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Schwarzeis in der Schweiz – zwischen Faszination und Gefahr

Gefrorener See
Eisläuferinnen und Eisläufer auf dem See von St. Moritz. RTR

Aufgrund des geringen Schneefalls und der niedrigen Temperaturen kann man auf manchen Schweizer Seen das Phänomen Schwarzeis geniessen. Jedes Jahr kommt es aber dabei zu Unfällen. Im Oberengadin im Kanton Graubünden lehnen die Gemeinden jede Verantwortung in dieser Angelegenheit ab.

Gefrorener See
Schwarzeis auf dem Silsersee im Oberengadin. Schwarzeis kann sehr unterschiedliche Formen und Strukturen aufweisen. MétéoSuisse – Pascal Karrer

Im Laufe des Winters beginnen die kleinen Bergseen zu gefrieren, in der Regel gefolgt von den grösseren Seen. Wenn während der Eisbildung keine Niederschläge fallen, bildet sich Schwarzeis, das manchmal spiegelglatt ist (siehe Kasten).

Im Oberengadin, einer Region, in der dieses Phänomen häufig auftritt, begeben sich diejenigen, die sich mit Schlittschuhen oder für andere Abenteuer auf das Eis wagen, auf eigene Gefahr dorthin. Jedes Jahr kommt es zu Unfällen: Menschen brechen durch die Eisschicht ins kalte Wasser, manche sterben durch Ertrinken oder Unterkühlung.

Auch in diesem Jahr sind zwei Personen in den See von St. Moritz gefallen. Glücklicherweise konnten sie gerettet werden. Zu Beginn dieses Winters waren die Bedingungen für die Bildung von Schwarzeis auf bestimmten Seen optimal: niedrige Temperaturen und kein Schnee während der Frostperiode. Und dieses Eis hat sehr viele Sportler angezogen.

MeteoSchweizExterner Link erklärt, dass ein See zunächst an der Oberfläche gefriert. Dies liegt an einer besonderen Eigenschaft des Wassers: Im Gegensatz zu anderen Flüssigkeiten erreicht Wasser seine maximale Dichte bei +4 °C und nicht bei Erreichen seines Gefrierpunkts.

Bevor das Wasser zu gefrieren beginnt, kühlt sich also zunächst das gesamte Volumen des Sees auf +4 °C ab. Anschliessend kühlt sich das Wasser nahe der Oberfläche weiter ab, sinkt jedoch aufgrund seiner geringeren Dichte nicht mehr zum Grund des Sees hinab – Wasser in Form von Eis «schwimmt» übrigens auf flüssigem Wasser, da es in fester Form eine geringere Dichte hat als in flüssiger Form.

Während das Wasser am Grund des Sees bei +4 °C bleibt, nähert sich die Temperatur an der Oberfläche schnell dem Gefrierpunkt. Wenn sie unter 0 °C fällt, beginnt das Wasser zu gefrieren.

Wenn es an den Frosttagen nicht regnet oder schneit, bildet sich Schwarzeis. Je ruhiger die Oberfläche des Sees ist (weniger Wind und Strömung), desto glatter, gleichmässiger und transparenter ist die Eisoberfläche.

gefrorener See
Schwarzeis im Dezember 2016 auf dem Lago Bianco (Berninapass). MétéoSuisse – Yves Karrer

Eigenverantwortung

Seit 25 Jahren gibt es im Oberengadin eine Seekommission. Sie berät die fünf Gemeinden Celerina, St. Moritz, Silvaplana, Sils und Maloja in Fragen der Sicherheit auf den Seen. Laut ihrem Präsidenten Cristiano Luminati hatte die Kommission nicht immer leichtes Spiel, bestimmte Gemeinden davon zu überzeugen, Pisten oder Wege auf den zugefrorenen Seen zu öffnen oder zu schliessen. Heute ist das viel einfacher.

«Seen mit Schwarzeis werden von den Gemeinden nie offiziell geöffnet. Der Zugang ist aber auch nie verboten. Jeder begibt sich auf eigenes Risiko und auf eigene Verantwortung auf das Eis», erklärt Cristiano Luminati.

Risse im Eis
Spannungsrisse und Brüche: Sie entstehen durch die Ausdehnung und Kontraktion der Eisschicht aufgrund von Temperaturschwankungen. MétéoSuisse – Andreas Hostettler

Vergleichbare Situation beim Skitourengehen

Die Situation ist vergleichbar mit Skitouren. Auf markierten Pisten ist das Skigebiet für die Sicherheit verantwortlich, abseits der Piste ist der Skifahrer oder die Skifahrerin selbst verantwortlich. Wenn eine Gemeinde eine Piste oder ein Gelände für Eishockey vorbereitet oder eine Veranstaltung wie White Turf in St. Moritz organisiert, übernimmt die Gemeinde die Verantwortung für das Eis; ausserhalb der Markierungen ist jeder für seine eigene Sicherheit verantwortlich.

Laut Luminati ist dies auch der rechtlich sicherste Weg für die Gemeinden. Wenn eine Gemeinde das Eislaufen erlaubt und es zu einem tödlichen Unfall kommt, könnte es sein, dass die Gemeinde die Verantwortung übernehmen und die Konsequenzen tragen muss.

Blasen im Eis
Luftblasen unter dem Schwarzeis. MétéoSuisse – Marlis Karrer

Sehen Sie sich den Beitrag in den rätoromanischen Fernsehnachrichten von RTR an:

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