Vorwurf der versuchten Tötung: Baselbieter Ex-Landrat vor Gericht
(Keystone-SDA) Liestal – Tötungsversuch, Vergewaltigung und andere Delikte werden einem früheren Baselbieter SD-Landrat vorgeworfen, der seit Montag vor dem Strafgericht in Liestal steht. Laut der Anklage soll er über Jahre seine Tochter missbraucht und später auf sie und ihren Freund geschossen haben.
Eine Woche nach den Schüssen im April 2004 hatte sich der heute 52-Jährige der Polizei gestellt. 2005 flüchtete er jedoch aus der geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Klinik Liestal, wo er wegen eines Suizidversuchs war. Über drei Jahre später nahmen ihn Grenzwächter im Mai 2008 bei einer Ausweiskontrolle in Laufenburg AG fest.
Er sei gesundheitlich angeschlagen, sagte der Mann vor Gericht. Vorwurf des sexuellen Missbrauchs hat er schon in der Untersuchung bestritten.
Laut der Anklage soll der Mann ab etwa 1995 seine damals minderjährige Tochter zu sexuellen Handlungen, später auch zum Geschlechtsverkehr gedrängt haben. Dabei soll er sie unter anderem mit dem Hinweis auf sein Landratsmandat bei den Schweizer Demokraten (SD) eingeschüchtert haben: Ihm als Landrat «könne nichts passieren».
Dramatisch zugespitztAls die Tochter, 19 Jahre alt, sich ihm entziehen wollte und auszog, soll er ihr vorgeschlagen haben: Regelmässig Sex, dafür akzeptiere er ihren Freund und benachteilige sie erbrechtlich nicht. Die Tochter habe aber nicht mitgemacht, später Anzeige erstattet und ein Hausverbot gegen ihre Eltern erwirkt.
Laut der Staatsanwaltschaft kam es in der Folge zu weiteren Vorfällen. Am 25. April 2004 habe der Angeklagte schliesslich am Abend vor der Wohnung seiner Tochter gewartet. Als diese und ihr Freund heimkehrten, habe er nach einer Auseinandersetzung am Hauseingang zweimal auf sie geschossen.
Die junge Frau sei dabei «mittelschwer verletzt» worden. Das Urteil des Strafgerichts Baselland wird voraussichtlich am 12. November verkündet.