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Brand im Gotthard-Tunnel

Die Unfallstelle: Wegen der Hitze konnten die Helfer nicht ins Zentrum des Brandes vordringen. Keystone

Bei dem schwersten Tunnel-Unglück in der Geschichte der Schweiz sind am Mittwoch nach Behörden-Schätzungen bis zu 20 Menschen getötet worden. Weitere wurden bei dem Brand-Inferno im Gotthard verletzt. Noch immer ist der Brand nicht gelöscht. Der Tunnel bleibt längere Zeit geschlossen.

Dieser Inhalt wurde am 25. Oktober 2001 - 07:35 publiziert

Wie die Tessiner Kantonspolizei berichtete, wurden nach dem Laster-Unfall mit Feuerausbruch bis am Mittwochabend zehn Todesopfer geborgen. Doch waren die Rettungs-Mannschaften wegen der grossen Hitze und der weiter lodernden Flammen noch nicht zur eigentlichen Unglücksstelle vorgedrungen.

Im Verlaufe der Nacht wurden Kühlsubstanzen in den Tunnel gebracht. Die Temperatur konnte damit gesenkt werden. Während des Morgens soll nun auch von Süden her an den Unfallort vorgestossen werden. Bisher konnten sich die Feuerwehrleute nur über den Sicherheitsstollen von Norden her dem Brandherd nähern. Die Hitze im Tunnel ist weiterhin enorm.

Von Norden her mussten die Helfer am Mittwoch abgezogen werden, da die Gefahr für die Helfer im Tunnel zu gross war.

Frontal-Zusammenstoss zweier Sattelschlepper

Kurz vor zehn Uhr am Mittwochvormittag waren rund einen Kilometer vor dem Südportal des Tunnels im Tessin zwei Lastwagen frontal zusammengestossen. Der eine hatte Reifen und Kunststoff-Planen geladen, die sofort Feuer fingen, der andere Isoliermaterial.

Es gab eine starke Rauchentwicklung, die die Retter massiv behinderte. Die Bevölkerung von Airolo wurde aufgefordert, in den Häusern zu bleiben und die Fenster geschlossen zu halten.

Feuer noch nicht gelöscht

Das Feuer im Tunnel war auch am Donnerstagmorgen noch nicht gelöscht. Man habe wegen der Hitze und der starken Rauchentwicklung grosse Probleme, sich den brennenden Autos zu nähern, erklärten die Verantwortlichen. Das Feuer habe auf einer Länge von bis zu 300 Metern gewütet. Die Decke im Tunnel stürzte auf einer Länge von 100 Metern ein.

Überlebender Chauffeur gerammt

Der Chauffeur einer der beiden Lastwagen, die in den Unfall verwickelt waren, überlebte. Er gab an, ein entgegenkommender Lastwagen habe ihn gerammt. Dieser sei darauf gegen die Tunnelwand geprallt und der Lenker in der Kabine eingeklemmt worden.

Viele Verletzte

Zur Zeit des Unfalls befanden sich laut Polizei rund 200 Fahrzeuge im Tunnel. Ein Grossteil der Autos konnte wenden und nordwärts ins Freie fahren. In südlicher Richtung mussten die Autolenker über den Rettungs-Stollen zu Fuss flüchten. Mehrere Personen, darunter ein Feuerwehrmann, mussten mit starken Rauchvergiftungen ins Spital gebracht werden.

Schwerverkehr auf die Schiene

Noch lassen sich die Schäden im Tunnel nicht abschätzen, dies wird erst in den nächsten Tagen möglich sein. Erst dann könne man sagen, wann der Gotthard-Tunnel wieder befahrbar sein wird, sagte der Fachmann des zuständigen Bundesamtes.

Der Personenverkehr wird ab Göschenen über den Gotthardpass geschickt. Der Schwerverkehr wird grossräumig auf die die San-Bernardino-Route umgeleitet. Allerdings: Nach einem schweren Verkehrsunfall bei Pian San Giacomo GR südlich des San-Bernardino-Tunnels, an dem drei PW und ein Lastwagen beteiligt waren, ist momentan auch die San-Bernardino-Route gesperrt. Es zeichnen sich grössere Verkehrsprobleme ab.

Die SBB setzen ab Donnerstag sowohl auf der Gotthard- wie auf der Lötschberg-Route Sonderzüge für Lastwagen ein. Auch für den Personenverkehr sind Sonderzüge geplant.

Politische Forderungen

Das Unglück hat die Diskussion über die Sicherheit von Strassentunnels neu entfacht. Grosse Verkehrsverbände forderten bereits wenige Stunden nach dem Unfall, es brauche nun endlich eine zweite Gotthard-Röhre, damit der Verkehr richtungsgetrennt fahren könne.

Im Gegensatz dazu erklärte Bundespräsident Leuenberger, dass es wohl am Konsequentesten wäre, wenn überhaupt keine Lastwagen mehr durch den Gotthard gelassen würden, sondern man alle auf die Schiene umleitete. Der Verkehrsminister liess durchblicken, dass er nichts davon hält, wenn Organisationen aus dem Unfall politisches Kapital schlagen wollen.

Vor Monatsfrist übrigens wurde bei einer grossen Katastrophenübung ein Brand im Gotthard-Strassentunnel simuliert. Damals und auch bereits bei früheren Untersuchungen zur Sicherheit gingen alle Fachleute davon aus, dass der Gotthard als vergleichsweise sicher einzustufen sei.

swissinfo und Agenturen

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