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Das erwartet die Schweiz: Ein Wirtschaftsausblick für 2021

Преодолела ли экономика Швейцарии и Евросоюза самые тяжелые потрясения или коронавирус будет действовать и в 2021году? Keystone / Martin Ruetschi

Lockdown, Homeoffice, Reiseverbote. Die Pandemie hat die Wirtschaft durchgeschüttelt, aber ihre disruptive Kraft wirkt selektiv: Während die Pharmaindustrie unbeschadet durch die Krise segelt, trifft es die Uhrenindustrie so hart wie seit dem letzten Weltkrieg nicht mehr. Wie also geht es weiter mit dem Wirtschafts-, Arbeits- und Forschungsstandort Schweiz?

Dieser Inhalt wurde am 25. Dezember 2020 - 09:00 publiziert

Disruptives Virus: Wie Corona die Schweizer Wirtschaft verändert

Traditionellerweise würde das Schweizer Wirtschaftsjahr im Januar mit einem Paukenschlag starten, mit dem World Economic Forum (WEF) in Davos. Noch im letzten Jahr stand das WEF unter anderem mit dem Besuch des US-Präsidenten Donald Trump weltweit im Rampenlicht. Nicht so 2021. Das WEF hat sich entschieden, den Jahreskongress dieses Jahr – es ist ausgerechnet das 50. Jubiläum – in Singapur abzuhalten.

Damit gehen der Schweizer Wirtschaft Millionen von Franken verloren, aber nicht nur das. Die Symbolwirkung, dass dieser Weltanlass nun nach Singapur disloziert, spiegelt die zunehmende Konkurrenz aus Asien für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Singapur ist vor allem für die Schweizer Banken ein immer grösserer Konkurrent geworden. Seit das Schweizer Bankgeheimnis gefallen ist, hat der Geldfluss nach Singapur deutlich zugenommen.

Asien stellt sich generell stärker auf: Mit der neuen asiatischen Freihandelszone RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) wurde das weltweit grösste Handelsabkommen der Geschichte abgeschlossen. Es umfasst mit China, Japan, Südkorea, Australien und Indonesien auch wirtschaftliche Schwergewichte. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich Abkommen wie dieses auf den stark in der Schweiz verankerten Rohstoffsektor auswirken werden.

Hoffen auf die Impfung

Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft für das nächste Jahr sind durchzogen, Prognoseinstitute rechnen erst für das zweite Halbjahr mit einem Aufschwung. Die Schweiz wird mehr denn je von ihren multinationalen Pharmaunternehmen abhängig sein. Dieser schnell wachsende Sektor, der inzwischen wertmässig fast die Hälfte der Schweizer Exporte ausmacht, hat die Prüfung durch das Coronavirus nicht nur problemlos bestanden, sondern ist sogar gestärkt daraus hervorgegangen. Es wird erwartet, dass er weiter an Bedeutung gewinnt und bald einen Anteil von 10% am Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) überschreitet.

Auch die anderen Schweizer Exportbranchen sind auf die Pharmaindustrie angewiesen, um ihre Aktivitäten wieder zu beleben und den Verbleib der industriellen Aktivitäten und der damit verbundenen Arbeitsplätze in der Schweiz zu sichern. Alle sehen den gross angelegten Impfkampagnen ungeduldig entgegen, die in den meisten Ländern der nördlichen Hemisphäre geplant sind.

Dies gilt insbesondere für die Uhrenindustrie, einer der am stärksten von der Pandemie betroffenen Industriezweige. Die Exporte von Schweizer Uhren sind 2020 um fast ein Viertel eingebrochen, das ist der grösste Rückgang innerhalb eines Jahres seit dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl sich die Uhrenhersteller über den in den letzten Monaten beobachteten Aufschwung in China freuen, hoffen sie auf eine schnelle Rückkehr der Touristen und die Wiedereröffnung der Boutiquen in Europa und Nordamerika.

Weniger bekannt und sichtbar als die Uhrenindustrie, aber viel wichtiger in Bezug auf Exporte und Arbeitsplätze in der Schweiz (320’000 Arbeitsplätze), steht die Maschinen-, Geräte- und Metallindustrie vor einer sehr ungewissen Zukunft. Letztlich sind die Hersteller von Werkzeugmaschinen für die Uhren-, Luft- und Raumfahrt- sowie die Automobilindustrie besonders von der Pandemie betroffen. Sie werden wohl die letzten sein, die Anzeichen einer nachhaltigen Erholung sehen.

