Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Die Schweizer News der vergangenen Woche lassen sich wie eine Fortsetzungsserie lesen. Mehrere Themen unserer Auswahl tauchen immer wieder in den Medien auf.
Zu diesen wiederkehrenden Themen gehört selbstverständlich die Tragödie von Crans-Montana. Aber nicht nur: In den letzten Tagen muss man nicht einmal mehr die Eishalle aufsuchen, um im Takt der Eishockey-Aktualität mitzufiebern.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre
Der Bundesrat hat die lange Wartezeit beendet und über die Stärkung der Eigenmittel der Grossbank UBS entschieden. Seit der Rettung der Credit Suisse im Frühjahr 2023 hatten die Behörden eine Überarbeitung der «Too big to fail»-Regelung versprochen, um die Lehren aus dieser grossen Krise zu ziehen. Nach mehreren Monaten der Vernehmlassung und Debatten hat der Bundesrat nun seinen Standpunkt festgelegt und das Dossier ans Parlament weitergeleitet.
Die zentrale Massnahme sieht vor, dass die UBS die in ihren ausländischen Tochtergesellschaften gehaltenen Beteiligungen vollständig abdecken muss. Laut dem Bundesrat soll diese Anforderung sicherstellen, dass die Muttergesellschaft in der Schweiz eine Krise auffangen kann, ohne durch Verluste im Ausland geschwächt zu werden. Mit dem Ziel, eine Situation zu vermeiden, in welcher der Staat erneut eingreifen müsste, um eine systemrelevante Bank zu stabilisieren.
Der Bundesrat hat die strengsten Vorschläge aus den Vorarbeiten jedoch nicht übernommen. So hat er auf eine generelle Erhöhung der Kapitalanforderungen verzichtet und bestimmte technische Parameter gelockert. Diese Anpassungen werden als Kompromiss dargestellt, der die Finanzstabilität stärken und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Bankenplatzes berücksichtigen soll.
Die UBS hat sich stets gegen eine Verschärfung der Regeln gewehrt und auf die wirtschaftlichen Folgen hingewiesen. Die Bank hat auch mehrfach die Möglichkeit eines Wegzugs ins Ausland ins Spiel gebracht, sollte die Schweiz Anforderungen einführen, die strenger als internationale Standards sind.
In der vergangenen Woche haben mehrere Ereignisse die Aufmerksamkeit für das Drama von Crans-Montana mit 41 Todesopfern neu entfacht. So fand im Wallis ein Solidaritätskonzert für die Opfer des Brands in der Bar «Le Constellation» statt. Die Veranstaltung zielte vor allem darauf ab, den betroffenen Familien dauerhafte Solidarität zu bekunden und die Überlebenden zu unterstützen, während die Gerichtsverfahren weiterlaufen.
Auf internationaler Ebene entstand eine neue Kontroverse, nachdem den Familien italienischer Opfer hohe Spitalrechnungen zugeschickt worden waren. Obwohl die Walliser Gesundheitsbehörden von einem Verwaltungsfehler sprachen und versicherten, dass keine Beträge eingefordert würden, löste die Angelegenheit in Rom heftige Reaktionen aus. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni prangerte eine «unmenschliche Bürokratie» an.
Auch der Gemeindepräsident von Crans-Montana meldete sich auf lokaler Ebene zu Wort. Dabei übte er scharfe Kritik am kantonalen Brandschutzamt und wies auf Funktionsmängel in Organisation und Aufsicht hin. Seine Aussagen erfolgen in einem angespannten Klima, während die Frage der institutionellen Verantwortung weiterhin offen ist.
Diese Entwicklungen zeigen, dass die Tragödie von Crans-Montana auch mehr als hundert Tage nach dem Brand weiterhin im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht. Der Bundesrat beabsichtigt nun, einen runden Tisch einzuberufen, um die Folgen der Katastrophe zu bewältigen. Ein weiterer Schritt in diese Richtung wurde am Mittwoch mit der Ernennung eines Vorsitzenden unternommen: der frühere Neuenburger Staatsrat Laurent Kurth tritt sein Amt per sofort an.
Eishockey war in den Schweizer Medien in der vergangenen Woche kaum zu ignorieren. Noch mehr als das derzeit zwischen Freiburg und Davos ausgetragene Play-off-Finale gibt das Debakel rund um die Entlassung des Nationaltrainers zu reden.
