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Einchecken ins Museum: Eine Ausstellung zum Reiseziel Schweiz

Seeblick
Blick vom Monte Bré auf den Luganersee, um 1965. Paul Swiridoff - Museo nazionale svizzero

Ob Zwischenhalt, Sehnsuchtsort, Ferienklassiker oder Selfie-Hotspot: Das «Forum Schweizer Geschichte» in Schwyz erzählt die Geschichte des Tourismus in der Schweiz und lädt zum Mitmachen ein – und zum Nachdenken.

Der Eingang zur Ausstellung gleicht einer Hotelrezeption. Die Besucherin oder der Besucher checkt ein und erhält einen Brustbeutel, gefüllt mit fünf Batzen «Ferienbudget». Den ersten kann man, wenn man will, gleich wieder ausgeben: Dafür darf man sich auf einen Sessellift setzen, der einen virtuell auf einen Berggipfel trägt.

Oben angekommen, erklingt eine Stimme: «Oh, wie schön. Sie haben es geschafft. Der erste Ferienbatzen ist verpulvert. Ich sage es Ihnen aber gleich. Die Schweiz ist teuer.»

Doch auf welche Bergkette blickt man vom Sessellift aus? Es sind keine echten Berge; es handelt sich um ein Kunstwerk.

Lange vor KI-Zeiten hat das Künstlerduo Studer / van den BergExterner Link künstliche Welten geschaffen, die irritieren. Ihre computergenerierten Bilder wirken vertraut und fremd zugleich. Ein passendes Sinnbild als Einstieg in eine Ausstellung, die die Errungenschaften des Tourismus ebenso feiert wie hinterfragt.

Anna Wälli, eine der beiden Kuratorinnen der Ausstellung, sagt: «Das Ziel dieser Ausstellung ist es, durch diese Check-in-Situation zu zeigen: Die meisten von uns sind Touristinnen und Touristen.»

Seilbahn
Die Besucher:innen werden im Eingang von einer Zweisitzer-Sesselbahn aus Sattel-Hochstuckli empfangen. Die Sesselbahn war von 1950 bis 2005 in Betrieb. Mara Truog – Museo Nazionale Svizzero

Luxushotels und Camping im Tessin

Die Diskussion dreht sich um die Frage: Was nehmen wir in Kauf für das wirtschaftliche Erfolgsmodell Tourismus? Denn Tourismus stützt zwar den Wohlstand der Schweiz, hat aber seinen Preis. Diese Ambivalenz liege dem Tourismus natürlich bei, meint Wälli. «Das können wir nicht schönreden. Dieser Aspekt hat uns von Anfang an interessiert.»

So führt die Ausstellung anhand von 23 Stationen quer durch die Schweizer Tourismusgeschichte. Ausgelöst wird diese im 19. Jahrhundert durch reiche, abenteuerlustige Engländerinnen und Engländer. Sie führt zu den ersten Luxushotels in den Bergen, wird ausgebremst durch zwei Weltkriege. Sie erfindet sich neu und etabliert die Schweiz der 1960er- und 70er-Jahre als eine Nation von Skifahrerinnen und Skifahrern – und nicht zuletzt auch von Campern im Tessin.

Postkarte mit der Abbildung von Touristen auf dem Rigi-Kulm und Blick auf die Berner Alpen, Verlag Photoglob, um 1910
Postkarte mit der Abbildung von Tourist:innen auf der Rigi-Kulm und Blick auf die Berner Alpen, Verlag Photoglob, um 1910 Museo Nazionale Svizzero

Später wird die Schweiz wieder mehr und mehr international. Heute gehört unser Land nicht zuletzt dank Social Media zu den touristischen Hotspots dieser Welt.

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Und die Tourismusbranche steht im Spannungsfeld zwischen Erfolg und Verantwortung: Globale Krisen und Digitalisierung verändern das Reisen. «Was wir leisten können als kulturhistorisches Museum, ist, die Entwicklung aufzuzeigen. Und uns die Frage zu stellen: Was könnte in Zukunft passieren?», so Anna Wälli.

Auto mit Menschen drum herum
Alles ist bereit für die Ferien; wahrscheinlich in Zug im Jahr 1962. Biblioteca del Politecnico federale di Zurigo, Archivio fotografico / Com_L11-0212-0003

Overtourism und Klimawandel

Diese Fragen zeigen: Die Ausstellung ist keine harmlos-schöne Schau zum Tourismusland Schweiz. So blicken in einer Videoinstallation zum Beispiel vier Tourismusfachleute in eben diese Zukunft und äussern sich nicht zuletzt auch kritisch zum vorherrschenden Geschäftsmodell.

Die brennenden Themen liegen auf der Hand und werden publikumsnah aufgegriffen. Dazu gehören nicht zuletzt mancherorts kalte Betten, Übertourismus, Klimawandel.

Für Anna Wälli wirft das nicht nur Fragen für die Branche auf, sondern auch für die Reisenden selbst. «Das ist das, was wir mit der Ausstellung aussagen möchten. Man wird sich in Zukunft diese Fragen immer mehr stellen: Wie möchte ich reisen, wohin möchte ich reisen?»

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