Das Münster in ganzer Pracht
Ein halbes Jahrhundert lang war das Münster in Bern von Gerüsten umgeben.
Nach den umfangreichen Restaurationsarbeiten ist der «Eiffelturm von Bern» nun wieder ganz zu bestaunen.
Mindestens einmal den Münsterturm zu besteigen, gehört sich nicht nur für Berns Touristinnen und Touristen, sondern auch für Einheimische.
254 Treppenstufen steigt man hinauf bis zur ersten Galerie. Dort befindet sich die Wohnung des Turmwart-Paares. Weitere 90 Stufen führen auf die obere Galerie, von wo man über die Stadt und (bei gutem Wetter) bis zu den Alpen blicken kann.
Münsterturm: Der Berner Stolz
«Es ist das Symbol der Stadt, diese Silhouette der Kathedrale, die weitum zu sehen ist. Es ist der Stolz der Berner.» Arthur Liener, Präsident der Berner Münster-Stiftung ist glücklich, dass die Hülle endlich weg ist.
Nun erst erstrahlt das Münster, das seit 1990 zusammen mit der ganzen Berner Altstadt als UNESCO-Weltkulturerbe gilt, in seinem Glanz.
Ein Prunkstück gotischer Kunst
Die Grundsteinlegung des Münsters war im Jahr 1421. «Damals zählte Bern bloss 5000 Einwohner – heute wäre es nicht vorstellbar, einen solchen Bau in Angriff zu nehmen», vergleicht Liener.
Mehrere Baumeister waren am Projekt bis zur Fertigstellung 1588 beteiligt. Das Münster ist eine der grössten Kirchen des Mittelalters und ein wichtiger gotischer Bau Europas.
Berühmt sind auch die kunstvollen Glasscheiben aus dem 17., 18. und 20. Jahrhundert. Mit der Vollendung des 100 Meter hohen Sandstein-Turms erhielt das Münster erst 1893 sein heutiges Antlitz.
Feind Nummer eins: Die Zeit
Sonne, Wind, Luftverschmutzung und vor allem das Wasser setzen dem Sandsteinbau zu. Die Stadt Bern, seit 1875 Eigentümerin des Münsters, ist für Konservierung und Restaurierung verantwortlich. Seit 1993 kümmert sich die Münster-Stiftung darum.
1998 wurde der Architekt Hermann Häberli berufen, um den Unterhalt des Gebäudes zu garantieren und die Renovationen zu beenden.
Dies ist nun vollbracht, doch ganze Fassadenteile konnten nicht mehr gerettet werden. «Wir haben die zerstörten Teile kopiert», erklärt Hermann Häberli, «und mehr Renovation als Konservierung gemacht». Insgesamt wurden 250 Tonnen Sandstein ersetzt.
Immer gut besuchte Gottesdienste
Doch das Berner Münster ist nicht einfach ein Touristenmagnet und mit der Plattform ein Ort zum Spielen und Verweilen für Einheimische. Seit ihrer Weihe 1875 ist die Kirche – bis heute – auch ein wichtiger Kultusort der reformierten Kirche Berns.
Die Besonderheit des Ortes mag eine Rolle spielen, dass der Münsterpfarrer von der Absenz der Kirchgänger weniger betroffen ist als viele seiner Kollegen.
Die spezielle Atmosphäre wird nicht zuletzt auch mitgeprägt durch die neue Münsterorgel, wie der Münsterpfarrer Jürg Welter auf der Internetseite des Berner Münsters schwärmt:
«Sie hilft uns, unsere Zeit auf aussergewöhnliche Weise zu verbrauchen, indem sie zu Wort kommt, wo die Worte enden und das Schweigen noch nicht eingezogen ist. Sie ist mehr als Kulturpflege evangelischer Kirchenmusik; sie ist das Gehäuse und Instrument schlechthin, das diesen Verbrauch und diese Unmittelbarkeit darstellt. Wir teilen als Gemeinde mit ihr die Luft zum Atmen und Klingen und Singen.»
swissinfo, Isabelle Eichenberger und Eva Herrmann
Der Bau der Kathedrale dauerte von 1421-1588
Sie gehört seit 1875 der Stadt Bern, welche sie an der reformierten Kirche vermietet
Der Unterhalt kostet 2,5 Mio. Fr. pro Jahr
Neben der Stadt zahlen der Bund, die Lotterie und die Burgergemeinde mit.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch