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KGB-Schreck in Zürich

Der DDT-Sänger Jurij Schewtschuk im Volkshaus Zürich. Keystone

Die einst vom Geheimdienst bedrängte russische Rock-Ikone Jurij Schewtschuk trat mit der Gruppe DDT erstmals in der Schweiz auf - und sorgte für Furore.

«Mne chotschetsja domoj», sagen Russen, wenn sie Heimweh haben. Was soviel heisst wie: «Ich will nach Hause.» Ein Gefühl, das Schewtschuk bei einem Grossteil der überwiegend russischen Konzertbesucher ausgelöst zu haben schien.

Gut gelaunt, springend und dann wieder philosophisch ruhig sitzend, begeisterte er während zweieinhalb Stunden mit einem breiten Programm: kräftiger Folk-Rock, Hard-Rock, Balladen im russischen Barden-Stil und immer wieder literarische Einlagen – das Markenzeichen des Dichters und Sängers mit der rauchigen Stimme. «DDT, das ist ein Gedicht», schwärmte Diana, eine junge Petersburgerin.

Dichter, Maler, Musiker

Es war Anfang der 80er Jahre in der Uralstadt Ufa, wo der diplomierte Maler Schewtschuk 1980 DDT gründete – benannt nach dem «Haus kunstschaffender Kinder», in dem er arbeitete. Die Lieder entstanden im Untergrund. Die Kassetten zirkulierten inoffiziell. Mit Anti-Kriegsliedern wie «Schiess nicht» erregte er Aufsehen – auch beim sowjetischen Geheimdienst KGB.

Schewtschuks Auftritt auf einem Moskauer Musikfestival für den Weltfrieden wurde 1983 von der Zensur aus der Fernsehübertragung herausgeschnitten. Ein Jahr später musste er schriftlich bestätigen, zukünftig keine Lieder mehr zu komponieren oder öffentlich vorzutragen. Der Kritiker verliess das Provinznest Ufa in Richtung Leningrad (Sankt Petersburg), der liberaleren, kulturellen Hauptstadt Russlands.

Aufwind im Zug der Perestrojka

Das war 1985. Damals, als Michail Gorbatschow dem sowjetischen Volk Offenheit und Transparenz verschrieb. Für Gruppen wie DDT, Aquarium oder Kino folgten die besten Jahre ihrer Karriere. Die ehemaligen Untergrund-Rocker traten vor die Massen – mit Texten, welche die Sozial- und Regimekritik nicht mehr zwischen den Zeilen versteckten.

Das staatliche Tonstudio Melodija «erbarmte» sich DTT erstmals 1988. Das dort fabrizierte Album verkaufte sich 1,5 Millionen Mal.

Bis heute gehört DDT, mit insgesamt 20 Tonträgern, zu den beliebtesten Formationen Russlands. Der Durchbruch beim westlichen Publikum gelang aber weder ihnen noch einer anderen russischen Rockband. Auf den Tourneen durch Israel, Nordamerika oder Europa tritt DDT vor allem vor der russischen Diaspora auf.

Gegen seichte Popmusik

Die kommerziell-seichte Popmusik, die derzeit in Russland dominiere, bezeichnet Schewtschuk als «Armut, mit der aber viel Geld zu machen ist». Die «Glasnost Dinosaurier» von DDT unterstützen darum junge, russische Rockmusikanten, für die sie Konzerte organisieren und Tonträger produzieren.

Den russischen Fans im Volkshaus gefielen in erster Linie die älteren Hits wie «Der letzte Herbst». Sie haben zwischen dem Baltikum und Wladiwostok fast schon Volkslied-Charakter.

Als sich der Star bereits von der Bühne verabschiedet hatte, wurde er für eines dieser Lieder zurückgetobt: für «Rodina» – Heimat.

swissinfo und Christof Franzen (sda)

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