Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Diese Woche war geprägt von mehreren Themen, welche die Fünfte Schweiz betreffen. Darunter vor allem die Bekanntgabe von Lukas Weber als neuer ASO-Direktor. Am Freitag fand zudem die Sitzung des Auslandschweizer-Rats statt.
Ein weiteres Thema, das diese Woche für Schlagzeilen gesorgt hat, ist der Antisemitismusbericht der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus und des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, der einen "noch nie dagewesenen" Anstieg antisemitischer Vorfälle beklagt.
Herzliche Grüsse aus Bern
Ein neues Gesicht an der Spitze der Auslandschweizer-Organisation (ASO): Am Mittwoch hat der ASO-Vorstand Lukas Weber einstimmig zum neuen Direktor des Sekretariats der Organisation gewählt. Er wird die zurücktretende Direktorin Ariane Rustichelli ersetzen.
Die ASO hatte eine grosse Auswahl: Rund 120 Personen hatten sich auf das Amt beworben. Das Rennen machte schliesslich der 58-jährige Elektroingenieur Lukas Weber. Der Doktor der technischen Wissenschaften der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) stammt ursprünglich aus Basel und wohnt in Freiburg.
«Wir sind sehr zufrieden mit dem hohen Niveau der eingegangenen Bewerbungen und freuen uns, mit Lukas Weber einen hervorragenden Kandidaten gefunden zu haben», sagt ASO-Präsident Filippo Lombardi. Weber habe bereits in zahlreichen Institutionen und Unternehmen Führungsfunktionen innegehabt.
Die scheidende Direktorin Ariane Rustichelli arbeitete während 17 Jahren bei der Organisation, davon amtete sie elf Jahre als Direktorin. Sie soll die Amtsübergabe an ihren Nachfolger zwischen Mitte März und Mitte April begleiten.
Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer könnten von den Ausgleichsmassnahmen in den geplanten bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der EU betroffen sein. Laut der Neuen Zürcher Zeitung sind diese «eine grosse Unbekannte». Ein Experte aber sagt: Für die Schweiz sei der neue Mechanismus ein Vorteil.
Schon heute übernehme die Schweiz viel EU-Recht, künftig wäre sie dazu verpflichtet – allerdings nach festen Regeln und innerhalb einer Frist. Ein strittiger Punkt: Übernimmt die Schweiz EU-Recht nicht, könnte die EU Ausgleichsmassnahmen ergreifen. Über deren Verhältnismässigkeit würde ein unabhängiges Schiedsgericht entscheiden.
Für den Europarechtler Thomas Cottier ist das ein Vorteil für die Schweiz, wie er gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung sagte. Sie könnte EU-Massnahmen anfechten, was ihren Handlungsspielraum und Rechtsschutz erhöht – besonders bei politischen Sanktionen, etwa gegen Hochschulen oder Medizinaltechnik-Unternehmen.
Das grösste Konfliktpotenzial birgt das Freizügigkeitsabkommen. Sollte die Schweiz die Zuwanderung beschränken, könnte die EU beispielsweise die Sozialleistungen für Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer in der EU kürzen. Dies würde rund eine halbe Million Menschen betreffen und innenpolitischen Druck erzeugen. Schiedsverfahren sind für die Schweiz, die traditionell auf politische Lösungen setzt, ungewohnt. Laut Cottier müsste das Land in diesem Bereich aktiver werden.
Viele träumen von einem Ruhestand im Ausland, doch eine niederländische Studie zeigt: Rentnerinnen und Rentner, die auswandern, fühlen sich häufiger einsam als jene, die im Inland bleiben.
Rund 187’000 Schweizerinnen und Schweizer verbringen ihren Lebensabend im Ausland. Doch nicht alle finden dort das erhoffte Glück, wie der Tages-Anzeiger am Montag schrieb. Laut der Studie im Fachmagazin Psychology and Aging leiden Rentnerinnen und Rentner im Ausland öfter unter sozialer Einsamkeit, da sie den Kontakt zu langjährigen Freundinnen und Freunden sowie zu Familienmitgliedern verlieren und neue Beziehungen schwer aufzubauen sind.
Während Ausgewanderte in sozialen Medien oft ihr sonniges Leben zeigen, gelingt die Integration am neuen Wohnort nicht immer. Besonders in Regionen mit vielen ausländischen Rentnerinnen und Rentnern entstehen abgeschottete Gemeinschaften, in denen echtes Zugehörigkeitsgefühl fehlt.
Mit zunehmendem Alter steigt nicht nur die Einsamkeit, sondern auch die Pflegebedürftigkeit. Viele stellen dann fest, dass das Gesundheitssystem vor Ort nicht den gewohnten Standard bietet – und sehnen sich nach der alten Heimat zurück.
So viele antisemitische Vorfälle wie noch nie zuvor verzeichneten die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus und der Schweizerische Israelitische Gemeindebund im vergangenen Jahr.
Die Attacken auf jüdische Menschen kommen unterdessen aus allen Richtungen. Nicht nur Radikale sowie Extremistinnen und Extremisten vom politisch linken und rechten Rand seien dafür verantwortlich, sondern in zahlreichen Fällen auch «Personen aus der ‚Mitte der Gesellschaft‘«, schreibt die Neue Zürcher Zeitung.
Zwar sei die Antisemitismuswelle leicht abgeebbt, die durch die Terroranschläge der Hamas und den Krieg in Gaza ausgelöst worden war. Doch die antisemitischen Vorfälle hätten sich auf einem deutlich höheren Niveau verfestigt, heisst es im Antisemitismusbericht 2024.
Konkret wurde eine Zunahme der Vorfälle von 43% gegenüber 2023 und sogar von 287% gegenüber 2022 verzeichnet. Der traurige Tiefpunkt war der Angriff auf einen 50-jährigen orthodoxen Mann, der in Zürich niedergestochen wurde und nur knapp überlebte.
Nächste Woche erwarten wir mit Spannung die Statistik über die Auslandschweizerinnen und -schweizer im Jahr 2024.
Jedes Jahr im März publiziert das Bundesamt für Statistik (BFS) die AuslandschweizerstatistikExterner Link des jeweiligen Vorjahrs. Sie, liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland, werden immer zahlreicher: Die letzten bekannten Zahlen stammen aus dem Jahr 2023. Damals lebten 813’400 Schweizer Staatsangehörige im Ausland, 1,7% mehr als im Jahr zuvor.
Am kommenden Freitag werden die Zahlen für das Jahr 2024 veröffentlicht. Wir werden Sie natürlich umfassend und mit Grafiken angereichert über die wichtigsten Veränderungen informieren. Unter anderem auch darüber, in welchen Ländern noch keine oder nur wenige Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer leben.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards