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Fussball: EM abhaken, WM anvisieren

Auch die grosse Schweizer Hoffnung Xherdan Shaqiri blieb am Freitagabend in Wales ohne Torchancen. Keystone

Nach dem EM-Aus ist vor der WM-Qualifikation. Auf diesen Nenner lassen sich die Kommentare in der Schweizer Presse vom Wochenende nach der verpassten Qualifikation für die EM-Endrunde der Schweizer Nationalelf bringen.

Am Dienstagabend spielt die Schweiz ihren letzten Qualifikationsmatch gegen Montenegro. Was zu einem spannenden Kräftemessen um den zweiten Gruppenplatz und damit einen Barrage-Platz hätte werden können, bliebt jetzt für die Schweizer nur noch eine Frage der Ehrenrettung.

Oder wie der Blick es formuliert: «Das Spiel gegen Montenegro wird nicht zum grossen Showdown. Sondern zur Kehrauspartie.»

Dass die Schweizer Zeitungen sonst keine weitere Zeile über den kommenden Match vom Dienstag verlieren, zeigt deutlich, dass dies nur noch ein Spiel für die Statistik sein wird.

Am Freitagabend hatte alles noch ganz anders ausgesehen: Beim SMS-Voting, wer den Match gewinnen würde, die Schweiz oder das zuvor im Heimspiel mit 4:1 besiegte Wales, waren über 90% der Einsender überzeugt: Die Schweiz packt das.

93 Minuten später war der Traum aus: Wales hatte die Schweiz mit 2:0 geschlagen. Und als eine Viertelstunde später auch das Spiel Montenegro-England, mit dem Ausgleich Montenegros erst kurz vor Spielende, 2:2 unentschieden endete, war die Schweiz definitiv aus dem Rennen um einen Barrage-Platz.

Grosse Pleite

«Die Stunde der Desillusionen, die Ära der Versprechen» titelt am Montag die Westschweizer Le Temps, «Der walisische Drachen verschluckt Hitzfelds Schweizer», schreibt der Blick. «Der Umbruch als Chance für die Zukunft», heisst es in der Sonntagszeitung. «Ohne Chance und ohne Glück», so der Kommentar in Der Bund und Tages-Anzeiger. «Gedemütigt und vorgeführt», titelt die Basler Zeitung.

Zehn Jahre lang war die Schweiz an allen Welt- und Europameisterschaften dabei. «Dass man jetzt gescheitert ist, das ist für eine Fussballnation wie die Schweiz kein Weltuntergang. Trotzdem ist das Scheitern in dieser doch schwächeren Gruppe die grösste Pleite in der Ära Hitzfeld», schreibt der Blick.

Dies sieht auch der Kommentator der Basler Zeitung so: «In dieser sportlich bescheidenen Gruppe G wäre mehr drin gelegen als Platz drei.»

Tages-Anzeiger und Der Bund sind der Meinung, die Schweizer Auftritte stünden «krass im Kontrast zum Selbstverständnis der Schweizer, die sich forsch auf europäischem Niveau sehen».

«Verschnaufpause»

Da jetzt nur noch Freundschaftsspiele ausgetragen würden, habe die Mannschaft nun etwas Zeit, um sich zu stärken für die Qualifikation zur WM 2014in Brasilien, die im September 2012 beginnt, schreibt Le Temps. «Kurz, eine Geschichte in der Zukunft, um das Vergangene zu vergessen. Ein kleines Jahr, um an der ewigen Baustelle weiterzubauen, an den individuellen Talenten zu feilen und den Zusammenhang im Team zu stärken. Schliesslich bleibt nicht allzu viel Zeit.»

Laut der NZZ am Sonntag muss sich das Team nach den radikalen Änderungen «in neuer Hierarchie weiter finden. Die Jungen haben zumindest in der A-Auswahl eine Verschnaufpause und werden vor der Euro 2012 nicht wie Pop-Stars in jedem Magazin zigmal abgelichtet». Daher sollten die kommenden Monate «als Chance genutzt werden».

Die Hoffnung der Sportkommentatoren liegt jetzt auf dem durch Trainer Hitzfeld – nach dem Rücktritt der zwei Teamstützen Alex Frei und Marco Streller –forcierten Umbruch im Team. «Immerhin bleibt Hitzfeld eines erspart», schreiben Tages-Anzeiger und Der Bund. «Er muss keinen Umbruch mehr planen. Die Jugend drängt nach. Die Basis für eine bessere Zukunft ist gelegt.»

Solide Basis gesucht

Eine Meinung, die auch der Blick-Sportchef teilt, der am Samstag in die Tasten gegriffen hat: «Der von Hitzfeld vorangetriebene Umbruch ist richtig. Die jüngste Nationalmannschaft aller Zeiten hat Zukunft.» Am Freitag habe «das Projekt WM-Qualifikation Brasilien begonnen!».

Dieser Umbruch biete langfristig «zweifellos die Chance, das Team auf eine solide Basis zu stellen», so die Sonntagszeitung. «Aber der Trainer hat auch Baustellen zu beheben: in Abwehr, Mittelfeld und Angriff.»

Hitzfeld erklärte, die Mannschaft dürfe am Dienstag gegen Montenegro die Fans nicht enttäuschen. Es sei für ihn «bereits der Beginn der Vorbereitung auf die WM-Ausscheidung», wie ihn das Sonntagsblatt zitiert.

Captain Gökhan Inler sagte, für die «Nati» fange jetzt ein neues Kapitel an. Dafür müsse eine gute Mannschaft geformt werden. «Es ist an ihnen, diesen Auftrag zu erfüllen», kommentiert die Sonntagszeitung.

Tabelle

(Spiele/Siege/Unentschieden/ Niederlagen/Torverhältnis/ Punkte):

1. England 8 5 3 0 17:5 18

2. Montenegro 7 3 3 1 7:5 12 

3. Schweiz 7 2 2 3 10:10 8

4. Wales 7 2 0 5 5:10 6  

5. Bulgarien 7 1 2 4 3:12 5

Am Dienstag spielen Bulgarien gegen Wales und die Schweiz gegen Montenegro. Es sind die letzten Spiele dieser Gruppe.

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