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Wie die Mythen um die Nosferatu-Spinne der Forschung helfen

Spinne
Das Muster auf dem Cephalothorax erinnert an den Vampir aus dem berühmten Stummfilm. Dieser Ähnlichkeit verdankt die Spinne ihren Namen «Nosferatu-Spinne». Copyright (C) 2024 Gugu Mannschatz / Shutterstock. No Use Without Permission.

Sie erinnert an den gleichnamigen Vampir und erweckt darum immer wieder Aufmerksamkeit: die Nosferatu-Spinne. Die Wissenschaft nutzt das, um das Verhalten des Tiers zu erforschen.

Mit der Ankunft des Herbsts und dem Rückgang der Temperaturen taucht in den Sozialen Medien häufiger der Name der Nosferatu-Spinne auf (Zoropsis spinimanaExterner Link), auch Falsche Tarantel genannt.

Dank ihrer Grösse (der Körper kann ohne die Beine bis zu zwei Zentimeter erreichen) und einem Namen, der düstere Assoziationen weckt, erregt dieses Spinnentier Aufmerksamkeit und weckt eine mit etwas Furcht gemischte Neugier.

Der Name «Nosferatu» bezieht sich auf den berühmten Vampir aus dem Stummfilm von 1922. Auf dem Rücken der Spinne befindet sich eine helle Zeichnung auf dunklem Grund, die an die Silhouette der Filmfigur erinnert. Es handelt sich nur um eine ästhetische Gemeinsamkeit, denn die Spinne ernährt sich nicht von Blut.

Die Präsenz in der Schweiz

In der Schweiz ist diese aus dem Mittelmeerraum stammende Art seit über dreissig Jahren präsent. Die erste offizielle Sichtung gab es 1993 in der Region Basel. Seither hat sich die Spinne entlang der Hauptverkehrswege in andere Regionen der Schweiz ausgebreitet, wobei sie städtische Gebiete und das Innere von Wohnungen bevorzugt.

Seitdem hat sich die Nosferatu-Spinne entlang unserer Hauptverkehrswege ausgebreitet und dank der globalen Erwärmung ein günstiges Klima vorgefunden. So hat sie sich erfolgreich in verschiedenen Regionen der Schweiz etabliert, wobei sie städtische Gebiete und das Innere von Wohnhäusern bevorzugt.

Punktierte Karte
Verbreitung von Zoropsis spinimana in der Schweiz (2026) Info Fauna

Ist der Biss der Nosferatu-Spinne gefährlich?

Es ist genau diese Nähe, die bisweilen Besorgnis erregt. Die Falsche Tarantel gehört zu den wenigen Arten der Schweizer Fauna, die den Menschen beissen können, wenn sie sich bedroht fühlen oder versehentlich zerdrückt werden.

Obwohl der Biss schmerzhaft sein kann, ist ihr Gift für den Menschen nicht gefährlich und wirkt nur lokal, vergleichbar mit einem Bienen- oder Wespenstich.

Für die Wissenschaft bietet die erhöhte Aufmerksamkeit für die Falsche Tarantel eine Chance: Sie kann die Bevölkerung aktiv in die wissenschaftliche Forschung einbinden, durch die sogenannte Citizen Science.

Wie soziale Medien und die Presse die Forschung unterstützen

Um zu verstehen, wie sich die Zoropsis spinimana ausbreitet, haben Forschende an der Universität Münster in Deutschland das Verhältnis zwischen den Menschen und der Natur untersucht.

Einerseits analysierten sie über 3000 georeferenzierte Meldungen, die zwischen 2008 und 2023 über Citizen-Science-Plattformen wie iNaturalist und Observation.org sowie die Datenbanken der Deutschen Arachnologischen Gesellschaft gesammelt wurden.

Andererseits erhoben sie Daten zur Medienaufmerksamkeit. Als Indikatoren dienten ihnen die Anzahl der Nachrichten auf Google News, die Videos auf Google Videos und das Suchvolumen auf Google Trends.

Die Resultate wurden 2025 in der Zeitschrift «Basic and Applied EcologyExterner Link» veröffentlicht. Darin zeigt sich: Die Verbreitung von viralen Videos (besonders auf Tiktok) und Artikeln über die Nosferatu-Spinne erzeugt eine unmittelbare Online-Neugier, die sich etwa einen Monat später in einen Höhepunkt an Meldungen auf den verschiedenen Citizen-Science-Plattformen übersetzt.

Diese enorme Datenmenge hat es den Forschenden ermöglicht, die Route der Spinne in Deutschland in Echtzeit zu kartieren. Sie verläuft von Südwesten nach Nordosten, entlang der Autobahnen und Wasserwege.

Anhand der Analyse von 1345 Fotografien konnten sie ausserdem bestätigen, dass die Spinne in Mitteleuropa regelmässig in vom Menschen veränderten Umgebungen lebt: 68,5 Prozent der Sichtungen erfolgten im Innern von Häusern, mit einem Höhepunkt maximaler Sichtbarkeit zwischen August und Oktober.

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Die Überwachung in der Schweiz: Die Rolle von Info Fauna

Auch in der Schweiz nehmen die Beobachtungen von Zoropsis spinimana in der zweiten Jahreshälfte zu, wie Serena Pedraita bestätigt. Sie ist Leiterin der Koordinationsstelle für Wirbellose bei Info FaunaExterner Link, dem nationalen Daten- und Informationszentrum für die Schweizer Fauna.

«Jedes Jahr steigt die Anzahl der an Info Fauna gemeldeten Beobachtungen zwischen September und November», berichtet sie. Das hänge mit dem Temperaturabfall im Freien zusammen, dem Rückzug der Spinne ins Innere von Häusern und der dadurch ausgelösten medialen Aufmerksamkeit.

«Obwohl sie aus der Mittelmeerregion stammt, wird Zoropsis spinimana nicht als invasive Art betrachtet, weil sie keine grössere Auswirkung auf die lokale Fauna und auch nicht auf die Gesellschaft hat», fügt Pedraita hinzu. «Es ist dennoch wichtig, die eigenen Beobachtungen zu melden, um ihre Verbreitung zu überwachen.»

Sichtungen der Nosferatu-Spinne können direkt an «Info Fauna» gemeldet werden, wie unter diesem LinkExterner Link beschrieben, oder direkt über die Webfauna-AppExterner Link.

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