Preise für Helden des Alltags
Ein Schweizer Krebsspezialist ist von der Zeitschrift "Beobachter" für seinen Kampf gegen Titel-Betrug und Filz an der Universität Zürich mit 25'000 Franken geehrt worden. Er musste für seinen Einsatz büssen, obwohl er im Recht war.
Weitere 10’000 Franken gewinnen ein Heli-Pilot und ein Post-Chauffeur für die Rettung von drei Menschen.
Der 66-jährige Onkologe Christian Sauter deckte an der Universität Zürich einen Titelbetrug auf. Er hatte zufällig erfahren, dass sein Vorgesetzter an der Klinik für Viszeral-Chirurgie, Rainer W. Grüssner, zu Unrecht den akademischen Titel eines “Ph.D.” führte und wissenschaftliche Arbeiten damit unterzeichnete.
Sauter orientierte darauf den Dekan, der aber nichts unternahm, sondern ihm verbot, den Fall weiter zu untersuchen. Als der zuständige Zürcher Regierungsrat Ernst Buschor gar mit einem Disziplinar-Verfahren drohte, ging der emeritierte Professor Sauter in die Offensive und trat mit seinen Recherchen an die Öffentlichkeit.
Bestraft für die Wahrheit
Der Titelbetrüger Rainer W. Grüssner wurde zwar in der Folge nach einem Jahr entlassen – mit einer fürstlichen Abfindung von 1,2 Mio. Franken. Sauter hingegen wurde von der Universität Zürich gebüsst, obwohl er in der Sache Recht hatte:
Weil er sich weigerte, eine Vereinbarung mit dem Universitätsrat zu unterschreiben, die ihn praktisch mundtot gemacht hätte, wurde ihm ein Lohnstufen-Anstieg verweigert, was eine Kürzung seiner Rente bedeutet.
“Der Rechtsstaat darf vor den Pforten der Medizinischen Fakultät und der Universität nicht aufhören”, mahnte Jury-Präsident und alt Bundesrat Otto Stich am Samstagabend an der Galafeier in Zürich.
Der Preisträger sei von der Jury geehrt worden, weil er sich für die Wahrheit eingesetzt und dabei riskiert habe, geächtet zu werden und als Nestbeschmutzer zu gelten. Er sei dafür bestraft worden, dass er einen Titelbetrug aufgedeckt und öffentlich gemacht hatte. Es dürfe aber an einer Hochschule nicht vorkommen, dass unhaltbare Zustände von der Universitäts-Leitung einfach unter den Tisch gewischt würden.
Darum, so Stich, seien Menschen wie Christian Sauter wichtig. Menschen mit Zivilcourage.
«Heli-Engel von Schlans»
Zum zweiten Mal konnten sich auch die Leserinnen und Leser des “Beobachters” aktiv an der Kandidaten-Wahl beteiligen. Das Votum fiel klar aus: Der mit 10 000 Franken dotierte Publikumspreis geht an die beiden Bündner Marcus Levy und Albert Pfister. Sie retteten im November 2002 in Schlans drei Menschen aus einer Schlammlawine.
Auf der Suche nach Eingeschlossenen steuerte der erfahrene Helikopterpilot Levy seine Maschine bei dichtem Nebel über die zerstörten Häuser. Postauto-Chauffeur Albert Pfister liess sich mit einem Seil am Helikopter anbinden und konnte so zwei Menschen aus ihrer bedrohlichen Lage retten. Kurz darauf evakuierte Levy im Alleingang eine dritte Person.
Levy und Pfister hätten ihr Leben riskiert, um Leben zu retten, sagte “Beobachter”-Chefredaktor Balz Hosang bei der Preisübergabe: Im Auftrag ihrer Leserinnen und Leser ehre die Zeitschrift die Beiden für ihren ungewöhnlichen Mut und für ihr entschlossenes Handeln.”
Der Prix Courage für Zivilcourage wurde am Samstag zum sechsten Mal verliehen. Die ersten Preisträger waren die Zürcher Beamten Angela Ohno und Hanspeter Heise. Sie hatten die Zürcher Klärschlamm-Affäre aufgedeckt.
swissinfo und Agenturen
Leserinnen und Leser melden der «Beobachter»-Redaktion jedes Jahr zwischen 30 und 50 Frauen und Männer, die alle überdurchschnittlichen Mut unter Beweis gestellt haben.
Aus der Zahl der Preisanwärter wählte die Redaktion auch dieses Jahr zehn Einzel-Personen und Gruppen aus: Lebensretter, Menschen die ihre Augen nicht vor Ungerechtigkeiten verschliessen, Kämpferinnen für die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt, sowie Friedensarbeiter im Irak-Krieg.
Aus dieser Zehnergruppe kürte die von alt Bundesrat Otto Stich präsidierte Jury den Sieger Christian Sauter.
Aus der gleichen Zehnergruppe ermittelten auch die Leserinnen und Leser die beiden Gewinner des Publikumspreises Marcus Levy und Albert Pfister.
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