Martin Suters neuer Roman ist Liebesgeschichte und Krimi in einem
Eine Begegnung mit dem Physiker Federico Faggin gab Martin Suter den Anstoss zu seinem neuen Roman "Ein und Alles". Dessen These eines unsterblichen Bewusstseins habe ihn fasziniert. Daraus entstanden ist eine Liebesgeschichte und ein psychologischer Krimi in einem.
(Keystone-SDA) «Ein und Alles» handelt von einem mysteriösen Kriminalfall und erzählt gleichzeitig die Geschichte einer bedingungslosen Liebe. Sascha kommt eines Abends nicht nach Hause. Mia ist sich sicher, dass er nicht weit weg sein kann. Die beiden sind seit sechs Jahren ein Paar und einander ihr Ein und Alles.
Aber die Polizei fahndet nach ihm, weil er in Verdacht steht, in seiner Firma viel Geld veruntreut zu haben. Bald glaubt niemand mehr daran, dass er noch lebt. Doch Mia bekommt Zeichen, die nur von ihm stammen können. Sie folgt diesen Hinweisen um die halbe Welt.
Hinter diesem Plot steckt die These des Physikers und Erfinders Federico Faggin. Demnach ende das Bewusstsein nicht, wenn der Körper stirbt. Diese Idee schlägt sich im Roman nieder. Auf Mias Suche nach ihrem Mann verwischen die Grenzen zwischen Schein und Sein.
Im Interview sagt der Autor Martin Suter, wie er auf die Idee zu «Ein und Alles» gekommen ist.
Martin Suter: «Eine Freundin hat mich im März vergangenen Jahres auf Federico Faggin aufmerksam gemacht. Seine Erkenntnisse über das Bewusstsein haben mich fasziniert. Er ist ein grosser Wissenschaftler und Erfinder.
Daraufhin habe ich weiter recherchiert und auch geschaut, ob der italienisch-amerikanische Physiker irgendwann einmal in Europa ist. Ende Juni hielt er einen Vortrag in Italien, und am nächsten Morgen haben wir zusammen gefrühstückt. So haben wir uns kennengelernt. Das war eine sehr schöne Begegnung.
Ich wollte eigentlich noch nicht schon wieder einen Roman schreiben, aber ich konnte gar nicht anders. Zu diesem Thema musste ich einen schreiben.»
Was hat Sie so fasziniert?
Suter: «Faggin sagt, das kollektive Bewusstsein ist etwas Elementares wie Zeit und Raum. Unser aller Bewusstsein ist dadurch etwas Unsterbliches, weil es nicht mit dem Körper entsteht und deswegen auch nicht mit dem Körper stirbt. Das hat mich fasziniert und ich habe mich gefragt, welche Geschichte könnte ich vor diesem Hintergrund schreiben, wenn ich das als Fakt nehme.»
Sie wollten nicht schon wieder einen Roman schreiben. Was hatten Sie ursprünglich im Auge?
Suter: «Ich hatte ziemlich viele Bücher veröffentlicht und wollte eigentlich eine Pause machen. Später wollte ich vielleicht wieder einen von Allmen-Krimi schreiben. Manchmal wirft man mir vor, ich sei eine Schreibfabrik. Aber ich bin einfach alt und habe noch viel vor.»
Sie haben sich entschieden, das Thema als Liebesgeschichte und Krimi umzusetzen.
Suter: «Ja, als ich Faggin im Juni 2025 getroffen habe, hatte ich schon das Konzept für das Buch. Ich wollte weder etwas Wissenschaftliches noch etwas Esoterisches schreiben. Ich wollte einen spannenden Roman schreiben und hatte ziemlich bald die Idee für eine Liebesgeschichte und einen Krimi mit Tiefgang.»
Wie haben Sie für den Roman recherchiert?
Suter: «Über die Liebe muss ich nicht sehr viel recherchieren. Und für die Krimi-Geschichte: In Zürich gibt es eine sehr gute Medienstelle in der Stadtpolizei mit sehr kompetenten und hilfsbereiten Leuten. Mit denen habe ich gearbeitet und mir auch das Okay von ihnen eingeholt.
Was stimmen kann in der Fiktion, das muss stimmen, finde ich immer. Sonst glaubt man die Fiktion nicht mehr. Vom Boden der Realität kann man viel besser abheben. Ansonsten musste ich nicht sehr viel recherchieren.»
Haben Sie selbst Erfahrungen mit dem kollektiven Bewusstsein gemacht?
Suter: «Alle, die im Leben nahestehende Menschen verloren haben, werden sagen, dass diese immer wieder präsent sind. Aber in der Fiktion muss man gewisse Dinge als gegeben nehmen. Ich bin weder Wissenschaftler noch Geisteswissenschaftler. Ich wollte einfach eine Geschichte erzählen. Wenn ich einen Roman über eine Frau schreibe, die fliegen kann, dann diskutieren wir auch nicht darüber, ob das möglich ist.»*
*Dieses Interview von Young-Sim Song, Keystone-SDA, wurde mithilfe der Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung realisiert.
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