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Aargauer Parlament will keine Pillen-Abgabe durch Ärzte

Keystone-SDA

Im Kanton Aargau erhalten Patientinnen und Patienten ihre Medikamente weiterhin einzig in der Apotheke. Der Grosse Rat hat am Dienstag eine Motion klar abgelehnt, welche diese Praxis ändern wollte. Auch Hausärzte sollten Pillen und Salben abgeben können.

(Keystone-SDA) Der Grosse Rat lehnte die Motion aus den Reihen von GLP, Grünen, FDP, SP, EDU, SVP und Mitte mit 78 zu 44 Stimmen ab. Der Regierungsrat hatte sich gegen die Motion ausgesprochen. Die Frage war innerhalb aller Parteien umstritten.

Die Motionäre wollten eine Praxisänderung erreichen. Es geht um die Selbstdispensation in der Grundversorgung. Diese direkte Abgabe von Pillen in der Arztpraxis sollte den Ärztinnen und Ärzten ein Zusatzeinkommen ermöglichen.

Das Verbot der Selbstdispensation besteht im Kanton Aargau seit mehr als 100 Jahren. Von einem Arzt verschriebene Pillen und Salben können einzig in den Apotheken bezogen werden.

Zwei Standpunkte pro Partei

Hans-Peter Budmiger (GLP) sprach von einem «Standortnachteil für den Aargau». Es gehe einzig um Haus- und Kinderärzte. In ländlichen Regionen sei die Versorgung durch Ärzte gefährdet. Die Grünen stützten die Forderung. Es gehe darum, einen alten Zopf abzuschneiden, hielt Magi Keller fest.

Mitte-Grossrat Alfons Paul Kaufmann sagte, seine Partei sei zwar unterschiedlicher Meinung, aber sie lehne die Praxisänderung mehrheitlich ab. Auch die EVP sprach sich mehrheitlich gegen die Motion aus. Vor allem grössere Gemeinschaftspraxen würden profitieren, betonte Therese Dietiker für die EVP. Auf dem Land müssten wohl einige Apotheken schliessen.

FDP-Grossrat Stefan Huwyler machte klar, dass es auch in seiner Fraktion unterschiedliche Meinungen gebe – und zählte die Argumente der Befürworter und Gegner auf. Eine Mehrheit sei für die Motion. Auch die SP unterstützte die Forderung. Lucia Engeli sagte, die Apotheke ersetze keine Hausarztpraxis. Vor allem jüngere Ärzte kämen wegen des Verbots der Medikamentenabgabe nicht in den Aargau.

SVP-Grossrat René Fiechter sagte, die Hausärzte müssten gestärkt werden. Es sei aber der falsche Weg, die Selbstdispensation zu erlauben, um die Hausarztpraxen zu stärken. Die Kosten würden steigen. Vielmehr müsse der Bund die Tarife für die Hausärzte erhöhen. Nach den Sprechern der Fraktionen meldeten sich noch rund zehn Grossrätinnen und Grossräte zu Wort.

Der Regierungsrat wollte an der bestehenden Praxis nicht rütteln. Die Trennung von Diagnose durch den Arzt und Abgabe durch den Apotheker diene der Patientensicherheit, da Dosierungen und Verträglichkeiten doppelt kontrolliert würden.

Zudem falle der finanzielle Anreiz für Mediziner weg, teurere oder unnötige Medikamente zu verschreiben. Gleichzeitig warnte der Regierungsrat vor den Folgen der Praxisänderung für die rund 130 öffentlichen Apotheken im Kanton.

Das Volk entschied 2013

Die Frage, wer Medikamente abgeben beziehungsweise verkaufen kann, führt im Aargau wiederholt zu politischen Diskussionen. So lehnten die Stimmberechtigten 2013 die Volksinitiative «Ja zur ärztlichen Medikamentenabgabe» des Ärzteverbandes mit einem Nein-Stimmenanteil von 60 Prozent ab.

Das Volk verwarf gleichzeitig eine Initiative der Apotheker, die das Verbot der Medikamentenabgabe in der Kantonsverfassung verankern wollte.

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