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Bundesrat hüllt sich zu Finanzkrise weiter in Schweigen

(Keystone)

Die Schweizer Regierung hat sich eingehend über die Lage auf den Finanzmärkten informieren lassen, sich aber anschliessend nicht dazu geäussert. Derweil gingen die Börsen am Montag wieder auf Talfahrt.

Der Bundesrat wolle "nur kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gibt", sagte Regierungssprecher Oswald Sigg. Details über die Sitzung gab er deshalb keine bekannt.

Die Erwartungen seitens von Politik, Wirtschaft, Medien und Bevölkerung für eine Stellungnahme der Regierung waren gross. Der Bundesrat war seit dem 2. Oktober wegen der Herbstferien nicht zusammengetreten.

Das bundesrätliche Schweigen wurde von den Parteien unterschiedlich kommentiert. Für die Sozialdemokraten ist es "alarmierend". Die "Trägheit und Untätigkeit könnte verheerende Folgen haben", sagte SP-Sprecher Jean-Yves Gentil.

"Sehr befremdend und wenig beruhigend", lautet das Fazit der Grünen. Die Nicht-Kommunikation sei entgegen der Praxis und öffne "den Weg für Spekulationen. Das ist nicht gesund im aktuellen Kontext", sagte Präsident Ueli Leuenberger.

"Taten statt Worte"

Die Christlichdemokraten (CVP) haben zwar den Eindruck, dass der Bundesrat "das Schiff steuert". "Eine aktivere Kommunikation wäre aber beruhigender", sagte Vizepräsident und Mitglied der Wirtschaftskommission (WAK), Dominique de Buman.

Taten seien entscheidend und nicht, was der Bundesrat darüber kommuniziere, sagte hingegen der Sprecher der Freisinnigen, Christian Weber. Es müsse nicht immer alles an die Öffentlichkeit getragen werden. "Der Bundesrat soll arbeiten und nicht reden."

Die Schweizerische Volkspartei (SVP) sieht keinen Grund, dass sich an der momentanen Situation etwas ändern sollte.

Am Dienstag waren die stellvertretende Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard vor die Wirtschaftkommission des Nationalrats getreten. Auch dort gab es keine Informationen über allfällige Massnahmen zur Finanzmarktkrise.

Vertrauen durch Information

Beat Bernet, Professor am Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen, würde etwas mehr Offenheit seitens der Regierung begrüssen. Zwar gebe es in der Schweiz keine Bank, die in Schwierigkeiten stecke. Aber in der Bevölkerung herrsche eine gewisse Unsicherheit.

"Deshalb wäre es hilfreich, würde der Bundesrat etwas offener kommunizieren, denn Vertrauen bedingt ein gewisses Mass an Information", sagte Bernet gegenüber swissinfo. Ein solcher Schritt sei möglich, ohne dass die Regierung konkrete Massnahmen offenlegen müsste.

"Notenbanken haben ausgeschossen"

Am Mittwoch brach die Schweizer Börse nach den Höhenflügen zu Wochenbeginn wieder ein. Damit lag sie im Trend mit den anderen Börsen. Grund für die Talfahrt sind Rezessionsängste, die aufgrund unerwartet schwacher Konjunkturdaten aus den USA auf Europa und Asien überschwappen. Der SMI der stärksten Unternehmen schloss 5,6% tiefer als am Vortag und unterschritt die Marke von 6000 Punkten.

Dass die Märkte so heftig reagieren, zeigt, dass das Vertrauen der Investoren in die Märkte trotz der verschiedenen Rettungsmassnahmen noch lange nicht wieder hergestellt ist.

Dieser Meinung ist auch Bankenexperte Bernet. "Die Notenbanken haben mit ihren Massnahmen ausgeschossen", sagte er. Sie verfügten über keine weiteren Instrumente. "Offensichtlich fehlt das Vertrauen. Wenn die jängsten Massnahmen nicht helfen, dass die Märkte Boden finden, weiss auch ich nicht mehr weiter", sagte der Finanzmarktexperte.

UBS als Verlierer und Gewinner?

Die Aktien der Grossbank UBS verloren 7,5%, die Titel von Credit Suisse brachen gar um 11,5% ein.

Die UBS erwartet, als einer der Gewinner aus der gegenwärtigen Bankenkrise hervorzugehen. Dies deshalb, weil ihr Geschäftsmodell auf Beratung ausgerichtet sei.

"Bankkunden hätten noch nie dringender Rat gebraucht als heute. Das beweist, dass das UBS-Geschäftsmodell richtig ist", sagte Jürgen Zeltner, Leiter des UBS Wealth Management in Nord-, Mittel- und Osteuropa.

swissinfo, Renat Künzi und Agenturen

Börsen weltweit im Rückwärtsgang

Gewinnmitnahmen stoppten am Mittwoch die Aufholjagd der Börsen von Anfang Woche.

In Deutschland sank der DAX-Index am Nachmittag um 5,6%.

Die Börsen in Paris und London sackten ähnlich ab.

An der New Yorker Wall Street stand der Dow-Jones-Index der wichtigsten Industriewerte um 3,5% im Minus.

Zuvor hatten die meisten Märkte Asiens und Australiens im Minus geschlossen.

Gegen den Trend verbesserte sich Japans Nikkei-Index um 1,06%.

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