Basler Roboter bereitet Essen auf Knopfdruck zu
Eine geschlossene Kantine brachte Robert Hennig auf eine Idee: Ein Roboter soll kochen, wo keine Küche offen ist.
Während seiner Doktorarbeit in Robotik an der EPFL forscht Robert Hennig in einem Labor in Neuenburg. Dann schliesst dort die Kantine: Rund 200 Menschen arbeiten am Standort – zu wenige, damit sich der Betrieb lohnt. Wer Hunger hat, muss fortan auf abgepackte Mahlzeiten aus einem Verkaufsautomaten oder auf aufgewärmtes Mikrowellenessen ausweichen.
Darin liegt der Ursprung für Hennigs Idee: «Ich dachte: Die Robotik, die Forschung und allgemein die Technik sind so weit gekommen. Da muss es auch eine Möglichkeit geben, Essen frisch und lecker in einer tollen Qualität herzustellen.»
Zusammen mit seinem Bruder Marten gründet Hennig das Basler Start-up Maus Robotics. Sie haben das Ziel, Robotik näher an den Alltag der Menschen zu bringen. Den Anfang sollte ein Gerät machen, das vor den Augen der Kundschaft selbstständig eine frische Mahlzeit zubereitet.
Omas Crêpes als Hightech-Test
Pizza, Pasta oder Pfannkuchen – mehrere Gerichte stehen zunächst zur Diskussion. Die Wahl fällt auf Crêpes. Sie sind schnell gemacht und schmecken frisch am besten. Zudem erinnern sich die Brüder gerne an ihre Kindheit zurück, als ihre Grossmutter ihnen jeden Freitag Crêpes auftischte.
Einen Crêpe zuzubereiten, wirkt für Menschen simpel – für den Roboter fängt das Problem aber bereits beim Verteilen des Teigs auf der Platte an. Flüssiger Teig verhält sich jedes Mal etwas anders.
Allein die Art und Weise, wie der Roboter den Teig auf die Platte bringt, haben die Entwickler rund um Robert Hennig fünfmal komplett neu gedacht. Zuerst versuchten sie es mit dem klassischen Crêpe-Rechen, später mit einem Edelstahlspatel.
Heute verteilt der Roboter den Teig kontaktlos mittels Druckluft auf der Platte. In rund 90 Sekunden kann der Roboter nun einen Crêpe zubereiten, füllen, falten und ausgeben.
Tüfteln bis zum Platzen
Die langwierige Entwicklungsarbeit hatte einen schmackhaften Nebeneffekt. «Früher habe ich auch viele Experimente gemacht, aber die konnte man nicht essen. Jetzt kann man die Resultate gerade verspeisen.» An manchen Testtagen bringe das Team deshalb gar kein Mittagessen mehr mit.
Ganz ohne Menschen funktioniert die Maschine allerdings nicht. Das Team bereitet die Teigmischung noch von Hand zu, füllt Zutaten nach und tauscht regelmässig Teile zur Reinigung aus. Der Roboter kann so 24 bis 32 Stunden lang autonom funktionieren.
Hennig sieht den Roboter nicht als Ersatz für Restaurants. Er zielt vielmehr auf Situationen, in denen Menschen Hunger haben, aber keine Küche offen ist – etwa bei einer Nachtschicht oder während einer langen Wartezeit am Flughafen. «Unser Ziel ist, den Leuten in genau jenen Situationen frisches Essen anzubieten, in denen es sonst keines gibt.»
Für Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt, ist diese Entwicklung weder Segen noch Bedrohung. Chancen sieht er dort, wo Personal fehlt, wiederkehrende Arbeiten anfallen oder sich ein klassisches Angebot kaum lohnt. Roboter könnten Kosten senken, Teamlücken schliessen oder längere Angebotszeiten ermöglichen.
Automatisierung ist in der Gastronomie längst Alltag – etwa bei Reservationen, Bestellungen oder beim Bezahlen. Roboter, die tatsächlich physische Arbeiten übernehmen, sind dagegen noch selten.
Ganz ohne Folgen für Arbeitsplätze dürfte die Entwicklung aber nicht bleiben. Wo der Preis wichtiger ist als persönlicher Service, könnten langfristig Pensen oder Stellen wegfallen. In klassischen Restaurants sieht Ebneter jedoch klare Grenzen: «Menschliche Wärme, die kann ein Roboter nicht ersetzen, und in unserer Branche ist das ja doch immer noch sehr wichtig.»
Noch seien die Geräte teuer und ihr Einsatz deshalb eine Nische. Werden sie günstiger und zuverlässiger, erwartet Ebneter mehr gezielte Anwendungen – vor allem dort, wo sie ein Angebot ergänzen oder überhaupt erst möglich machen.
Bislang wurde der Roboter vorwiegend an Events getestet. Noch im Herbst plant Maus Robotics den Roboter in Basel öffentlich verfügbar zu machen. Dann zeigt sich, ob das Konzept auch im Alltag ein Bedürfnis abdecken kann. Ob und welche Gerichte später auf die Crêpes folgen könnten, lässt Hennig offen.
Langfristig sieht Hennig die Maschinen auch an Bahnhöfen oder in Parks. Statt der etablierten Verkaufsautomaten soll so zu jeder Zeit eine kleine Küche auf Knopfdruck zur Verfügung stehen.
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