Paléo Festival Nyon: Mix aus Weltmusik, Techno und Pop
Rock, Chanson oder schamanische Klänge aus dem fernen Tuva. Das Paléo Festival kennt keine musikalischen oder geografischen Grenzen. Das grösste Schweizer Open-air lockt zwischen dem 24. und dem 29. Juli wieder Musikfans jeglichen Alters an den Genfersee.
Dass dieser bunte Mix – das Markenzeichen des Paléo – zieht, zeigen die Vorverkaufszahlen. Von den pro Tag verkauften 32’000 Tickets waren knapp eine Woche vor Festivalbeginn nur noch wenige zu ergattern. Der Abschlussabend war dank Hitparaden-Stürmer Manu Chao bereits Ende Juni ausverkauft.
Neu ist der «Global-Village-Mix» des 26. Paléo nicht. Wiederum bietet das Programm auf der Hauptbühne Bewährtes aus Rock und Pop wie Texas, Pulp oder Ben Harper. Auf den vier Nebenbühnen sind eher die Geheimtipps und Trouvaillen auszumachen.
Ein Chanson-Festival
Doch in Nyon steht auch das französische Chanson hoch im Kurs: Auf der grossen Bühne lösen sich am Freitag Claude Nougaro, Vanessa Paradis und Gerald De Palmas ab.
Mit Pascal Obispo und Lynda Lemay am Mittwoch sowie Henri Salvador am Samstag dürfte bewiesen sein, dass das Chanson noch immer lebendig und attraktiv ist. Mit solchen «Headlinern» hebt sich das Festival deutlich vom üblichen Mix der Deutschschweizer Festivalszene ab.
In sechs Tagen um die Welt
Den Wurzeln der 70er treu geblieben ist Nyon mit seinem Weltmusik-Kaleidoskop: Neben den unverwüstlichen Black Uhuru aus Jamaica mit ihrer Rhythmus-Maschine Sly und Robbie steht auch Musik aus Peru, Brasilien, den Kapverden oder dem fernöstlichen Tuva auf dem Programm.
Eine Perle dürfte der Samstagabend mit «The Time of the Gipsies» sein, an dem 60 Zigeuner-Künstler in fünf Formationen mit ihrer Musik eine Brücke von Andalusien über den Balkan bis in die Wüste Rajasthans schlagen.
Musiker wie Ray Lema aus dem Kongo und Geoffrey Oryema aus Uganda bringen die reiche afrikanische Musiktradition gemischt mit modernem westlichem Sound auf die Bühnen von Nyon.
Auch Schweizer Kost
Doch das Gute kann auch nahe liegen: Die Zürcher Frauen-Rockband Rosebud bietet live deutlich mehr Power als es ihre Erstlings-CD vermuten lässt. Schon bewährter sind die Genfer The Young Gods, die mit ihrer neuen CD «Second Nature» zu neuen musikalischen Horizonten aufgebrochen sind.
Mit Mano Negra war Manu Chao 1989 und 1991 am Paléo. Nun macht der Sänger mit seinem neuen Album «Proxima Estacion: Esperanza» am Abschlussabend Halt auf der Asse, dem Gelände des Festivals.
Der Rebell mit spanischen Wurzeln ist geradezu die Verkörperung des modernen Paléo: Mit Nonchalance mischt der Weltenbummler einen bunten musikalischen Cocktail zusammen, süffig für einen lauen Sommerabend.
Digitaler Groove
Wem das alles zu altbacken und konventionell klingt: Im Club Tent sind Drum’n’Bass, Techno/House, Sampling sowie Remixes und damit lange bewegte Nächte angesagt. Red Snapper oder die Troublemakers aus Marseille, die deutschen DJs Ricardo Villalobos und Tobi Neumann und andere Techno-Künstler sorgen für die andere, digitale Musikwelt.
swissinfo und Agenturen
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