The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

ECONOMICS/Eurozone: Kreditvergabe schwach – Experten uneinig über Geldmenge

FRANKFURT (awp international) – Die Kreditvergabe im Euroraum ist auch im Oktober schwach geblieben. Nach Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag ist sie den zweiten Monat in Folge rückläufig gewesen. Obwohl dies laut Experten nicht nur auf ein schwaches Angebot an Krediten zurückzuführen ist, sehen sie auch die Gefahr eines anhaltend schwachen Kreditangebots. Uneinigkeit herrscht unter Analysten unterdessen bei der Interpretation des zusehendes schwächeren Geldmengenwachstums.
Commerzbank-Experte Michael Schubert relativiert zwar die schwache Kreditvergabe, da sie der Konjunkturentwicklung regelmässig hinterherlaufe. Zudem nennt Schubert Gründe auf der Nachfrageseite, die das sinkende Kreditvolumen mit erklären können. Allerdings zeigten die neuen Daten auch, dass Befürchtungen einer anhaltend schwachen Kreditdynamik nicht gänzlich unbegründet seien. Nicht zuletzt weiterer Abschreibungsbedarf im Bankensektor könnte hierzu beitragen.
Nachdem die Kreditvergabe im Euroraum bereits im September um 0,3 Prozent zum Vorjahr gesunken war, beschleunigte sich der Abwärtstrend im Oktober auf minus 0,8 Prozent. Das ebenfalls stark beachtete Geldmengenwachstum schwächte sich spürbar ab: Die Geldmenge M3 wuchs auf Jahressicht nur noch leicht um 0,3 Prozent, nach plus 1,8 Prozent im Vormonat. Im aussagekräftigeren Dreimonatszeitraum (August bis Oktober) wuchs die Geldmenge um 1,6 Prozent, nach plus 2,5 Prozent in der Vorperiode.
Viele Ökonomen erklären das rückläufige Geldmengenwachstum mit Basiseffekten: So war das wichtige Geldmengenaggregat M3 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor gut einem Jahr wegen der hohen Unsicherheit regelrecht aufgebläht worden. Mit dem Abflauen der Spannungen seit Frühjahr 2009 fallen diese Effekte nun weg, wie neben der Commerzbank auch die Postbank erklärt.
Die UniCredit sieht dies jedoch etwas anders: Das schwache Geldmengenwachstum deutet aus ihrer Sicht bereits jetzt eine konjunkturelle Verlangsamung im laufe des nächsten Jahres an. Die Grossbank bezieht sich dabei auf das enge Geldmengenaggregat M1, das als wichtiger Frühindikator gilt. «Die jüngsten Geldmengendaten geben einen Hinweis darauf, was im Frühjahr oder Sommer 2010 geschehen wird», heisst es in einer Studie. Zwar sei ein Rückfall in die Rezession nicht zu erwarten, die Konjunktur werde sich aber spürbar abschwächen.
/bf/jha/

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft