Zürich und Winterthur verzeichnen gegenläufige Sozialhilfe-Trends
Die Städte Zürich und Winterthur haben sich bei den Sozialhilfefällen unterschiedlich entwickelt. Während die Zahl der Fälle in Zürich sank, stieg sie in Winterthur leicht an. Eine direkte Abwanderung von Sozialhilfebeziehenden von Zürich nach Winterthur findet aber nicht statt.
(Keystone-SDA) Die Sozialhilfekennzahlen, welche die Städteinitiative Sozialpolitik am Dienstag publizierte, beleuchten die aktuellen Entwicklungen in 14 Schweizer Städten. Dabei zeigen sich in den beiden grössten Zürcher Städten deutliche Unterschiede in der Dynamik. Während die Stadt Zürich bei den absoluten Fallzahlen einen Rückgang verzeichnet, registriert die Stadt Winterthur einen leichten Zuwachs.
In der Stadt Zürich ist die Zahl der Sozialhilfedossiers im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent gesunken. Auch die Anzahl der effektiv unterstützten Personen nahm ab, und zwar um 0,8 Prozent auf noch 14’854 Menschen. Die städtische Sozialhilfequote liegt aktuell bei 3,2 Prozent. Der angespannte Wohnungsmarkt mit einer Leerwohnungsziffer von lediglich 0,1 Prozent verdrängt laut dem Bericht einkommensschwache Haushalte zunehmend aus der Kernstadt in die umliegende Agglomeration, was die Quote in Zürich tief hält.
Zuwachs in Winterthur
Genau andersherum präsentiert sich die Situation in der zweitgrössten Zürcher Stadt. In Winterthur stieg die Zahl der Unterstützungseinheiten um 1,7 Prozent an. Insgesamt mussten 6239 Personen durch die wirtschaftliche Sozialhilfe unterstützt werden, was einem Zuwachs von 0,7 Prozent entspricht. Winterthur weist eine leicht höhere Arbeitslosenquote auf als Zürich, und der Anteil an Personen ohne formelle Berufsausbildung unter den Arbeitslosen ist dort ebenfalls erhöht.
Nicolas Galladé, Sozialvorsteher der Stadt Winterthur und Präsident der Städteinitiative Sozialpolitik, sieht jedoch keine massenhafte Abwanderung von Sozialhilfeempfängern von Zürich nach Winterthur. «Derartiges kann bei uns bei der Zentralen Anlaufstelle nicht festgestellt werden», erklärte er auf Anfrage von Keystone-SDA.
Zwar verändern sich die Rahmenbedingungen durch den Wohnungs- und Arbeitsmarkt, was sich auf die Demografie auswirkt. Eine direkte Verdrängung in die Nachbarstadt verneint Galladé aber. «Da auch die Stadt Winterthur über einen längeren Zeitraum gesehen einen Rückgang der Sozialhilfequote zu verzeichnen hat, können wir die Hypothese nicht bestätigen», hielt er fest.
Alleinerziehende sind besonders gefährdet
Einen speziellen Fokus legt der Bericht auf Einelternfamilien. Diese Bevölkerungsgruppe trägt landesweit ein deutlich erhöhtes Risiko, auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Dieses zeigt sich in den grossen Zürcher Städten sehr deutlich. In der Stadt Winterthur bezieht mehr als ein Viertel aller Einelternhaushalte wirtschaftliche Sozialhilfe.
In der Stadt Zürich fällt dieses Risiko mit einer Quote von 19,2 Prozent etwas geringer aus. In der überwiegenden Mehrheit der Fälle handelt es sich bei den betroffenen Personen um Frauen.
Der diesjährige Bericht zu den Sozialhilfekennzahlen weist darauf hin, dass sich die nationale Sozialhilfestatistik in einer Modernisierungsphase befindet. Wegen der schrittweisen Umstellung auf monatliche Datenlieferungen ist die Vergleichbarkeit der aktuellen Zahlen mit den Vorjahren teilweise eingeschränkt. Die neue Berechnungsmethode der Quoten führt tendenziell zu leicht tieferen Werten, weshalb sinkende Quoten und steigende Fallzahlen gleichzeitig auftreten können.
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