Ist der Schweizer Billy Meier der Fotograf der berühmtesten UFO-Fotos?
Seine Fotografien, die als Vorlage für eines der berühmtesten Plakate der Serie «Akte X» dienten, werden diesen Sommer an den Rencontres d'Arles ausgestellt und sorgen nach wie vor für ebenso viel Faszination wie Kontroversen. Fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung nehmen die Aufnahmen von Billy Meier einen besonderen Platz in der Geschichte der Ufologie ein.
Der heute fast 90-Jährige Zürcher behauptet seit den 1970er Jahren, mit Ausserirdischen in Kontakt zu stehen, die er «Pleiadier» nennt. Zwischen 1975 und 1980 habe er fast 600 Fotos von deren Raumschiffen über der Zürcher Landschaft gemacht. Diese Bilder werden von der Mehrheit der Fachleute weitgehend als Fälschungen angesehen, zählen jedoch zu den berühmtesten in der Geschichte der UFOs.
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Der Fürst und das UFO, das Richtung Schweiz verschwand
Seine vor über fünfzig Jahren gegründete Bewegung, die FIGU (Freie Interessengemeinschaft für Grenz- und Geisteswissenschaften und Ufologiestudien), besteht bis heute.
Laut Billy Meier sollen die Ausserirdischen, mit denen er angeblich in Kontakt steht, sogar Zürcher Dialekt sprechen.
Von den Zürcher Wiesen zu den Rencontres d’Arles
In der Ausstellung «Nous ne sommes pas seuls», die an den Rencontres de la photographie d’Arles gezeigt wird, ordnet der Fotografiehistoriker Philippe Baudouin Billy Meier in die umfassende Geschichte der UFO-Bildsprache ein.
Ihm zufolge hat eines der 1975 von Billy Meier aufgenommenen Fotos die Populärkultur nachhaltig geprägt. Zwanzig Jahre später diente es als Inspiration für das berühmte Plakat «I Want to Believe», das in den ersten Staffeln von «Akte X» im Büro von Agent Fox Mulder hing. Die Produktion der Serie soll es ohne Genehmigung verwendet haben, bevor das Plakat infolge eines Urheberrechtsstreits geändert wurde.
Für Philippe Baudouin geht die Bedeutung dieser Bilder über die blosse Frage ihrer Echtheit hinaus. Auch wenn die meisten Expert:innen der Ansicht sind, dass sie mit Hilfe von an Fäden aufgehängten Modellen entstanden sind, haben sie die Vorstellung von fliegenden Untertassen tief geprägt. Der Historiker hebt zudem ihre plastische Qualität hervor und verweist auf Kompositionen, in denen die metallenen Scheiben über den Schweizer Wiesen auftauchen – mit einer Ästhetik, die seiner Meinung nach an bestimmte Gemälde der Renaissance erinnert.
Ein tief im Kanton Zürich verwurzeltes Phänomen
Die gesamte Geschichte von Billy Meier ist mit dem Kanton Zürich verbunden. Seine berühmtesten Aufnahmen sollen in Bülach, in der Nähe des Flughafens entstanden sein. Doch weiter östlich im Kanton, im Töss-Tal, in Schmidrüti, gründete er Mitte der 1970er-Jahre die FIGU.
In diesem Dorf mit rund hundert Einwohner:innen befindet sich noch immer das Semjase Silver Star Center, das in einem ehemaligen Bauernhof untergebracht ist. Es ist der Sitz der Bewegung, die ihre Aktivitäten auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrer Gründung fortsetzt. Mehrere Mitglieder der Gemeinschaft leben dort, und dort werden auch die Schriften von Billy Meier veröffentlicht.
Die Region ist übrigens nicht ohne Bedeutung. Im Jahr 2018 widmete die Neue Zürcher Zeitung dem Töss-Tal eine Artikelserie und bezeichnete es aufgrund der hohen Konzentration an religiösen oder spirituellen Bewegungen, die dort entstanden sind, als «biblischen Gürtel» des Kantons Zürich.
