Liebesgetändel im Garten Eden
Zwei Schäferspiele aus dem 18. Jahrhundert erhalten auf der St. Petersinsel im Bielersee ihren besonderen Zauber: Jean Jacques Rousseaus "Le devin du village" (Der Dorfwahrsager) und Mozarts "Bastien und Bastienne".
An der Premiere vom Freitagabend (03.08.) bewährte sich die nach dem Vorbild jener Zeit rekonstruierte Wanderbühne: Zuschauer und Schauspieler blieben trotz starken Regens am Trockenen. An einem lauen Sommerabend ergibt sich der angestrebte Einbezug der Umgebung ins Spiel sicher auf noch intensivere Weise.
Der Inhalt der beiden eng verwandten Singspiele ist rasch erzählt: Die Liebe zwischen dem Schäferpaar ist getrübt, und so sucht die Frau (Colette bei Rousseau, Bastienne bei Mozart) beim Dorfwahrsager Rat. Dieser weiss gegen gutes Geld ein Mittel: Die Eifersucht des Ungetreuen zu erregen. Der Mann zeigt Reue, die Liebenden finden sich wieder.
Den Reiz der Einakter macht aber weniger die leichtgewichtige Handlung aus, als vielmehr die Musik: die Camerata Wien unter der Leitung von Erke Duit und die Stimmen der Schauspielerinnen und Schauspieler. Dabei steht das Stück von Rousseau von 1752 dem Werk Mozarts von 1768 bezüglich Schwung und Schmelz nicht nach.
Symbolkraft des «Tatorts»
Produzent Lukas Leuenberger, der schon mit früheren Freilicht-Aufführungen wie Dürrenmatts «Alter Dame» (1986), Gotthelfs «Schwarzer Spinne» (1988) oder Ulrich Bräkers «Gerichtsnacht» (1998) grosse Beachtung gefunden hat, setzt erneut auf die Symbolkraft des «Tatorts».
Rousseau hatte sich 1765 auf die Insel geflüchtet und war bereits nach sechs Wochen wieder von ihr vertrieben worden. Er setzte ihr ein begeistertes literarisches Denkmal und löste damit ein eigentliches Wallfahrten von Künstlern und gekrönten Häuptern auf die zuvor unbekannte Insel aus. Davon künden ein Buch und eine Ausstellung.
Einstimmung durch Ausstellung
Es empfiehlt sich, nicht allein die Aufführung der beiden Stücke zu besuchen, sondern sich durch die Ausstellung, die als Spaziergang auf der Insel angelegt ist, darauf einstimmen zu lassen. Sie gibt Zeugnis, wie die Insel im Geist der Empfindsamkeit als Garten Eden, als Arkadien verherrlicht wurde.
Als Regisseur konnte Lukas Leuenberger den 38-jährigen Christian Brandauer gewinnen, den Sohn des Schauspielers Karl Maria Brandauer. Letzterer wohnte der Premiere ebenso bei wie weitere Prominenz aus Politik und Kultur. Christoph Blocher als Hauptsponsor war da, ebenso Kurt Felix mit Gattin Paola.
swissinfo und Agenturen
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