Falls Sie den Anfang dieser Fortsetzungsserie verpasst haben: Mitte April hatte der Schweizer Eishockeyverband Nationaltrainer Patrick Fischer entlassen, da dieser 2022 mit einem gefälschten Corona-Zertifikat zu den Olympischen Spielen in Peking gereist war. Diese Information wurde von SRF aufgedeckt. Der frühere Nationaltrainer hatte dem Journalisten dies am Rand eines Interviews erzählt, das für ein Porträt geführt worden war. Pikantes Detail: Dieser Journalist befindet sich nun selbst in der Kritik, nachdem die Weltwoche «rassistische Äusserungen» von ihm enthüllt hatte.
Die Affäre erregte genügend Aufmerksamkeit, um bis zum Internationalen Olympischen Komitee vorzudringen, das Swiss Olympic um Erklärungen bat. Swiss-Olympic-Direktor Roger Schnegg ist nach wie vor davon überzeugt, dass die von Swiss Ice Hockey beschlossene Entlassung unumgänglich war. «Er ist ein grosses Risiko eingegangen – für sich selbst, für das Team und für die gesamte Delegation», sagte er in der SRF-Sendung «Club».
Dennoch sorgt der Entscheid weiterhin für lebhafte Debatten. Schweizer NHL-Stars haben die Rückkehr von Fischer als Nationaltrainer gefordert. Eine entsprechende Petition zählt bereits Tausende von Unterschriften. Eines ist jedenfalls sicher: Weniger als einen Monat vor Beginn der Weltmeisterschaft in der Schweiz kommt die so genannte «Affäre Fischer» für eine Nationalmannschaft, die sich laut Le Temps nun «neu aufbauen» muss, zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.
Das Wetter ist ein weiteres wiederkehrendes Thema in den Schweizer Medien. In der vergangenen Woche äusserten mehrere Artikel und Berichte Bedenken über den Niederschlagmangel, der seit Frühlingsbeginn zu ausgeprägter Trockenheit geführt hat.
Die Regenfälle der letzten Wochen lagen je nach Region 35–80% unter den saisonalen Normalwerten. Selbst das Mittelland weist für diese Jahreszeit, die traditionell entscheidend für die Auffüllung der Böden und Wasserreserven ist, ein merkliches Defizit auf.
Auch wenn die Lage auf nationaler Ebene noch nicht als kritisch eingestuft wird, zeigt diese Frühjahrstrockenheit bereits konkrete Auswirkungen. Die oberen Bodenschichten trocknen rasch aus, sodass einzelne Landwirte bereits frühzeitig auf Bewässerung zurückgreifen müssen. Zudem wird das Waldbrandrisiko in bestimmten Regionen bereits als hoch eingestuft, während die Stauseevorräte für diese Jahreszeit niedrig bleiben.
Diese frühen Episoden reihen sich in einen seit mehreren Jahren beobachteten Grundtrend ein. Studien zeigen, dass Trockenperioden in der Schweiz unter dem Einfluss des Klimawandels häufiger und länger werden und zunehmend Auswirkungen auf Landwirtschaft, Wasserkraft und Ökosysteme haben. Der Frühling 2026 veranschaulicht somit ein immer häufiger auftretendes Phänomen und wirft die Frage nach der Anpassung des Wassermanagements in einem Land auf, das lange Zeit als das «Wasserschloss Europas» galt.
Die kommende Woche
Dieses Wochenende treffen sich einige Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer zu ihrer wichtigsten Veranstaltung. Der Verein der Schweizerinnen und Schweizer in Frankreich kommt im Baskenland zu seiner Jahresversammlung zusammen.
Das Wochenende hat zwei pittoreske Veranstaltungen zu bieten: die 25. Ausgabe des Slowup rund um den Murtensee und die 24. Weltmeisterschaft der «Tracassets» in den Weinbergen von Epesses.
Am Dienstag werden zwei Volksinitiativen offiziell lanciert: Die eine fordert einen starken öffentlichen Verkehr und faire Flugpreise, die andere will den Kauf der Kampfjets F-35 rückgängig machen.
Mehrere grosse Unternehmen (UBS, Syngenta, Glencore) werden ihre Ergebnisse des ersten Quartals bekanntgeben, was Gelegenheit gibt, den Puls der Schweizer Wirtschaft zu fühlen.
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