Mobiliar meldet Wespennest-Boom: Experte sieht keinen echten Trend
In der Schweiz gibt es fünfmal mehr gemeldete Wespennester als noch vor fünf Jahren. Das zeigen neue Zahlen zu Schadensmeldungen bei der Versicherung Mobiliar. Laut einem Experten heisst das aber nicht, dass es wirklich mehr Wespen gibt in der Schweiz als früher.
(Keystone-SDA) «Ich habe den Eindruck, dass es immer etwa gleich viele Wespen gibt», sagte Insektenexperte Hannes Baur vom Naturhistorischen Museum Bern auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Nach Kenntnissen Baurs gibt es kein Monitoring über die Populationen der Deutschen und der Gemeinen Wespe – den beiden einzigen Arten, die dem Menschen in der Schweiz lästig werden. Daher seien wissenschaftlich belastbare Aussagen über die Entwicklung der Insekten schwierig. «Wahrscheinlich haben sich aber eher das Verhalten der Menschen und die Erfassung der weggemachten Wespennester verändert als die Wespenpopulation.»
5800 Nestern entfernt
Gemäss den am Dienstag veröffentlichten Zahlen der Mobiliar stieg die Frequenz der gemeldeten Nester in den Monaten Juli und August von 0,27 Fällen pro 1000 Haushalte im Jahr 2021 auf 1,34 im Jahr 2025. Schweizweit verzeichnete die Versicherung im vergangenen Jahr rund 5800 Nester. Besonders hoch war die Dichte in der Romandie, wobei der Kanton Jura mit einer Verachtfachung der Meldungen herausstach.
Laut dem Experten sind diese Zahlen jedoch wenig aussagekräftig, da sie durch Einzelereignisse verfälscht seien. Der Vergleichszeitraum ab 2021 sei zudem kurz: Das Coronajahr sei ohnehin schwer vergleichbar, und zudem sei es ein sehr nasses Jahr mit wenig Wespen gewesen. Dass die Zahlen danach höher lagen, sei nicht überraschend und zeige keinen langfristigen Trend.
Trockenheit ein Problem für Wespen
Die Populationsgrösse schwankt naturgemäss von Jahr zu Jahr stark. Baut eine Königin im Frühling eine Kolonie auf und das Wetter ist nass, gehen viele ein. Sind die Bedingungen gut, kann es laut Baur zu einer «Explosion» kommen.
Für das aktuelle Jahr seien die Bedingungen «nicht schlecht, aber auch nicht super». Die enorme Trockenheit könne den Wespen sogar zusetzen: «Andere Insekten, die mehr Wasser brauchen, haben sich dadurch schlecht entwickelt – diese wiederum sind die Nahrungsgrundlage für die Wespen», so Baur.