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Mitgliederschwund bei den Französischen Kirchen

Der Putz bröckelt, den französischsprachigen Kirchen fehlen die Mitglieder. (Im Bild eine unwettergeschädigte Kirche in Bern.) Keystone Archive

Die Zukunft der französisch-sprachigen Kirchgemeinden in der Stadt Bern ist in Frage gestellt: Die Zahl der Kirchenmitglieder ist im freien Fall und gefährdet den Bestand der Pfarrstellen. Die Verantwortlichen überlegen sich politische Schritte.

Zwischen 1995 und 2001 verlor die reformierte französisch-sprachige Kirchgemeinde der Stadt Bern rund einen Fünftel ihrer Mitglieder. Heute zählt sie laut Kirchgemeinderats-Präsident Christoph Kull noch rund 1’500 Personen.

Fehlende Neuzuzüger

Seinen Ursprung hat der Mitglieder-Schwund laut Kull in der Überalterung der französisch-sprachigen Gemeinschaft in der Stadt Bern und dem Mangel an Neuzuzügern aus der Romandie. Immer mehr welsche Beamte behalten dank besserer Verkehrs-Verbindungen ihren Wohnsitz in der Romandie und ziehen statt nach Bern bloss nach Freiburg um.

Weil die Zahl der Pfarrstellen von der Grösse der Kirch-Gemeinde abhängig ist, könnte sich die Situation künftig drastisch verschlimmern. Bereits beim nächsten ordentlichen Rücktritt werden die Stellen-Prozente der Pfarrer laut Kull von 200% auf 150% reduziert. «Schon heute hätten wir mit 200 Mitlieder im Grunde nur eine Vollzeitstelle zu gut», sagte Kull.

Eine der drei reformierten welschen Pfarrerinnen in der Stadt Bern ist Michelle Junod. Sie macht für die aktuelle Situation auch die Behörden der Stadt verantwortlich. Die Einwohner-Kontrolle mache sich nicht die Mühe, neu Angemeldete auf die Existenz der französisch-sprachigen Kirchgemeinden aufmerksam zu machen. Als Folge schliessen sich Neu-Ankömmlinge laut Junod häufig einer deutschsprachigen Kirchgemeinden an.

Dienste sind dennoch gefragt

Mitgliederschwund hin oder her: Bei einem konkreten Ereignis, sei es eine Taufe oder Heirat, nehmen die Romands die Dienste der französischen Gemeinden dann doch in Anspruch.

Diese Feststellung machen sowohl die reformierte wie die katholische Seite. Sie wollen sich nun an einen Tisch setzen, um die gemeinsamen Probleme zu besprechen.

Geplant sind zudem Vorstösse auf politischer Ebene, etwa im bernischen Grossen Rat oder beim Departement für auswärtige Angelegenheiten. Konkret könnte es dabei um die Dotierung mit Pfarrstellen oder um die zu geringe Achtung vor der sprachlichen Minderheit gehen.

swissinfo und Stéphane Hofmann (sda)

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