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Schmelzende Gletscher: Die Schweiz muss sich anpassen

Mann vor einer felsigen Landschaft
Foto des verschwundenen Gletschers von Bella Tola (Wallis). RTS

Bis zu dreissig Gletscher werden diesen Sommer in der Schweiz verschwunden sein, wie Schätzungen des Schweizerischen Gletschermessnetzes Glamos zeigen. Während die Schmelze in extrem hohem Tempo fortschreitet, müssen Forschende, Einheimische sowie Tourismusfachleute dieser radikalen Veränderung der alpinen Landschaft hilflos zusehen.

Das wahrscheinliche Verschwinden des Bella-Tola-Gletschers oberhalb von Saint-Luc im Wallis sorgte diesen Sommer für grosses mediales Aufsehen. Ein Foto, das ein Leser der Zeitung Le Nouvelliste eingesandt hatte, schien das endgültige Aus für diesen kleinen Gletscher zwischen dem Val d’Anniviers und dem Turtmanntal anzukündigen.

RTS ging der Sache vor Ort gemeinsam mit dem Bergführer und Glaziologen Jérémie Gentizon nach. Vor Ort ist nur noch eine graue Landschaft übrig. Jérémie Gentizon fällt es schwer, angesichts dieses Befunds seine Ergriffenheit zu verbergen: «Ich hatte wirklich erwartet, etwas zu sehen, das an Weiss oder Blau erinnert. Hier ist aber nur noch Gestein, man sieht kein Eis mehr», sagt er. Für ihn bedeutet das «den Tod dieses Gletschers» – verbunden mit «einer philosophischen Dimension, die mit der Unumkehrbarkeit zu tun hat».

Schauen Sie dazu den Beitrag von RTS (auf Französisch):

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Herzschmerz für die Einheimischen

In Saint-Luc blickt Gaëtan Salamin jeden Morgen von seinem Haus aus in den Talboden. Das Verschwinden des Gletschers berührt ihn tief. Der Bella-Tola-Gletscher war eines der Wahrzeichen des Dorfes. «Wenn man sieht, wie das Eis so verschwindet, in einem derartigen Tempo, tut das im Herzen weh», sagt er im Keller der Bourgeoisie, wo der legendäre Gletscherwein angeboten wird.

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Weiter oben im Tal, oberhalb von Grimentz, hält der Moiry-Gletscher noch stand. Doch sein Rückzug beschleunigt sich. Philippe Genoud, der hier seit seinem neunten Lebensjahr Kühe weiden lässt, erlebt das Ausmass des Wandels hautnah mit. «1969 reichte die Gletscherzunge noch bis in den kleinen Stausee. Jetzt ist es ein Jammer, es ist eine Katastrophe», sagt er.

Auch der Rhonegletscher ist gefährdet

An der Furkastrasse zieht der Rhonegletscher weiterhin Besuchende aus aller Welt an. Die berühmte Eisgrotte ist jedoch nur noch ein Block aus schmelzendem Eis, mit Planen abgedeckt und vom eigentlichen Gletscher isoliert. Das Gelände gehört einem privaten Betreiber, der neun Franken Eintritt verlangt. Der Walliser Staatsrat ordnete die Schliessung der Grotte an, doch der Standort hat vorerst eine Gnadenfrist erhalten.

Gletscher und kleiner See
Der Rhonegletscher. RTS

Thierry Raboud, Schriftsteller und Journalist, widmete dieser Grotte, die er in den 1990er-Jahren besucht hatte, ein Buch sowie eine Ausstellung. «Als ich klein war, befanden sich 20 Meter Eis über dem Kopf. Sie war 100 Meter lang», sagt er. Heute ist fast nichts mehr davon übrig. «Man befindet sich nicht auf einem Gletscher, man steht an einem Tatort», sagt er bitter. «Wir müssen lernen, uns eine Schweiz ohne Gletscher vorzustellen.»

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Neues Leben nach dem Eis

In Trient besiedelt die Natur die vom Eis freigelegten Flächen rasch. Der Regionale Naturpark Trient-Tal will diese neue Biodiversität sichtbar machen. Laut Adrien Favre, Biologe und Co-Direktor des Parks, ist es «ziemlich verrückt, man kann überrascht sein über das Tempo, mit dem die Arten zurückkehren». Die Frage des Schutzes dieser postglazialen Zonen stellt sich rasch.

Forschende machten dort eine aussergewöhnliche Entdeckung: drei neue Arten von Springschwänzen, winzige Organismen, die im Boden leben. Der Naturpark lädt die Bevölkerung ein, die Namen dieser neuen Arten auszuwählen. «Ich hoffe, dass sie das ein wenig tröstet, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob man sich über den Verlust eines Gletschers hinwegtrösten kann», sagt Favre.

Die Bewohner:innen von Trient werden am 26. Oktober zusammenkommen, um über die Namensgebung für diese Arten zu entscheiden. Eine Möglichkeit, die Zukunft mitzuschreiben – in einem Land, das akzeptieren muss, dass Eis und Schnee nicht mehr ewig bestehen bleiben.

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