Digitalisierung schreitet voran

Langfristig gesehen dürfte die Pandemie jedoch auch ihre positiven Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft haben. So galt die Schweiz im globalen Verglich in Bezug auf digitales und dezentrales Arbeiten eher als rückständig. Viele Unternehmen im wichtigen Dienstleistungssektor waren nun im Jahr 2020 gezwungen, einen Schritt vorwärts zu machen, was sie langfristig international konkurrenzfähiger machen dürfte. Es bestehen jedoch in der Schweiz noch viele offene Fragen bezüglich des dezentralen Arbeitens im Homeoffice, etwa in Bezug auf den rechtlichen Rahmen oder die Datensicherheit. 

SWI-Wissenschaftsberichterstattung 2021: jenseits der Pandemie

Die Coronavirus-Pandemie hat fast alle Lebensbereiche auf den Kopf gestellt, auch die Art und Weise, wie wir Lebensmittel kaufen, zubereiten und essen. Der Schweizer Lebensmittelhersteller Nestlé berichtet, dass die Nachfrage nach pflanzlichen Lebensmitteln - wie Fleisch- und Milchalternativen - in die Höhe schoss, als die Menschen versuchten, sich zu Hause gesünder zu ernähren und Covid-19-Ausbrüche in Fleischproduktionsstätten Schlagzeilen machten.

In der Schweiz gibt es unterdessen zahlreiche Unternehmen und Start-ups, die pflanzliche Lebensmittel herstellen und die Zukunft der Landwirtschaft neu kalkulieren. Im Jahr 2021 werden wir diese Trends weiter verfolgen und was sie für unsere Ernährung und das Klima bedeuten.

Schweizer Start-ups - aber auch Lebensmittelriesen wie Nestlé - versuchen ebenfalls, Alternativen zu Plastikverpackungen zu finden, die nachweislich in alarmierendem Ausmass in unserem Körper und in der Umwelt landen. Nächstes Jahr werden wir auch die neuesten Entwicklungen in der Materialwissenschaft im Auge behalten und untersuchen, wie so genannte bio-inspirierte Materialien - oder Materialien, die in der Natur vorkommen - Lösungen für Verpackungen, Pestizide, Lebensmittelabfälle und andere Bereiche bieten könnten.

Da Maschinen nicht krank werden oder Krankheiten verbreiten können, hat die Covid-19-Pandemie auch die Automatisierung bestimmter Aufgaben durch Roboter und künstliche Intelligenz beschleunigt. Aber wie baut man Vertrauen in diese Technologien auf, wie geht man mit ihrem Potenzial um, den Arbeitsplatz, wie wir ihn kennen, zu verändern? Und wie stellt man sicher, dass sie nicht in die falschen Hände geraten? Die Schweiz, ein globales Robotik- und KI-Zentrum, versucht, Antworten auf diese Fragen zu finden, und wir werden über diese Debatten berichten.

Als im Jahr 2020 das Reisen und die Möglichkeiten, sich zu treffen, eingeschränkt waren, strömten die Menschen in der Schweiz in die Berge und in die Natur, um sich sozial zu distanzieren. Und Pläne für grosse Berginfrastrukturprojekte - wie eine neue Express-Seilbahn zu einem der meistbesuchten Orte der Alpen, dem Jungfraujoch - wurden trotz der Pandemie fortgesetzt. Doch wie wirken sich all diese menschlichen Aktivitäten auf die empfindliche und wichtige Artenvielfalt in Europas grösstem Gebirge aus? Und wird es die vielen Gletscher der Schweiz, die als "Wasserschloss" des Kontinents bekannt ist, in 50 Jahren noch geben, geschweige denn in 20? Unsere fortlaufende Berichterstattung zu diesen Themen wird sich mit der Realität der Situation befassen, aber auch mit der Politik und den Innovationen, die sie angehen.

Hoch über den Alpen, weit weg von den Sorgen dieser Welt, liegen andere Welten, die darauf warten, erforscht zu werden. Nächstes Jahr endet die dreijährige Mission des von der Schweiz geleiteten Satellitenprojekts CHEOPS, dessen Ergebnisse wir ebenso weiterverfolgen werden wie andere Meilensteine der Weltraumforschung, an denen Schweizer Forschung und Technik beteiligt waren. CHEOPS hatte die Aufgabe, 100 der mehr als 4.000 Exoplaneten zu untersuchen, die entdeckt wurden, seit die Schweizer Nobelpreisträger Michel Mayor und Didier Quéloz den ersten solchen Planeten fanden, der einen anderen Stern als unsere Sonne umkreist. Gibt es eine weitere Erde da draussen? Nächstes Jahr wissen wir vielleicht mehr.

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