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Presseschau vom 04.11.2002

Die politische Wende in der Türkei wird in der Schweizer Presse unterschiedlich kommentiert.

Einmal mehr geraten zudem Schweizer Wirtschaftsführer unter Beschuss – und ein geschichtsträchtiges Fussballresultat wird vermerkt.

Ein Sieg der Islamisten war im Vorfeld erwartet worden. Doch die Wahlen bescherten der AKP einen überaus deutlichen Sieg. Der TAGES-ANZEIGER titelt:

«Politischer Erdrutsch in der Türkei.»

Es sei ein deutlicher Platzverweis für die alte Elite, so der TAGI. Und weiter:

«Der politische Spielraum der neuen Regierung aber ist begrenzt. Erdogan kann angesichts der ruinierten Staatsfinanzen die Kredite beim Internationalen Währungsfonds nicht kündigen. Auch in der Aussenpolitik wird seine AKP keinen neuen Kurs einschlagen. Sie wird den Weg der Türkei in die EU nicht abschneiden.»

Auch LE TEMPS sieht das so. «Vers l’islam euro-compatible», überschreibt das Blatt seinen Kommentar. Der AKP-Führer Erdogan sehe keinen Widerspruch zwischen Islam und Demokratie, sondern definiere sich als muslimische Version der christdemokratischen Parteien Europas.

Allerdings: Der «Rechtsrutsch verunsichert», schreibt die NEUE LUZERNER ZEITUNG.

Es drohe «politische Instabilität», befürchtet die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG.

Auch der Berner BUND ortet Misstrauen. Nicht nur das Militär, westlich orientierte Türken und das Ausland seien ebenso skeptisch.

«Doch türkische Islamisten sind nicht mit ägyptischen oder algerischen gleichzusetzen. Erdogan ist beim Wort zu nehmen; es ihm zu verbieten, hiesse die Realität des Landes zu verneinen.»

Rauer Wind für die Wirtschaft

In der Schweizer Realität spielt die Wirtschaft eine wichtige Rolle – allerdings momentan häufig die des Buhmannes.

Der BLICK drischt mit harten Worten auf die Verwaltungsräte der «Rentenanstalt», welche «Abzocker gewähren» liessen. Alle Verantwortlichen werden mit Bild vorgeführt – zuoberst mit dabei Gerold Bührer, Präsident der Freisinnig-Demokratischen Partei. Der Titel: «Die Schlafmützen der Rentenanstalt.»

Der TAGES-ANZEIGER thematisiert den aktuellen grossen Streiktag der Bauarbeiter:

«Die nicht enden wollenden Skandale um einst angesehene Firmen verbreiten Misstrauen. Die nackte Geldgier einst respektierter Manager erweckt Abscheu. Es ist verständlich, dass die Gewerkschaften darauf reagieren und die Massen mobilisieren.»

Doch, so der TAGI weiter, ein Streik sei bekanntlich keine Sonntagsschule.

«Ein paar verantwortungslose Manager haben soziales Kapital im grossen Stil vernichtet. Gerade deshalb brauchen wir verantwortungsvolle Gewerkschafter, die mit der Streikwaffe behutsam umgehen.»

Der Streiktag ist auch Thema in der BERNER ZEITUNG – hier wird zurückgeblendet bis zum Schweizer Generalstreik 1918, gegen den die Regierung die Armee einsetzte.

Der Historiker Hans Ulrich Jost kommt in der BZ zum Schluss, die föderalistische Struktur der Schweiz sei dafür verantwortlich, dass es nicht häufiger nationale Streiks gebe. Jost hält Streiks für ein unerlässliches Instrument, um bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen zu können.

«Auch wenn die Arbeiter manchmal erst Jahrzehnte später profitieren.»

Geschichtsträchtiges Fussball-Resultat

Zehntausend im Streik – da nimmt sich die Zahl 11 daneben beinahe unscheinbar aus. Dabei ist es ebenfalls ein Rekord: Mit 11:3 Toren bezwang Wil im Ostschweizer-Derby am Sonntag den FC St. Gallen.

Die BASLER ZEITUNG kurz und bündig:

«Die 18. Nationalliga-A-Runde geht in die Geschichtsbücher ein.»

swissinfo, Eva Herrmann

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