«Grösste Krise weltweit»: Darum sammelt Glückskette jetzt für Sudan
Während die Hilfe international abnimmt, spitzt sich die humanitäre Not im Sudan weiter zu. Glückskette und SRG haben am Donnerstag eine nationale Spendenaktion lanciert. Mediensprecher Fabian Emmenegger erklärt, warum dafür jetzt der richtige Zeitpunkt ist.
(Keystone-SDA) Laut Emmenegger, Mediensprecher bei der Stiftung Glückskette, ist die nationale Solidaritätsaktion «Not im Sudan» am Donnerstag «gut angelaufen». Ihm zufolge ist die Schweizer Bevölkerung bei grossen Krisen immer «enorm solidarisch».
Daran können auch multiple Krisen und eine spürbare Teuerung nichts ändern, wie das Solidaritätsbarometer der Glückskette zeigt: 60 Prozent spenden gleich viel, 28 Prozent der Befragten sogar mehr.
Seit Kriegsausbruch 2023 habe die Glückskette 22 Projekte mit 5,9 Millionen Franken im Sudan und den Nachbarländern Tschad und Südsudan finanziert. Doch viel sei von den finanziellen Mitteln nicht mehr übrig, so der Glückskette-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Auch international nehme die humanitäre Hilfe ab. Seit dem Kriegsausbruch 2023 stehe die grösste Krise der Welt im Schatten anderer Schlagzeilen, so der Mediensprecher. Wenn über den Sudan berichtet werde, stünden oft militärische und politische Entwicklungen im Vordergrund. Das will die Glückskette am heutigen Solidaritätstag ändern und die humanitären Folgen ins Zentrum stellen.
Hungersnot droht
Fast 20 Millionen Menschen seien derzeit von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, es drohe eine Hungersnot. Der anhaltende Krieg, die massiven Vertreibungen und eine El-Niño-bedingte Dürre verschärfen die Krise weiter, wie Emmenegger sagte. Diese Faktoren hätten die Glückskette nun bewogen, gemeinsam mit der SRG zu einem nationalen Solidaritätstag aufzurufen.
Um die Bevölkerung erreichen und mobilisieren zu können, brauche es öffentliche Aufmerksamkeit, so der Mediensprecher. Bei einer plötzlich eintretenden Katastrophe wie einem schweren Erdbeben entstehe diese Aufmerksamkeit oft unmittelbar. Doch auch bei Krisen, die weitgehend ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung stattfinden, trägt die Glückskette eine Verantwortung, wie er weiter sagte.
Die Situation im Sudan und der Region sei Komplex, so der Sprecher. Die unsichere Sicherheitslage, der eingeschränkte Zugang zu betroffenen Gebieten und die anhaltenden Vertreibungen erschwerten die humanitäre Hilfe erheblich.
Damit die Hilfe die Menschen in den betroffenen Gebieten erreicht, müssten die Partnerorganisationen vor Ort teilweise lange und unsichere Versorgungswege bewältigen oder mit Konfliktparteien über Zugänge verhandeln. Die Einsätze werden laufend angepasst, wie der Sprecher sagte, damit die lebenswichtige Hilfe auch unter schwierigen Bedingungen geleistet werden kann.
Mehr Swissinfo-Artikel in Ihren Google-Ergebnissen sehen. Weitere Informationen