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Partielle Sonnenfinsternis zum Start ins neue Jahr



Ob total oder partiell: Eine Sonnenfinsternis soll nur durch eine Spezialbrille beobachtet werden, rät die Gesundheitsbehörde.

Ob total oder partiell: Eine Sonnenfinsternis soll nur durch eine Spezialbrille beobachtet werden, rät die Gesundheitsbehörde.

(Keystone)

Das neue Jahr hält für Observatorien und Hobby-Astronomen zu Beginn gleich ein Schauspiel am Himmel parat: Am 4. Januar wird eine partielle Sonnenfinsternis auch in der Schweiz zu sehen sein. Dunkel wird der Himmel aber kaum.

Auch wenn eine teilweise Verfinsterung der Sonne kein so grosses Spektakel ist wie das Phänomen der totalen Sonnenfinsternis: die teilweise Abdeckung der Sonne durch den Mond ist in der Schweiz nicht allzu oft zu sehen.

Am nächsten Dienstag werden 67% der Sonne vom Mond verdeckt sein, was die Menschen im grössten Teil Europas, in Nordafrika sowie in Zentralasien sehen können. Den Betrachtern wird sich aber von keinem Punkt der Erde aus eine totale Sonnenfinsternis oder Eklipse präsentieren.

Am 4. Januar tritt das Finsternismaximum in Genf um 9.09 Uhr, in Zürich um 09.13 Uhr und in der Ostschweiz um 9.13 Uhr ein.

Relativ häufig

Eine Sonnenfinsternis, bei welcher der Mond mindestens zwei Drittel der Sonne überlagert, wird es in der Schweiz für den Rest des 21. Jahrhunderts nur rund alle zehn Jahre geben, sagt Hobby-Astronom Ross Bennie.

Letztmals war die Sonne über der Schweiz am 11. August 1999 abgedeckt,  sogar fast vollständig. Eine dicke Wolkendecke aber liess damals das Spektakel für die Zuschauer höchstens erahnen.

Dazwischen gab es zwar eine weitere Sonnenfinsternis, aber am 1. August 2008 war die Sonne nur am Rand, nämlich zu nur 5%, vom Mond verdeckt.

Eklipse nur viermal pro Jahrtausend

Das Ereignis am Himmel zu Jahresbeginn ist aber nur "ein kleiner Fisch". Eine totale Sonnenfinsternis ist zwar jedes Jahr von der Erde aus zu sehen, in der Schweiz aber kommt sie nur alle 250 Jahre vor. Letztmals konnten Menschen hier im Juli 1842 eine Eklipse bestaunen, fünf Jahre vor der Gründung der Schweiz als moderner Bundesstaat.

"Im Vergleich mit einer Eklipse lohnt es sich bei einer partiellen Sonnenfinsternis kaum, das Bett zu verlassen. Selbst dann nicht, wenn 90% der Sonne verdeckt sind", sagt Bennie.

Dem pflichtet Frédéric Mallmann bei. "Richtig dunkel wird es erst, wenn auch die letzten Ränder der Sonne verschwinden", sagt der Leiter des Observatoriums St-Luc im Kanton Wallis. Wer sich nicht achte, bemerke möglichweise gar nicht, was sich am Himmel abspiele.

Auch für die Sonnenfinsternis gilt also: Erst das letzte Prozent macht den grossen Unterschied aus. Als vor ein paar Jahren in Spanien eine 99%-ige Abdeckung der Sonne zu sehen war, sei das Tageslicht praktisch unverändert geblieben, sagt Sylvia Ekström, Mitarbeiterin des Observatoriums Genf. Auch keine so genannte Korona sei sichtbar gewesen. Ist die Sonne ganz verdeckt, leuchtet ein solcher Lichthof hinter dem Mond hervor.

"Abgebissene" Sonne

Ist der Himmel am 4. Januar nicht wolkenverhangen, sehen die Betrachter durch Spezialbrillen oder ein Teleskop in einer Sternwarte, wie sich der Mond langsam in die rote Sonne "hinein frisst".

