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«Abstimmen ist für mich eine Art, der Schweiz etwas zurückzugeben»

Zarina Garcia-Camou: Abstimmungsinformationen für die Schweizer in Zentralamerika.
Zarina Garcia-Camou: Abstimmungsinformationen für die Schweizer in Mexiko. Illustration: Kai Reusser, Swissinfo

Zarina Garcia-Camou lebt in Mexiko. Sie kann nicht an jeder Abstimmung in der Schweiz teilnehmen, fand aber einen Weg, ihrer Faszination für die Schweiz zu folgen.

«Ich lebe in Guadalajara, der zweitgrössten Stadt Mexikos. Ich bin Auslandschweizerin der dritten Generation. Meine Grossmutter kam nach Mexiko. In meiner Generation war ich die Erste, die den Einbürgerungsprozess durchlaufen hat. Ich bin sehr glücklich darüber.

Es gibt immer etwas an der Schweiz, das mich anzieht. Leute fragen mich: ‚Was denn, woher kommt diese Faszination?‘ Ich habe sie seit meinem 18. Lebensjahr. Etwas an diesem Land fasziniert mich einfach.

Ich kann die Schweiz besser kennenlernen

Meine Hauptmotivation beim Abstimmen ist, dass ich so die Schweiz besser kennenlerne. Zu den Abstimmungen habe ich mir persönlich vorgenommen, dass ich mich kundig mache und die Themen recherchiere, denn mit einer einfachen kurzen Zusammenfassung kann ich mich nicht zufriedengeben. Ich versuche, mich aus verschiedenen Perspektiven zu informieren und dann meinen eigenen Standpunkt zu entwickeln.

Als Delegierte des Auslandschweizerrats und aus persönlicher Motivation heraus sehe ich es als meine Aufgabe, meine Schweizer Landsleute in Mexiko daran zu erinnern, wenn Abstimmungen oder Wahlen bevorstehen.

Mitmachen, auch wenn nicht alles möglich ist

So habe ich gerade erst die Informationen zur Abstimmung über die Neutralitätsinitiative mit den in Mexiko lebenden Schweizerinnen und Schweizern geteilt, damit sie daran teilnehmen können. Ich denke, jede einzelne Stimme zählt. Und wenn sie am Ende nicht mitmachen, so sollten sie doch zumindest die Informationen dazu erhalten.

Ich bin wirklich beeindruckt von all den Plattformen, die es gibt, damit sich die Schweizer Community, die im Ausland lebt, treffen und austauschen kann. Ich nutze vor allem LinkedIn, was für mich eine neue Erfahrung ist.

Ich bin in der Immobilienbranche tätig und habe das Netzwerk bis vor kurzem vor allem beruflich genutzt. Nun finde ich dort auch alle Mitglieder des Auslandschweizerrats und Schweizer Politiker. Ich bin auch auf eine Schweizer Gruppe gestossen, die auf Spanisch kommuniziert. Es gibt also sehr direkte und gezielte Kommunikationskanäle.

Dennoch fehlen noch viele Informationen für die Schweizer Gemeinschaft in Mexiko. Deshalb bin ich einige Male von Guadalajara nach Mexiko-Stadt gereist, um die Schweizer Gemeinschaften dort kennenzulernen. Ich bin einer von zwei Vertretern meiner Region im Auslandschweizerrat. Darum versuche ich, das Wissen, das ich durch diese Tätigkeit erhalte, weiterzugeben.

Beim Vernetzen und Informieren in Mexiko gibt es noch einiges zu tun. Die Schweiz bietet Bildungsmöglichkeiten und Stipendien. Das ist nicht allen bekannt. Ich selbst wusste vor kurzem auch nichts davon.

E-Voting ist wohl eine Frage der Zeit

Ich informierte meine Landsleute auch über die Sommerlager für junge Auslandschweizer, von denen viele in Mexiko nichts wussten. Oft ist die Reaktion: ‚Das wussten wir gar nicht.‘

Viele der Fragen, die ich aus der Schweizer Community erhalte, betreffen die Renten. Da muss ich mich allerdings noch tiefer einarbeiten.

Ich bin im Kanton Zürich registriert, wo E-Voting noch nicht möglich ist. Es gibt jedoch Hoffnung, da man in der Schweiz die Perspektiven sieht, die sich daraus ergeben. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir elektronisch abstimmen können.

Bis dahin gilt es, sich zu informieren, die Unterlagen abzuwarten und diese zurückzusenden, sofern sie rechtzeitig eintreffen. Wenn das nicht klappt, gibt es viele andere Möglichkeiten, wie wir vom Ausland aus etwas für die Schweiz beitragen können.

Für die kommenden Generationen

Gerne würde ich meinen Landsleuten im Ausland sagen: Engagiert euch, informiert euch und nehmt an Wahlen und Abstimmungen teil. Wir sollten uns zu unserem Land und den Möglichkeiten, die es uns bietet, bekennen. Für mich ist Abstimmen auch eine Art, etwas zurückzugeben – besonders für die kommenden Generationen, die diese Leidenschaft für die Schweiz und diese Verbundenheit mit dem Land haben.

Ich selbst habe eine zehnjährige Tochter und habe sie letztes Jahr erstmals in die Schweiz mitgebracht. Sie ist ebenfalls sehr fasziniert, fast noch mehr als ich.»

Aufgezeichnet von Balz Rigendinger

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