Ringier übernimmt Jean Frey AG
Die Basler Mediengruppe will Ringier den Jean-Frey-Verlag verkaufen. Zustimmen muss noch die Wettbewerbs-Kommission. Die Neulancierung der Weltwoche wird verschoben.
Wie die beiden Unternehmungen am Donnerstag bekannt gaben, sind sich Ringier und Basler Mediengruppe (BM) über die Transaktion grundsätzlich einig. Ein entsprechender Vorvertrag wurde laut Basler Mediengruppe, der Herausgeberin der «Basler Zeitung», bereits unterschrieben.
Martin Werfeli, operativer Ringier-Konzernchef, rechnet damit, die Prüfung der Jean-Frey-Geschäftsrechnung (Due Diligence) in sechs Wochen abgeschlossen zu haben. Dann werde ein Antrag an die Wettbewerbs-Kommission gestellt, die ihrerseits etwa drei Monate benötigen dürfte, um die Sachlage zu prüfen. Ein definitiver Vertragsabschluss ist demnach in etwa viereinhalb Monaten, also Mitte Mai 2002, zu erwarten.
Über die Konsequenzen für die rund 290 Angestellten der Jean Frey und für die Printprodukte könne zum jetzigen Zeitpunkt nichts gesagt werden, sagte Werfeli.
Von «Blick» bis «Bilanz»
Die Übernahme umfasst sämtliche Titel von Jean Frey sowie den angegliederten Fachmedienverlag. Zur Jean Frey Medien AG gehören die stark defizitäre «Weltwoche», die «Bilanz», der «Beobachter», das TV-Magazin «TR 7» sowie eine ganze Reihe von Spezial-Zeitschriften für Verbände und Standes-Organisationen.
Der Ringier Verlag gibt in der Schweiz unter anderem den «Blick», den «SonntagsBlick», die Wirtschaftszeitung «Cash» sowie die «Schweizer Illustrierte» heraus. Ringier engagiert sich auch stark im Zeitschriftengeschäft in Osteuropa.
90 Mio. Franken weniger Umsatz
Durch den Verkauf der Jean Frey AG zu einem ungenannten Preis geht der BM ein Umsatz von rund 90 Mio. Franken verloren, wie BM-Sprecher Walter Schäfer sagte. Im letzten Geschäftsjahr hatte die Basler Mediengruppe einen Umsatz von insgesamt 512 Mio. Franken verbucht. Die BM soll laut ihrem Sprecher weiterhin schwarze Zahlen schreiben.
Zwei Titel aus dem von Beat Curti übernommenen Jean Frey-Portfolio erwiesen sich für die BM als Fässer ohne Boden: Die defizitäre Wochenzeitung «Sport» wurde 1999 eingestellt. Die 2002 in neuem Format erscheinende «Weltwoche» verbuchte in den letzten Jahren einen Verlust von sechs bis acht Mio. Franken.
Relaunch der Weltwoche verschoben
Laut Ringier soll der lange angekündigte Relaunch der Weltwoche unter der neuen Leitung von Roger Köppel und Kenneth Angst um einige Monate verschoben werden. Die Neuauflage der traditionellen Wochenzeitung im Magazinformat war ursprünglich für Ende Januar geplant gewesen.
Bei der «Weltwoche» kam der Entscheid offensichtlich überraschend. Zur näheren Bedeutung des Verkaufs konnte Ko-Redaktionsleiter Angst vorerst keine Angaben machen. «Wir sind auch noch am Verdauen», sagte er.
Der Berner Medienwissenschaftler Roger Blum hält die Weiterexistenz des Prestigetitels indes nicht für gefährdet: «Die ‚Weltwoche‘ kauft man nicht, um sie zu schliessen, sondern um etwas mit ihr zu machen», sagte Blum im Gespräch mit swissinfo.
«Beste Lösung»
Die Verhandlungen mit Ringier wurden nach Angaben von BM-Sprecher Schäfer im September aufgenommen. Zum Tragen komme die beste aller möglichen Lösungen, weil ein Schweizer Unternehmen die Jean Frey AG übernehme und die Herausgabe der Titel gewährleistet bleibe. Zudem sei für das Personal «die Sozialverträglichkeit gewährleistet».
Mit dem Verkauf der Jean Frey AG zieht die Basler Mediengruppe den Schlussstrich unter den überteuren Versuch, über die Stammlande hinaus zu expandieren. Das achtjährige Engagement in Zürich brachte den Baslern Verluste von rund 100 Mio. Franken.
swissinfo und Agenturen
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