Die Meteorologen wollten sich noch nicht auf die Äste hinaus lassen, was das Wetter am Dienstag betrifft. Frédéric Mallmann von der Sternwarte St.-Luc empfiehlt aber, für eine optimale Sicht einen Standort mit freier Sicht nach Osten auszuwählen.

Nur durch Spezialbrille

Auch wenn die Sonnenfinsternis nur eine partielle sein wird, warnt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) vor direktem Blick in die Sonne, also mit blossem Auge. Zudem seien normale Sonnenbrillen oder rauchgeschwärztes Glas untaugliche Hilfsmittel, so die Behörde.

Wer sich keine spezielle Sonnenfinsternis-Brille (gibt es beim Optiker, die Red.) aufsetze, riskiere Verbrennungen an der Netzhaut, die zu teilweiser oder gänzlicher Blindheit führen könne.

Perfid ist, dass Netzhautverbrennungen keine unmittelbaren Schmerzen verursachten und die Augenprobleme erst mit einer Verzögerung von einigen Tagen auftreten.

"Die Beobachtungsbrillen aus Karton bieten einen guten Schutz. Aber wer die Sonnenfinsternis hobbymässig betrachtet, sollte sich eine Brille mit speziellen Filtergläsern kaufen", empfiehlt BAG-Sprecher Beat Gerber.

Antiker "Computer"

Partielle Abdeckungen böten kaum Gelegenheit zu wissenschaftlichen Entdeckungen, sagt Sylvia Ekström vom Observatorium Genf. Anders eine totale Sonnenfinsternis. 1919 habe eine solche zur Bestätigung der Relativitätstheorie geführt, die Albert Einstein 1915 in Bern entwickelt hatte.

Eine partielle Sonnenfinsternis ist aber für Astronomen und Astronominnen wie Ekström Anlass, in alte Kulturen und deren Beobachtungen der Gestirne einzutauchen.

"Es ist faszinierend, dass die alten Griechen den Zeitpunkt der nächsten Sonnenfinsternis exakt voraussagen konnten", sagt Sylvia Ekström.

Dies gelang ihnen mit Hilfe des so genannten Mechanismus' von Antikythera, einer Art Uhrwerk aus Zahnrädern. Dank dieses antiken "Computers" konnten sie die Bewegungen der Himmelskörper exakt berechnen.

"Die Beobachtung der Sonnenfinsternis bringt uns zurück zu dieser sehr alten Tradition der astronomischen Berechnungen", sagt sie.

Für hartgesottene Himmelsgucker aber zählt nur die totale Sonnenfinsternis. Viele von ihnen würden ans Ende der Welt reisen, um ein paar Augenblicke der besonderen Magie zu erhaschen, die den Tag zur Nacht macht.

"Die weiteste Reise bisher für eine Sonnenfinsternis führte mich auf die Osterinseln", sagt Ross Bennie, "aber 2015 lockt der Nordpol". Dem 20. März in vier Jahren als Datum der nächsten totalen Sonnenfinsternis hätten auch die alten Griechen entgegen gefiebert.

Sonnenfinsternis

Von einer Sonnenfinsternis oder Eklipse spricht man, wenn aus Sicht der Erde der Mond ganz oder teilweise vor die Sonne tritt.

Der Grad der Finsternis hängt von der Entfernung zwischen Mond und Erde ab.

Eine totale Sonnenfinsternis dauert maximal sieben Minuten und 31 Sekunden.

Sie kann nur innerhalb eines schmalen Erdstreifens von 250 Kilometer Breite gesehen werden.

Der Streifen, von wo Menschen eine partielle Sonnenfinsternis sehen können, ist viel grösser.

Das Phänomen einer totalen Sonnenfinsternis sorgte früher oft für Ängste, dass die Welt untergehen könne.

Davon zeugt der Begriff der Eklipse. Er stammt vom griechischen ékleipsis, das für Überlagerung, Verdeckung oder Auslöschung steht.

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Daten

Die nächsten Daten einer partiellen Sonnenfinsternis in der Schweiz:

20.03.2015

10.06.2021

25.10.2022

29.03.2025

12.08.2026

02.08.2027

26.01.2028

01.06.2030

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(Übertragung aus dem Englischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch


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