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Zürcher Gemeinderat will mehr Platz in der Flussbadi Oberer Letten

Keystone-SDA

Der Zürcher Stadtrat muss die grösste Sardinenbüchse der Stadt entschärfen: die Flussbadi Oberer Letten, die an warmen Tagen jeweils hoffnungslos überfüllt ist. Der Gemeinderat hat am Mittwoch entschieden, dass die Anlage ausgebaut werden soll.

(Keystone-SDA) Bilder vom Oberen Letten werden in Zürcher Medien gerne dann verwendet, wenn es ums Thema «Bevölkerungswachstum» geht: Dicht an dicht sitzen die Badibesucher dort auf dem Holzrost, wobei vor lauter Menschen und Tüechli kein Holz mehr zu sehen ist.

SP-Stadträtin Simone Brander findet es nicht schlimm, wenn es in der Badi etwas enger wird. «Das gehört ja auch zum Konzept, dass es an schönen Tagen voll wird.» Das mache doch den Charme von Badeanstalten aus. Viele würden das schätzen.

«Der nächste Hitze-Sommer kommt bestimmt»

Der Gemeinderat war anderer Meinung und gab Brander am Mittwoch einen Auftrag: Mit 75 Ja- zu 41 Nein-Stimmen überwies das Parlament eine Motion, die eine Aufwertung des Oberen Letten verlangt. Der Vorstoss stammte von SP und FDP. «Der nächste Hitze-Sommer kommt bestimmt und der Obere Letten platzt aus allen Nähten», begründete SP-Gemeinderat Severin Meier den Vorstoss.

«Der Stadtrat hat dabei durchaus Handlungsspielraum.» Damit sprach Meier den Umstand an, dass vor genau zehn Jahren bereits einmal ein Postulat für eine Aufwertung des Oberen Letten überwiesen wurde – und nichts passierte.

Dieses Mal soll es anders kommen, weshalb SP und FDP den Vorstoss als Motion einreichten, also als konkreten Auftrag und nicht mehr als höfliche Bitte. Schutz der Artenvielfalt und mehr Erholungsraum müssten sich nicht widersprechen, zeigte sich Meier überzeugt.

«In desolatem Zustand»

FDP-Gemeinderat Patrik Brunner, der die Motion mitunterzeichnete, will endlich «einen würdigen Flussabschnitt für den Kreis 6». Der Obere Letten sei in einem desolaten Zustand. Er wünscht sich nicht nur eine Aufwertung der Badi, sondern auch Spielplätze für Kinder.

Stadträtin Brander kündigte bereits an, dass es diese Motion «nicht einfach haben wird». Was sie damit meint, wird in der schriftlichen Beantwortung der Motion klar: So ist etwa die Verlängerung des Stegs mit Holzrost «wegen der bewilligungsrechtlichen Rahmenbedingungen anspruchsvoll». Denn bei der Limmat hat der Kanton Zürich das Sagen.

Die Verlängerung des Flussbads in Richtung Platzspitzwehr bezeichnet der Stadtrat zudem schon jetzt als «unmöglich». Grund ist die neue Fischaufstiegshilfe beim Platzspitzwehr, die in diesem Jahr realisiert wurde. Sie ermöglicht knapp 30 Fischarten den barrierefreien Wechsel von der Limmat in den Zürichsee.

Der Stadtrat hat nun zwei Jahre Zeit, eine Weisung mit konkreten Vorschlägen vorzulegen.

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