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Ferien am Meer sind vielen zu teuer - aber Camping in der Schweiz ist auch nicht billig.

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Im heutigen Spiegel der Schlagzeilen zeigt die Schweiz wenig Glanz. Ernüchternd sind die Zahlen des Bundesamts für Statistik zu den Strafurteilen im vergangenen Jahr.

Die Zahl der Inhaftierten wächst. Die Gefängnisse in der Schweiz sind zu 97% ausgelastet. Man kann das beklagen. Oder feststellen, dass die Gefängnisse in der Schweiz – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – nicht überfüllt sind.

Herzlicher Gruss aus Bern

Überwacht, geschlagen, zu ungeschütztem Verkehr gezwungen: Prostitution in der Schweiz.
Überwacht, geschlagen, zu ungeschütztem Verkehr gezwungen: Prostitution in der Schweiz. Keystone

228 Opfer von Frauenhandel hat die Fachstelle für Frauenhandel und Frauenmigration FIZ letztes Jahr betreut. Diese Zahl steigt seit Jahren. Ein drastischer Fall kam heute vor Gericht.

Die Fälle von Frauenhandel nehmen zu – einerseits, weil die Sensibilisierung gewachsen ist und schlicht mehr gemeldet werden. Andererseits zeige dies auch, dass die Dunkelziffer hoch sei, sagt Fanie Wirth von der FIZ gegenüber SRF. «Das Alter der Opfer variiert von sehr jung bis über 60 Jahre alt – und sie stammen aus insgesamt über 80 Ländern», so die Expertin weiter.

Auffällig viele Opfer kämen aus Osteuropa: aus Rumänien, Ungarn oder Bulgarien. Um die Situation zu verbessern, schlägt Fanie Wirth vor, die Abhängigkeit der Frauen von den Täterinnen und Tätern zu verringern. Etwa durch mehr legale Möglichkeiten für Sexarbeit. 

Eine mutmassliche Frauenhändlerin, eine 33-jährige Ungarin, musste sich heute vor dem Bezirksgericht Zürich wegen Menschenhandels und Prostitutionsförderung verantworten. Sie soll Frauen über Jahre zur Sexarbeit gezwungen haben.

Im konkreten Fall wurden die Frauen in Hotels im Zürcher Langstrassenquartier untergebracht und rund um die Uhr überwacht. Sie wurden geschlagen, an den Haaren gezogen und massiv bedroht, wenn sie die geforderten Umsätze nicht erreichten.

Zudem mussten sie ungeschützten Geschlechtsverkehr praktizieren, was zu zahlreichen ungewollten Schwangerschaften, Abtreibungen und der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten führte. Ein Urteil erfolgt später.

Ferien am Meer sind vielen zu teuer - aber Camping in der Schweiz ist auch nicht billig.
Ferien am Meer sind vielen zu teuer – aber Camping in der Schweiz ist auch nicht billig. Keystone / Gaetan Bally

Wohnkosten, Krankenkassenprämien und Benzinpreise: Der Schweizer Mittelstand steht finanziell unter Druck.

Viele Angehörige des Schweiz Mittelstands sehen sich nicht in der Lage, eine unerwartete hohe Rechnung zeitnah zu begleichen. Budgetberater Philipp Frei sagt zu einer aktuellen Auswertung des Bundesamts für Statistik gegenüber SRF: «Eine Reise ans Meer ist selbst für einige Leute im Mittelstand nicht mehr möglich. Es ist ein enormer Druck, wenn man sich plötzlich Dinge nicht mehr leisten kann, die früher normal waren.» Der Experte rät: «Man kann Ferien zuhause verbringen, wobei auch das nicht gratis ist.» 

Gemäss der «Global Gen Z and Millennial»-Studie von Deloitte macht sich über die Hälfte der jungen Menschen in der Schweiz zudem Sorgen um ihre finanzielle Lage. Besonders die monatlichen Lebenshaltungskosten belasten viele: 30 Prozent der Generation Z und 33 Prozent der Millennials gaben an, dass steigende Kosten ihre grösste Sorge seien – noch vor Themen wie Klimawandel, Gesundheit oder Kriminalität.