Eine Geschichte, die vor allem in der Deutschschweiz erzählt wird
In der Westschweiz ist Billy Meier in den Medienarchiven fast nicht vertreten. Der RTS widmete ihm nur sehr wenige Reportagen, und sein Name taucht in der französischsprachigen Presse selten auf. In der Deutschschweiz hingegen weckt die Figur seit mehreren Jahrzehnten das Interesse. Der SRF interessierte sich schon sehr früh für ihn und strahlte insbesondere 1994 einen Bericht in «Schweiz Aktuell» aus.
Wie üblich weigerte sich Billy Meier, den Journalisten Fragen zu beantworten. An seiner Stelle äusserte sich Guido Moosbrugger, ehemaliger Zürcher Primarschulleiter und Mitglied der FIGU. Er behauptet, mehreren nächtlichen Vorführungen beigewohnt, Landespuren beobachtet, die Erlaubnis erhalten zu haben, bestimmte Phänomene zu fotografieren, und «mehrere weitere Erlebnisse» gehabt zu haben.
Die Medien wollen mehr
Die Geschichte von Billy Meier reicht weit über die Grenzen der Schweiz hinaus. Seine Fotografien waren Gegenstand von Büchern, Dokumentarfilmen und zahlreichen Untersuchungen auf der ganzen Welt, was ihn zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Ufologie macht.
Auch in der Schweiz weckt seine Bewegung regelmässig das Interesse der Medien. 1997 widmete ihm Das Magazin anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der modernen UFO-Geschichte eine Sonderausgabe.
Im Jahr 2014 reiste die WOZ im Zusammenhang mitder Ecopop-InitiativeExterner Link zur Begrenzung des Bevölkerungswachstums nach Schmidrüti, um sich mit Mitgliedern der FIGU zu treffen. Der Kampf gegen die Überbevölkerung ist nämlich eines der Hauptthemen, für die sich die Bewegung einsetzt. Billy Meier stellt diese Idee als eine von den Ausserirdischen übermittelte Warnung dar.
Zwei Jahre später ziehen die Informationsstände der FIGU in Winterthur erneut die Aufmerksamkeit der Presse auf sich. Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten widmen der Bewegung mehrere Artikel.
Verdacht auf sektenähnliche Züge
Der vom Tages-Anzeiger befragte Experte für religiöse Bewegungen, Georg Schmid, ist der Ansicht, dass die FIGU mehrere Merkmale einer sektenähnlichen Gruppe aufweise. Er verweist insbesondere auf die zentrale Rolle von Billy Meier, der als alleiniger Hüter der Wahrheit gilt, sowie auf die missionarische Tätigkeit der Bewegung durch ihre Informationsstände. Die FIGU weist diese Vorwürfe, die sie als diffamierend bezeichnet, kategorisch zurück.
Der Kurator der Ausstellung «Rencontres d’Arles», Philippe Baudouin, vertritt seinerseits eine differenziertere Sichtweise. Seiner Ansicht nach handelt es sich bei der Gemeinschaft, die in Schmidrüti einige Dutzend Mitglieder und weltweit etwa 400 Sympathisanten zählen soll, eher um eine spirituelle Bewegung als um eine Organisation mit nachgewiesenen sektiererischen Tendenzen. Seines Wissens gibt es derzeit keine Anhaltspunkte, die auf die Missbräuche hindeuten, die üblicherweise mit sektiererischen Gruppen in Verbindung gebracht werden.
Fotografien, die zu Ikonen geworden sind
Trotz der zahlreichen Kontroversen um ihre Echtheit wecken die Bilder von Billy Meier weiterhin grosses Interesse: So wurden 2019 mehrere Serien seiner Fotografien bei Sotheby’sExterner Link versteigert. Das Auktionshaus präsentierte sie damals als Teil der berühmtesten UFO-Aufnahmen der Welt.
Fast fünfzig Jahre nach ihrem Erscheinen bewegen sich die Fotografien von Billy Meier nach wie vor an der Schnittstelle zwischen Glauben, Populärkultur und Fotogeschichte. Ihr Einfluss auf das kollektive Bewusstsein ist unbestreitbar. Durch die Ausstellung an den Rencontres d’Arles erlangen sie heute neue Sichtbarkeit, weit über die Zürcher Landschaft hinaus, in der ihr Urheber angibt, sie aufgenommen zu haben.
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