Maria Markova, 27, Doktorandin der Architektur, Russin, zum Islam konvertiert:
"Wir Kasaner haben den Wunsch, in Freundschaft zusammen zu leben. Wir müssen aber immer wieder daran arbeiten... Wir müssen den Kindern aber auch die Unterschiede zwischen den Kulturen und Religionen zeigen."
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Viktor Laschadkin, 86, Handwerker, Kirchenrestaurator, christlich-orthodox:
"Ich könnte es akzeptieren, dass mein Enkel eine Tatarin heiratet, aber niemals gutheissen, wenn er seine Kinder im muslimischen Glauben erziehen würde... Die Nationalität eines Menschen spielt keine Rolle, die Religion in letzter Konsequenz aber schon."
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Ilyas Nazim, 23, Journalist eines Web-Portals, Rapper und Hip-Hop-Musiker, Tatar, Muslim:
"Im Alltagsleben spielen Ethnie und Religion keine Rolle. Allerdings wär es schön, ein tatarisches Fernsehen zu haben oder einen breiteren Platz für die tatarische Sprache in den Schulen - und etwas weniger Abhängigkeit von Moskau!"
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Olga Nikolajewna, 57, Ärztin, Russin, christlich-orthodox:
"Natürlich beeinflussen sich die Kulturen... Auch wenn im Islam einem Mann vier Frauen erlaubt sind, käme kein Tatar auf die Idee, sich mit mehr als einer Frau zu verheiraten. Nicht nur, weil das offiziell verboten ist, sondern auch aus Einsicht und weil keine tatarische Frau in Kasan das dulden würde."
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Roza Zinatullina, 25, Juristin, Tatarin, Muslimin:
"Religion ist mir wichtig. Unwichtig ist für mich aber, wie sich ein Mensch im Alltagsleben kleidet. Das Innere eines Menschen zählt. Du kannst in jedem Kleid an Gott glauben. In Kasan ist es für viele muslimische Frauen ganz normal, sich ausserhalb der Moschee modisch zu kleiden."
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Linar Rizatdinov, 30, Musiker, Alina Rizatdinov, 25, Journalistin, Tataren, Agnostiker:
"Das Wort 'Toleranz' mögen wir beide nicht. Toleranz bedeutet, dass ich einen Menschen unabhängig davon, ob ich gut oder böse über ihn denke, ob ich ihn mag oder gar hasse, anlächle. Wir leben hier in Kasan nicht in gegenseitiger Toleranz, sondern versuchen immer aufs Neue, in Freundschaft zusammen zu leben."
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Sergej Korobzov, 55, Pope, Ludmilla Korobzov, 59, Lehrerin, Russen, christlich-orthodox:
"Wir zwei sind für ein Nebeneinander- und nicht für ein Zusammenleben der zwei Religionen. Wir sehen in gemischten Familien ein grosses Problem. Den Kindern fehlen da klare Regeln und eine eindeutige Moral. Die Religion kann in solchen Familien nicht wie ein grosser und starker Baum Schutz gewähren. Die Kinder treiben wie Blätter im Wind."
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Airat Mustafin, 27, Techniker, Tatar, Muslim:
"Ich kann mir gut vorstellen, eine Russin zu heiraten. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie einen guten Borschtsch kochen könnte! Das Ineinandergreifen der Kulturen empfinde ich als positiv!"
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Marina Axinova, 60, Bauingenieurin im Ruhestand, Russin, christlich orthodox:
"Es stört mich nicht, wenn bei mir im Quartier der Muezzin vom Minarett zum Gebet ruft. Daran haben wir uns alle doch längst gewöhnt... Ich habe viele Freundinnen in der Kul-Sharif-Moschee, hier gleich nebenan. Wir treffen uns oft zu einer fröhlichen Runde."
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Najia Galimova, 28, Modedesignerin, Tatarin, Muslimin:
"Sowohl in russischen und tatarischen Frauenkleidern des 19. Jahrhunderts habe ich viele ähnliche Details entdeckt und ich suche in meinen Entwürfen nach einer Kombination aus Elementen beider Kulturen... Oft wissen wir gar nicht mehr, ob eine Tradition russisch oder tatarisch ist. Das ist eine Chance. So kann etwas ganz Neues entstehen."
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Vom Zusammenleben von Muslimen und Christen in Tatarstan, Russland.
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
Seit Jahrhunderten leben Menschen verschiedener religiöser und ethnischer Gruppen friedlich in Kasan, einer Stadt der russischen Teilrepublik Tatarstan, 750 km östlich von Moskau. Die Schweizer Fotografin Silvia Voser porträtiert im Buch «… zum Beispiel Kasan» die Stadt, ihre Bewohner und das Leben in einer multikulturellen Gesellschaft.
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