Mehr als die Hälfte lebt von Lohn zu Lohn, weil das Einkommen direkt wieder für laufende Kosten ausgegeben werden muss. Während junge Leute in anderen Ländern gemäss Deloitte aus solcher Geldnot häufig noch Nebenjobs annehmen, um mit einer zweiten Einnahmequelle über die Runden zu kommen, ist dieses Phänomen in der Schweiz wenig bekannt. Der sogenannte «Side Hustle» ist gemäss einer Umfrage von 20 Minuten nur bei 16% der Teilnehmenden bereits ein Thema. Weitere 14% spielen aber mit dem Gedanken, einen zusätzlichen Erwerb zu suchen.

Es wird eng in den Schweizer Haftanstalten: Zelle im Zentralgefängnis Freiburg.
Es wird eng in den Schweizer Haftanstalten: Zelle im Zentralgefängnis Freiburg. Keystone / Peter Schneider

Noch nie sassen in Schweizer Gefängnissen so viele Personen ein wie aktuell. Das zeigt die heute veröffentlichte Schweizer Strafurteilsstatistik 2025.

Im letzten Jahr sorgten die Schweizer Justizbehörden für 111’962 Verurteilungen von Erwachsenen, die ins Strafregister eingetragen wurden. Häufigste Sanktion war die bedingte Geldstrafe. Die Zahl der kurzen unbedingten Freiheitsstrafen fiel auf einen historischen Tiefstand.

Doch die Gefängnisse waren mit 97% Auslastung gefüllt wie noch nie. Am 31. Januar 2026 waren 7119 Personen in der Schweiz inhaftiert. In den 90 Schweizer Gefängnissen gibt es insgesamt 7373 Haftplätze.

In 2272 Fällen kam es zu Landesverweisungen. Diese Zahl blieb mit Blick auf die Vorjahre stabil. Gegenüber den Vorjahren tendenziell gesunken sind die Urteile wegen Gewaltstraftaten. Davon gab es im letzten Jahr 7594. Gut 3000 davon wurden von Schweizer Bürger:innen verübt, über 4300 von Ausländer:innen.

Unispital Zürich bei Nacht von aussen
Im Zentrum eines grossen Medizinskandals: Das Universitätsspital Zürich. Keystone / Michael Buholzer

Der Herzchirurgie-Skandal am Unispital Zürich weitet sich aus. Auch am Inselspital Bern kamen die zweifelhaften Cardioband-Geräte zum Einsatz – wie auch in Luzern oder Lugano.

Laut einer letzten Woche veröffentlichten Untersuchung kam es zwischen 2016 und 2020 am Unispital Zürich zu rund siebzig vermeidbaren Todesfällen. Festgestellt wurden schwerwiegende Managementmängel des damaligen Abteilungsleiters Franscesco Maisano. Er hatte ein Cardioband entwickelt, an dem er finanziell beteiligt war, das aber regelmässig zu schweren Komplikationen führte. Der künstliche Ring sollte undichte Herzklappen beheben.

Gestern berichtete die NZZ am Sonntag, dass die Methode auch in 36 Fällen im Inselspital Bern zum Einsatz kam, zweimal auch in Luzern. Bern will diesen Fällen nun ebenfalls vertieft nachgehen. Konkrete Komplikationen infolge der Behandlungen seien bisher nicht bekannt. In Lugano gehört das Cardioband noch heute zu den angebotenen Methoden.

Zufall ist, dass in der Woche des Bekanntwerdens des Skandals auch ein Vorschlag des Bundesrats zum Thema publik wurde. Die Regierung will, dass Ärzt:innen, die gewisse Produkte einsetzten, frei von finanziellen Anreizen sind und sich allein an medizinischen Gesichtspunkten orientieren. 

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