht hat – das sind rund 45 000 Personen», schreibt der Tages-Anzeiger.
Flop vor sechs Jahren: Ein solches Anliegen wurde im Kanton Zürich bereits einmal eingereicht, hatte aber an der Urne mit 75% Nein-Stimmen keine Chance. Bei ihrer Behördeninitiative allerdings seien die Bedingungen diesmal anders, sagte Mauch.
Eine Gefahr für die Demokratie? Nein, schreibt die Neue Zürcher Zeitung in ihrem heutigen Kommentar. «Mitmachen werden jene, die ohnehin integrationswillig sind.» Allerdings würden Mauch und die Stadtregierung mit ihrem Vorschlag übers Ziel hinaus schiessen.
«Wer Steuern zahlt, hat Anrecht auf angemessene Vertretung», schreibt Michael von Ledebur in der NZZ. «So gesehen, ist die Schweiz in Erklärungsnotstand.» Doch die vorgeschlagene Aufenthaltsdauer von lediglich zwei Jahren sei zu kurz. «Es sollte die Maxime gelten, dass abstimmen darf, wer von den Konsequenzen seines Handelns betroffen ist.» Fortsetzung folgt demnächst im Kantonsrat.
- «Weder revolutionär noch exotisch»: Der Artikel über Mauchs Vorstoss im Tages-AnzeigerExterner Link. (Paywall)
- Der vollständige Kommentar in der Neuen Zürcher ZeitungExterner Link. (Paywall)
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Er gehört in den Schweizer Autorenkanon wie Frisch, Dürrenmatt, Spyri, Gotthelf und neuerdings Bärfuss: Gottfried Keller, er wurde am 19 Juli 1819 geboren – vor genau 200 Jahren. Zeit seines Lebens wehrte er sich dagegen, als Nationalschriftsteller zu gelten.
Kennen Sie Seldwyla? Nie gehört? Suchen Sie auf Google Maps… Ok, immerhin werden Sie einen Seldwylaweg und eine Seldwylastrasse finden. Aber als Dorf existiert Seldwyla nur in der Fantasie des Schweizer Schriftstellers Gottfried Keller, der einen Novellenzyklus «Die Leute von Seldwyla» benannte. Zwei dieser Novellen, «Romeo und Julia auf dem Dorfe» und «Kleider machen Leute» gehören heute zur Weltliteratur.
Heute Schulstoff und Kulturgut: Seldwyla lebt weiter und wurde zum Sprichwort. Wer heute Seldwyla sagt, meint oft Schildbürgertum oder macht sich lustig über gewisse, von aussen gesehen unverständliche Entscheide oder Vorgänge in Schweizer Gemeinden.
Keller distanzierte sich vom Fortschrittsoptimismus, der nach der Gründung des modernen Bundesstaats Schweiz 1848 herrschte. Er verglich «den Fortschritt mit einem Käfer, der stets um eine runde Tischplatte irre», sagt Ursula Amrein heute im Gespräch mit swissinfo.ch. Die Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich hat verschiedene Publikationen über Keller veröffentlicht.
- Was Ursula Amrein sonst noch über Gottfried Keller zu sagen hat, lesen Sie auf swissinfo.ch.
Mit Borreliose ist nicht zu spassen. Die Krankheit, auf den Menschen übertragen durch Zecken, kann zu bleibenden Behinderungen führen. Nun fordert ein US-Abgeordneter das Pentagon auf, abzuklären, ob die USA einst Zecken zu Kampfzwecken gezüchtet haben.
Was hat das mit der Schweiz zu tun? Der republikanische Politiker Chris Smith befürchtet, dass das Pentagon vor Jahrzehnten mit Zecken als biologische Waffen experimentiert haben könnte. Dabei solle auch ein Schweizer Forscher seine Hände im Spiel gehabt haben.
Burgdorfer war es, ein Schweizer. Erreger der Borreliose oder Lyme-Krankheit ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Das hat nichts mit der Stadt Burgdorf zu tun, sondern mit dessen Schweizer Entdecker Willy Burgdorfer. Dieser soll nicht nur als Bakteriologe tätig gewesen sein, sondern auch an Biowaffen geforscht haben. Das behauptet die amerikanische Autorin Kris Newby im Sachbuch «Bitten: The Secret History of Lyme Disease and Biological Weapons». Noch ist nicht klar, ob es zu einer Untersuchung über die Vorwürfe kommen wird.
- Der ausführliche Artikel zu diesen Vorwürfen in Spiegel OnlineExterner Link.
- Mehr Informationen zur Borreliose / Lyme-Krankheit auf der Website des Bundesamts für GesundheitExterner Link (BAG).
In den USA und in der Eurozone sollen demnächst wichtige Zinsentscheide fallen. Weil Kenner der Materie von Zinssenkungen ausgehen, könnte die Schweizerische Nationalbank unter Zugzwang kommen – mit Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft.
Zinssenkung auch in der Schweiz? Vermutlich bleibe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) nichts anderes übrig, meinen Experten. Und das Finanzwelt-Informationsportal Finews.ch bezeichnet die Position der SNB «wie Siedler in einer Wagenburg», also von rundherum belagert.
Ausweglose Situation? Die Schweizer Währungshüter setzen bereits heute die tiefsten Leitzinsen weltweit. Das belastet «zunehmend das Finanzsystem und die Pensionskassen», wie Finews.ch schreibt. Zudem führten sinkende Zinsen im Ausland in der Regel zu einer Aufwertung des Schweizer Frankens. Daran beisst sich vor allem die Exportwirtschaft der Schweiz die Zähne aus.
Alle Szenarien sind unangenehm. Angesichts der drohenden Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Notenbank Fed in den USA seien die Möglichkeiten der SNB «zunehmend eingeschränkt». Ziehe die Schweizer Zentralbank der Geldpolitik der EZB nicht nach, könnten sich die Märkte umso stärker in den Franken flüchten. Senke sie hingegen den Leitzins, werde sie noch stärker an die absolute Zins-Untergrenze gedrückt, «mit negativen Folgen für die Finanzwirtschaft – und noch weniger Spielraum in der Zukunft».
- Alle möglichen Szenarien im Detail finden Sie im Artikel auf Finews.chExterner Link.
Wieso organisieren sich Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in Clubs? Wir haben ein paar Auslandschweizer-Clubs besucht und uns mit den Mitgliedern vor allem über die anstehenden Parlamentswahlen unterhalten.
Die Schweiz wählt im Herbst ein neues Parlament. Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf, erste Themen sind gesetzt. Doch die Anliegen der Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer haben in der bisherigen Diskussion noch wenig Gehör gefunden. Wie sieht die Auslandgemeinschaft die politische Auseinandersetzung in ihrer Heimat? Was ist der Fünften Schweiz wichtig, wenn sie wählt?
Wir besuchten vor dem Sommer sechs Auslandschweizer-Clubs in Europa und Übersee und luden im Rahmen unserer Aktion #SWIonTourExterner Link vor Ort zum Roundtable über die Schweizer Wahlen.
Am swissinfo.ch-Wahlstammtisch diskutierten wir die Themen, welche die Schweizer Politik beschäftigen. Wir redeten über Kampfjets und Gesundheitskosten, über die EU und die Klimapolitik. Das heisst, wir bringen die Schweizer Themen nicht nur mit dieser App zu Ihnen, liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer, sondern gelegentlich auch physisch.
- Lesen Sie hier mehr über den Roundtable im Aachener Marschiertor oder sehen Sie sich den Talk als einzelne Video-Sequenzen an.
- Engagieren Sie sich in einem Auslandschweizer-Club? Ihre Antwort interessiert uns!
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