Solidarität mit den Hochwasser-Opfern
Die Glückskette führt am Mittwoch einen nationalen Sammeltag für die Opfer der Hochwasser durch, die vor gut einer Woche die Schweiz heimgsucht hatten.
Vor fünf Jahren beliefen sich die Spenden für die Hochwasser-Schäden im Wallis auf 74 Mio. Franken.
Als im Jahr 2000 die schweren Unwetter das Walliser Dorf Gondo heimgesucht hatten, spendeten die Schweizerinnen und Schweizer 74 Millionen Franken für die Glückskette.
«Wir hatten auch Sammeltage für die Lawinenopfer nach dem Sturm Lothar 1999 oder für die Opfer der Wirtschaftskrise», führt die Kampagnen-Verantwortliche bei der Glückskette, Catherine Baud-Lavigne gegenüber swissinfo aus. «Das hat immer gut funktioniert.»
Rekordspenden nach Tsunami
Spendenaktionen zugunsten von Opfern in der Schweiz funktionieren normalerweise gut. Der Bonus der geographischen Nähe spielt hier zweifellos eine Rolle. Trotzdem erreichte die Glückskette ihren absoluten Spendenrekord nach dem Tsunami in Asien im vergangenen Januar, als 225 Mio. Franken zusammenkamen.
Die grosse Summe erklärt sich mit der grossen Betroffenheit nach der Katastrophe, aber auch damit, dass viele Schweizerinnen und Schweizer die vom Tsunami betroffenen Regionen als Ferienländer kennen, wie Baud-Lavigne ausführt. «Dazu kommt, dass viele Schweizer bei der Tsunami-Katastrophe ihr Leben lassen mussten. Das hatte zweifellos einen Einfluss auf die Sammlung.»
Westschweiz ist schwieriger zu sensibilisieren
Es ist klar, dass der Sammeltag vom Mittwoch, den 31. August kein neues Rekordresultat bringen wird. Vergleichsbasis sind die 74 Mio. Franken für Gondo im Jahr 2000. «Wir gehen davon aus, dass wir etwas weniger sammeln werden», führt Catherine Baud-Lavigne aus. «Aus dem einfachen Grund, weil viele Regionen, die damals gespendet haben jetzt selbst betroffen sind.»
Den andern Grund ortet Baud-Lavigne im Umstand, dass die vom Hochwasser praktisch nicht betroffenen Westschweizer schwieriger zu motivieren sein werden. «Ich denke, es wird in der Westschweiz schwieriger, Geld zu sammeln. Hier hat die Diskussion ziemlich schnell ins Rationelle gewechselt. Man spricht mehr von Vorsorge und von der Rolle der Versicherungen, Damit vergisst man, dass nicht alle Schäden gedeckt sind.»
Prognose sehr schwierig
Auch die grossen Spenden für die Tsunami-Opfer könnten sich als Hindernis erweisen. «Viele Leute haben ein Jahresbudget für Spenden», so Baud-Lavigne. «Oder die Tsunami-Spenden waren so hoch, dass die Leute dieses Mal wahrscheinlich weniger spendabel sein werden und können.»
Kurzum: Eine Prognose über die Höhe der Spenden ist sehr schwierig.
swissinfo, Olivier Pauchard
(Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser)
Die Glückskette organisiert am Mittwoch, den 31. August einen nationalen Solidaritätstag mit den Opfern des Hochwassers in der Schweiz.
Bis zum Sammeltag waren Spenden-Zusagen in der Höhe von 6,1 Mio. Franken eingegangen.
Gespendet werden kann auf der Website der Glückskette (www.glueckskette.ch) oder per Einzahlung auf das Postcheck-Konto 10-15000–6. (Vermerk: Unwetter Schweiz)
Die Glückskette ist selber kein Hilfswerk, sondern das humanitäre Sammel-System der Schweizer Medien, angeführt durch die SRG SSR idée suisse.
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